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Ute Lempers Hommage an Astor Piazzolla im Theater Münster

Von Buenos Aires in die Welt

münster

Ute Lemper gab sich wieder einmal die Ehre. Auf Einladung des Fördervereins des Prostatazentrums an der Uni-Klinik Münster präsentierte sie im Theater Münster ein Programm als Hommage an Astor Piazzolla. Wir waren dabei.

Von Robin Gerke

Ute Lemper im Großen Haus des Theaters Münster Foto: Rüdiger Wölk

Der Förderverein des Prostatazentrums am UKM fährt einen der größten für Münster denkbaren Promi-Namen für sein Benefizkonzert am Mittwochabend auf – mit Erfolg, wie das restlos ausverkaufte Große Haus beweist. Ob die Welt aus Tabak, Tequila und käuflicher Liebe, in die Ute Lemper entführt, angesichts des Förderzwecks un- oder vielleicht besonders passend ist, mag streitbar sein, die Nähe zum Themenkreis urologischer Leiden ist jedenfalls vorhanden.

Unstrittig ist das wie zu erwarten hohe Niveau, mit dem die Vollblut-Kosmopolitin ihr Programm spinnt, und die Begeisterung, mit der das Publikum dieses aufnimmt.

Natürlich kannte sie Astor Piazzolla persönlich, hatte gar Großes mit ihm geplant, was durch dessen Krankheit und Tod aber nicht werden sollte. Wohl aber tourte Ute Lemper später mit Piazzollas Musikern, und auch heute bringt sie die Geschichten, die seine Musik erzählen, auf die münsterische Bühne. Markig-schmachtend und mit einer deftigen Prise Broadway-Grandeur unternimmt sie viersprachige Ausflüge in Chanson, Scat- und andere Gesänge der Weltbühne. Die Dramaturgie ist lückenlos bis in die letzten Takte der Zugaben durchgestylt und wird von einer Band getragen, die so international wie hochkarätig ist. Eine besondere Erwähnung verdienen Bandoneonist Víctor Villena und sein facettenreiches, tief empfindsames Spiel.

Das genießbare Maß an parfümierter Bittersüße ist früher oder später erreicht, was dem zahlenden Gast natürlich bekannt ist, sodass er oder sie entsprechend große Behältnisse dafür mitbringt. Trotzdem ist die Auflockerung in der zweiten Hälfte mehr als willkommen. Neben einem wirklich köstlichen Exkurs zur Geschichte des Bandoneons und dessen frommen Wurzeln verquickt Lemper den Tango mit ihrer Liebe zu Kurt Weill und bricht auch zur Poesie Pablo Nerudas aus der immerwährenden melancholischen Schwere aus. Nach einem sentimentalen Blick in Münsters ebenso berühmten wie ehrenwerten Lampenhimmel wünscht sie dem münsterischen Publikum eine gute Nacht und erntet gleich zweimal Standing Ovations – im Großen Haus wahrlich keine alltägliche Erscheinung. Aber das ist Ute Lemper schließlich auch nicht.

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