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Kinderstück „Das schrillste Blau“ illustriert die Überwindung von Trennungen

Wenn die reinen Farben zetern

Münster

Bloß nicht mischen, sagen die reinen Darben in ihrem schwarzen Raum. Doch dann kommts rosa.

Von Helmut Jasny

Nanu, das Wesen in der Tüllgardine ist ja rosa. Können die Farben ein solches Mischwesen akzeptieren? Foto: Michael Lyra

Am besten kommt das Vorspiel an. Da sieht man Eva Dorlaß und Valentin Schroeteler herrlich desorientiert über die Bühne im U2 jagen, beide in weißen Clownskostümen, aber mit nur eine rote Nase, die sie sich gegenseitig immer wieder wegschnappen. Aus allen Ecken und Winkeln tauchen sie auf, um irgendwelche Hupen zu testen oder die Musik anzuwerfen. Sogar ein Regenschirm findet sich, der ausgeschüttelt werden will, obwohl weit und breit keine Wolke zu sehen ist. Kurz: Es ist ein aufgeregtes Hin und Her, und die jungen Zuschauer haben sichtlich ihre Freude dran.

„Das schrillste Blau“ von Sergej Gößner, der auch Regie führte, ist für Kinder ab 4 Jahren gedacht. Nach dem rasanten Vorspiel beginnt die eigentliche Geschichte. Es geht darin um Farben, die alle miteinander in einem schwarzen Raum leben und beschlossen haben, sich auf keinen Fall zu vermischen (Bühne und Kostüme: Aline Sauer). Nacheinander werden sie dem Publikum vorgestellt, was der Beleuchter mittels farbiger Scheinwerfer bewerkstelligt. Rot sind die Kostüme jetzt, dann gelb, dann grün, dann blau. Alles saubere Farben – bis plötzlich Schroeteler als riesige rosa Tüllgardine auf die Bühne gestolpert kommt. Ein Eklat, denn Rosa ist zweifelsfrei eine Mischfarbe aus Rot und Weiß.

Vermittelt wird die Geschichte durch lustig gereimte Texte. Hinzu kommen Tanz und Gesang, denn jede Farbe hat nicht nur eigene Eigenschaften, sondern auch eine eigene Melodie. Auch Tröten spielen beim Palaver der Farben eine Rolle. Und zuweilen werden sie ein bisschen überstrapaziert, sodass der Handlungsfluss zu stocken und die jungen Zuschauer das Interesse zu verlieren drohen. Um dies zu verhindern, spannen die Schauspieler schnell einen dicken roten Faden über die Bühne, der sie wieder zum Thema zurückführt.

Und das ist die Überwindung der Trennung und die Entdeckung des Dazwischen. Freilich geht das nicht ohne Gezeter der reinen Farben ab. Auch hier wird wieder viel getrötet. Doch irgendwann kann Rosa alle überzeugen, dass man durch Farbvermischung nur gewinnen kann. Der Beleuchter hat jetzt mächtig zu tun. Aber wenn am Ende der 40-minütigen Aufführung alle Varianten durchgespielt sind und die rosarote Tüllgardine mit einem violetten Zottelmonster über die Bühne tanzt, ist das nicht nur ein farbenfroher Anblick, sondern auch ein verdientes Happy End. Bleibt nur die Frage, ob das Stück nicht besser „Das schrillste Rosa“ heißen sollte.

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