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Missbrauchsfall Münster

Weitere Anklage wegen schweren sexuellen Missbrauchs

Münster

Weitere Anklageerhebung: Die Staatsanwaltschaft Münster erhebt Anklage gegen einen 37-jährigen Wuppertaler. Er soll den damals neunjährigen Ziehsohn von Adrian V. – Hauptbeschuldigter aus Münster – im Jahr 2019 schwer sexuell missbraucht haben.

Seit Beginn der Ermittlungen im Mai 2020 hat die Staatsanwaltschaft Münster nunmehr die zwölfte Anklageschrift erhoben. Foto: Jürgen Peperhowe

Die Staatsanwaltschaft Münster hat nach eigenem Bekunden gegen einen 37 Jahre alten Mann aus Wuppertal Anklage bei der Jugendschutzkammer des Landgerichts Münster erhoben.

Ausgangspunkt des Ermittlungsverfahrens waren Ermittlungen der Zentral- und Ansprechstelle Cyberkriminalität der Staatsanwaltschaft Köln im Zusammenhang mit den Ermittlungen gegen – zunächst unbekannte – Personen, mit denen der heute 28 Jahre alte gesondert angeklagte Tatverdächtige aus Münster in Kontakt gestanden haben soll.

Kontakt zu Hauptbeschuldigtem Adrian V.

Nachdem sich bei den Auswertungen sichergestellter Datenträger der Verdacht ergeben hatte, dass der gesondert Verfolgte und der Angeschuldigte miteinander kommuniziert und sich aus dieser Kommunikation konkrete Anhaltspunkte für mögliche Straftaten ergeben hatten, hatte die Staatsanwaltschaft Köln gegen den Angeschuldigten einen Haftbefehl erwirkt, aufgrund dessen der Angeschuldigte am 19. Februar 2021 festgenommen worden war, heißt es in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft Münster.

Sie hat dieses Ermittlungsverfahren zusammen mit einem weiteren, zuletzt bei der Staatsanwaltschaft Wuppertal geführten Verfahren im März 2021 übernommen.

In der Anklageschrift wirft die Staatsanwaltschaft Münster dem Angeschuldigten vor, im Februar 2019 mit dem gesondert verfolgten Münsteraner im Rahmen eines Chats für den 13. März 2019 ein Treffen vereinbart zu haben, anlässlich dessen der Angeschuldigte die Gelegenheit erhalten sollte, den damals neun Jahre alte Sohn der Lebensgefährtin des Münsteraners Adrian V. sexuell zu missbrauchen.

Neunjähriger schwer sexuell missbraucht

Am Tag dieses Treffens soll der Angeschuldigte den gesondert Verfolgten aufgefordert haben, ihm – dem Angeschuldigten – ein Lichtbild des Jungen zu schicken, auf dem dieser unbekleidet abgebildet sein sollte. Der Münsteraner soll sodann zwei geschlechtsbetonte Fotoaufnahmen des und von ihm zu entsprechenden Posen aufgeforderten unbekleideten Kindes gefertigt und dem Angeschuldigten zugesandt haben, heißt es weiter.

Die Staatsanwaltschaft bewertet dieses angeklagte Verhalten des Angeschuldigten als Anstiftung zum schweren sexuellen Missbrauch von Kindern.

Am 13. März 2019 soll es zu dem Treffen des Angeschuldigten mit dem gesondert Verfolgten sowie dem neun Jahre alten Jungen in der Nähe von Dülmen gekommen sein. In einem Waldstück soll der Angeschuldigte den Jungen – vermutlich in dem Fahrzeug des Münsteraners – schwer sexuell missbraucht haben.

127 kinderpornografische Bilddateien

Ferner soll der Angeschuldigte im Jahr 2016 einer bislang unbekannten Person ein Bild mit kinderpornografischem Inhalt zugesandt haben.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Angeschuldigten im Dezember 2020 wurden zudem diverse Datenträger sichergestellt. Diese IT-Asservate sind nachfolgend ausgewertet und dabei sollen mindestens 127 kinderpornografische Bilddateien festgestellt worden sein.

Der Angeschuldigte, für den die Unschuldsvermutung gilt, hat sich zu den Tatvorwürfen nicht geäußert, heißt es weiter.

Zwölfte Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Münster

Er befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft.

Das Landgericht Münster hat über die Zulassung der Anklageschrift zu entscheiden.

Seit Beginn der Ermittlungen im Mai 2020 hat die Staatsanwaltschaft Münster nunmehr die zwölfte Anklageschrift erhoben. Mit dieser Anklageschrift ist in dem Gesamtsachverhalt zum gegenwärtigen Zeitpunkt der letzte Tatverdächtige angeklagt, der sich aktuell im Zusammenhang mit diesem Sachverhalt für die Staatsanwaltschaft Münster in Untersuchungshaft befindet.

Die polizeilichen Ermittlungen des Polizeipräsidiums Münster („EK Rose“) dauern indes an. Es ist aufgrund der bislang gewonnenen Erkenntnisse nicht auszuschließen, dass sich bei der Auswertung weiterer Beweismittel bzw. bei neuen Ermittlungsergebnissen oder Erkenntnissen Verdachtsmomente gegen weitere, bislang unbekannte Tatverdächtige ergeben, für deren strafrechtliche Verfolgung die Staatsanwaltschaft Münster zuständig ist, so die Staatsanwaltschaft.

Die Angeklagten im Hauptprozess

  • Adrian V. steht im Mittelpunkt des Verfahrens. Er soll über lange Zeit wiederholt Kinder, vornehmlich den Sohn seiner Lebensgefährtin, sexuell missbraucht haben. Zudem bot er den Jungen anderen Männern zum Missbrauch an. Aufnahmen davon verbreitete er.
  • Carina V. war Eigentümerin der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus, die regelmäßig Tatort der Missbrauchstaten war. Sie soll die Laube ihrem Sohn und den Mitangeschuldigten in dem Wissen überlassen haben, dass dort Jungen sexuell missbraucht werden sollten.
  • Enrico L. aus Schorfheide soll beim Treffen im April in Münster dabei gewesen sein. Zudem wird ihm vorgeworfen, im August 2018 einen damals neunjährigen entfernten Verwandten und 2020 unter anderem seinen eigenen Sohn (7) missbraucht zu haben.
  • Tobias S. aus Staufenberg soll seinen Sohn (5) mehrfach missbraucht und zum Treffen im April in Münster mitgebracht haben. Zudem missbrauchte er ein Mädchen – die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich dabei um seine Tochter (5) gehandelt hat.
  • Marco S. aus Hannover soll an schwerem sexuellem Missbrauch beteiligt gewesen sein. Der 35-Jährige soll unter anderem vom 24. bis zum 26. April 2020 beim Treffen mit den anderen Angeklagten in der Gartenlaube in Münster-Kinderhaus dabei gewesen sein.
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