Tausende demonstrieren in Münster

Wieder ein Zeichen gegen die AfD gesetzt

Münster

Protest gegen die AfD in Münsters „guter Stube”: Tausende Menschen haben am Freitag auf dem Prinzipalmarkt de­monstriert, während die AfD im historischen Rathaus Münster ihren Neujahrsempfang abhielt. Die Polizei war mit mehreren Hundert Beamten im Großeinsatz.

Martin Kalitschke, Alex Piccin und Renée Trippler

Menschen aller Generationen setzten auf dem Prinzipalmarkt ein Zeichen gegen Hass und Hetze. Foto: Oliver Werner

Münster hat erneut ein deutliches Zeichen gegen Rechts gesetzt. Menschen alter Altersgruppen demonstrierten am Freitag gegen den AfD-Neujahrsempfang im Rathaus-Festsaal. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf 4000, Carsten Peters vom Bündnis „Keinen Meter den Nazis“ auf bis zu 10.000. Die Kundgebungen und bisweilen kreativen Protestaktionen verliefen lautstark, aber weitgehend friedlich.

Großaufgebot der Polizei im Einsatz

Während ab etwa 16.30 Uhr immer mehr Demonstranten in die Innenstadt strömten, schlossen viele Geschäfte rund um den Prinzipalmarkt ihre Pforten. Für die Sicherheit der Teilnehmer sorgte ein Großaufgebot der Polizei. Gegen 19 Uhr mussten die Beamten vorübergehend etwas energischer werden, als einige Demonstranten versuchten, durch die Absperrung zu gelangen. Die Situation beruhigte sich jedoch rasch wieder.

Demo-Teilnehmer Maximilian von Heyden

„Nazis raus, Nazis raus“ und andere Anti-AfD-Parolen wurden immer wieder skandiert – so laut, dass der Protest im Rathaus-Festsaal deutlich zu hören war. Einzelne und Gruppen, Senioren und Studenten, Eltern und Kinder demonstrierten gemeinsam gegen die AfD. „Ich war noch nie im Leben auf einer politischen Demo“, sagte Aegidius Röckrath. „Jetzt wird es Zeit, dass wir aufstehen, um einen Dammbruch zu verhindern.“ Die Diakonie kam mit zahlreichen Mitarbeitern zum Prinzipalmarkt. „Bei uns arbeiten Menschen aus 50 Nationen“, so Stefanie Dues­mann. „Wir wollen zeigen, dass Münster allen Menschen offen steht.“ Teilnehmer Maximilian von Heyden sagte: „Wir Münsteraner sind das Gegenteil von dem, was die AfD gerne hätte.“

Pfiffe für die Antifa

Knapp vier Stunden gab es auf einer Bühne auf dem Prinzipalmarkt Reden und Musik – für ein tolerantes, vielfältiges und demokratisches Münster, gegen Hass, Rassismus, Antisemitismus und rechtes Gedankengut. Es gab viel Beifall – aber auch Pfiffe und Buhrufe, als ein Vertreter der Antifa forderte, dass man beim Kampf gegen Rechts „auch mal zuschlagen“ müsse.

Demonstranten schwenkten Fahnen von CDU, SPD, Grünen, Linkspartei, ÖDP, Gewerkschaften und anderen Organisationen. Unter die Menschen hatte sich auch Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) gemischt. „Ich bin heute hier, um zu zeigen, dass ich für ein buntes Münster bin.“ Die Vorgänge in Thüringen bezeichnete sie als „absoluten Dammbruch“: „Da müssen sich alle Demokraten klar positionieren.“

Bundesumweltministerin Svenja Schulze

Gegen 18.30 Uhr leerte sich der Prinzipalmarkt spürbar. Um kurz nach 20 Uhr zog Veranstalter Carsten Peters ein positives Fazit – der Protest sei „sehr erfolgreich“ verlaufen, er danke allen Teilnehmern.

Wir haben mit einem Liveticker von dem Neujahrsempfang und den Protesten berichtet. Hier können Sie den Verlauf der Ereignisse nachlesen.

Kommentar: Eine Alltagsaufgabe

Es hätte der mindestens mal dümmlich zu nennenden Thüringer Posse als Katalysator nicht bedurft, um wieder Tausende Menschen in Münster gegen den AfD-Neujahrsempfang im Rathaus zu mobilisieren. Denn die gerade im trüben rechtsextremen Lager fischende AfD setzt auf Geschichtsklitterung, erhebt Intoleranz zum Prinzip und torpediert den Staat.

Dagegen hat die breite Mitte der Stadtgesellschaft erneut ein klares Zeichen für ein weltoffenes und gastfreundliches Münster gesetzt. Vielleicht braucht es eine solche Selbstvergewisserung in unruhigen Zeiten wie diesen mehr denn je.

Eines aber darf trotz der klaren Abstimmung mit den Füßen und an den Wahlurnen in Münster nicht außer Acht geraten: Die Auseinandersetzung mit Rechtspopulisten, das entschiedene Vorgehen gegen Rechtsradikale und Extremisten muss an jedem Tag, jedem Ort und bei kleinstem Anlass geführt werden. Denn erst im Alltag entscheidet sich tatsächlich, wie frei und lebenswert unsere Gesellschaft ist.

- Dirk Anger

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