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Witwe Maria Brandt berichtet 

Wenn der Krebs zu Hause einzieht

Münster

Maria Brandts Mann bekam früh die Diagnose „Krebs“. Wie diese Nachricht das Leben der Familie beeinflusste und was plötzlich wichtig wurde, berichtete Brandt Teilnehmern eines besonderen Projekts.

Maria Brandt mit ihrer fünfjährigen Tochter Giulia und ihrem sechzehnjährigen Sohn Fynn. Foto: privat

„Es ging sofort um Leben und Tod“, erinnert sich Maria Brandt an den Moment, als ihr Mann Andrea Bizzotto 2016 die Diagnose Krebs bekam. Wegen eines geschwollenen Knies war er zum Arzt gegangen. Die damals 32-Jährige hatte ihren Mann als Übersetzerin begleitet. Denn Andrea war gerade aus Italien nach Deutschland gekommen, um das Eismachen zu lernen – worüber Maria Brandt heute noch lachen muss.

„Bei der Diagnose Synovialsarkom wussten wir, dass die Überlebenschance sehr gering sein wird“, berichtet sie den sieben Familienpflegerinnen, die an der Schulungsreihe des Projektes „nicht einsam, nicht allein“ (nena) im Diözesancaritasverband in Münster teilnehmen. „Ich war damals im fünften Monat schwanger.“ Aus einer vorherigen Beziehung hatte sie bereits ihren Sohn Fynn. Ab dem Tag habe sich selbstverständlich alles um Andrea gedreht. Maria Brandt macht in ihrem Vortrag deutlich, warum die Angehörigen nicht vergessen werden dürfen, „denn der Krebs verändert alle“.

Der Alltag wird zum Problem

„Als der Krebs bei uns einzog, war der komplette Alltag auf den Kopf gestellt“, sagt die 38-Jährige. „Es hätte geholfen, wenn jemand in unsere Familie gekommen wäre, die unterschiedlichen Bedürfnisse wertfrei wahrgenommen und koordiniert hätte.“ Das seien ganz simple Dinge, wie einen Zahnarzttermin für das Kind zu vereinbaren und sich in die Telefonwarteschleife beim Arzt zu begeben. Oder zu gucken: Für die Schule muss etwas besorgt werden, wer kann das aus dem Freundeskreis übernehmen. „Wir haben ganz viele Leute in unserem Leben gehabt, die uns unterstützt haben, aber auch die wollen koordiniert werden, auch die müssen angerufen und erreicht werden. Dafür geht wahnsinnig viel Zeit drauf.“

„Hilfe ist in solchen Situationen nicht barrierefrei“, weiß Maria Brandt. „So wie eine Hebamme vor und nach der Geburt in die Familie kommt, muss es so eine Betreuung auch für Krebs-Familien geben. Wo einfach geguckt wird, wie entwickeln sich alle, was brauchen alle und wie kann man das organisieren und koordinieren.“ Diese Hilfe müsse auch über den Tod des Elternteils hinaus gehen.

Das Projekt „nena“

Genau hier setzt das Projekt „nena“ an, erklärt Projektleiterin Hanna Muesmann vom Diözesancaritasverband Münster: „Wenn ein Elternteil unheilbar erkrankt, dann gerät der familiäre Alltag aus den Fugen.“ Das Projekt „nena“ bietet Kindern und deren Eltern Unterstützung in diesen schweren Lebenslagen: „Damit die Kinder aufgefangen werden, etwas mehr Zeit für die Eltern bleibt oder auch unbeschwerte Stunden für die Familie möglich sind.“ Ein Baustein des Projektes sei die Schulungsreihe für die Familienpflegerinnen, „damit sie für die Einsätze bei den Familien bestmöglich vorbereitet sind“. Zusammen mit den Familienpflegen örtlicher Caritasverbände hat Hanna Muesmann das Fortbildungskonzept mit dem Ziel entwickelt, es auf alle Dienste im Bistum zu übertragen.

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