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Prozess im Missbrauchsfall Münster

Verteidiger wollen keine Sicherungsverwahrung für Adrian V.

Münster

50. Verhandlungstag im Missbrauchsprozess gegen Adrian V. und vier weitere Angeklagte: Nebenkläger und Verteidigung halten ihre Plädoyers. Sie bewerten einiges anders als die Staatsanwaltschaft in der Vorwoche.

Von Dirk Anger

Im Missbrauchsfall Münster wurden die Plädoyers gehalten.  Foto: dpa

Für Adrian V., den Haupttäter im Missbrauchskomplex Münster, haben dessen beiden Verteidiger am Dienstag vor dem Landgericht eine „angemessen milde Strafe“ beantragt. Dem 28-jährigen Münsteraner werden Dutzende Fälle schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern vorgeworfen. Unter anderem soll er gemeinsam mit drei mitangeklagten Männern den damals zehnjährigen Sohn seiner Lebensgefährtin und den fünfjährigen Jungen des 31-jährigen Angeklagten aus Staufenberg in einer Gartenlaube in Münsters Norden mehrfach missbraucht und vergewaltigt haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte in der vergangenen Woche eine Freiheitsstrafe von 14 Jahren wegen 32 Fällen von schwerem sexuellen Missbrauch an Kindern gefordert. Angesichts einer solch langfristen Freiheitsstrafe sei eine Sicherungsverwahrung nicht zwingend, meinte indes die Verteidigung von Adrian V. am 50. Verhandlungstag unter Verweis auf eine entsprechende Rechtsprechung.

Freispruch für Mutter von Adrian V. gefordert

Die Verteidigung des Staufenbergers Tobias S. und von Enrico L. (43) aus Schorfheide hatten in ihren Plädoyers ebenfalls angemessen milde Strafen und den Verzicht auf eine spätere Sicherungsverwahrung gefordert, wie Gerichtssprecher Steffen Vahlhaus erklärte. Die Schlussvorträge fanden zur Wahrung schutzwürdiger Inter­essen der Opfer, aber auch der der Täter unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Für die Mutter von Adrian V. beantragte deren Rechtsanwalt einen Freispruch, die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre Haft wegen Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch gefordert. Die beiden Nebenkläger, die die Interessen der Opfer vertreten, hatten sich den Anträgen der Staatsanwaltschaft zu langjährigen Freiheitsstrafen für alle Angeklagten angeschlossen.

Tatverdächtiger stellt sich

Unterdessen hat die Polizei nach einer öffentlichen Fahndung einem weiteren Tatverdächtigen im Missbrauchskomplex festgenommen. Der 37 Jahre alte Mann aus Berlin ist nach Polizeiangaben auf mehreren beschlagnahmten Bild- und Videodateien zu sehen. Er sei am Abend in der Hauptstadt widerstandslos festgenommen worden, teilte die Sonderkommission „Rose“ mit. Bei der Polizei waren zuvor über eine Hotline Dutzende Hinweise eingegangen. Aufgrund des hohen Fahndungsdrucks hatte sich der 37-Jährige dann im Beisein seines Anwalts telefonisch bei der Polizei gemeldet.

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