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Haydns „Schöpfung“ in der Petrikirche

Weltjubel statt Elend

Münster

Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ erklang mit dem „Seicento vocale“ und der „MikroPhilharmonie EinKlang“ unter Alexander Toepper in der Petrikirche. Ein beeindruckendes Konzert in einer heillosen Welt.

Von Günter Moseler

Es war, als schwebten Zweifel über der Musik, als sei die „Vorstellung des Chaos“ noch im Entstehen begriffen: Auch für Joseph Haydn blieb der Schöpfungsakt als „Chaos“ ein Rätsel ohne gestirnten Himmel. Und doch vermochte man Weltfäden lupenrein herauszuhören, als Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ mit dem „Seicento vocale“ und der „MikroPhilharmonie EinKlang“ unter Alexander Toepper in der Petrikirche erklang.

Noch das Rezitativ des Erzengels Raphael (Mathis Koch) steht unter dem düsteren Chaos-Einfluss, den vom Chor zaghaft zitierten Gottesworten „Es werde Licht!“ folgte sein schmetterndes „Und es ward Licht!“. Maximilian Vogler besang diese Weltraumodyssee vom Urknall zur Weltgeburt strahlend als krisenbereinigte Schaffensgeschichte – schöner als jede Wirklichkeit. Weltjubel statt Weltelend. Ebenso gestisch präsent artikulierte das Orchester die lautmalerischen Elemente der Natur von Sturm zur heiteren Flur.

Inga Balzer (Sopran) als jubilierender Gabriel triumphierte mit „hohem C“, Violin-Skalen rasten schäumend durchs Orchester, während Kochs Bassstimme sicher über orchestrale Wellenfigurationen wandelte. Die Sopranistin besaß in der pastoralen Arie „Nun beut die Flur das frische Grün“ Anmut und Natürlichkeit, durch die Chorfuge „Stimmt an die Saiten“ stürmte das „Seicento vocale“ geradezu federnd, vokale Transparenz herrschte in der Zeile „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“. Das solistische besetzte Orchester forcierte eine herrliche Klangrede fürs Nachtigallengezwitscher, erhaben grollte es in ozeanischen Tiefen-Registern abtauchender „Walfische“.

Wie erleichtert erklang im barockisierenden Modus das finale Resümee: „Des Herren Ruhm, er bleibt in Ewigkeit!“

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