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Tüv Nord

Die häufigsten „Wintermärchen“ rund ums Autofahren

Münster

Da ist es dann doch noch, das winterliche Wetter. Das kann im Straßenverkehr allerdings zum Problem werden. Und nicht immer sind bekannte Tipps wirklich hilfreich. Der Tüv Nord stellt einige „Wintermärchen“ auf den Prüfstand.

Seit dem Jahr 2010 gilt auf den deutschen Straßen Winterreifenpflicht. Sie greift situativ, also witterungsabhängig. Foto: Tüv Nord/michalpalka-183457455, stock.adobe.com

Glatte Straßen, verschneite Verkehrsschilder und vereiste Scheiben sind für Autofahrer im Winter kein Vergnügen. Allerdings haben sich auch viele Märchen rund ums Autofahren in den kalten Monaten verbreitet. Willy Nas, Leiter der Tüv-Nord-Station Münster, hat sich einige angeschaut.

Mit warmem Motor schnell zu freier Sicht

Vereiste und beschlagene Scheiben sind bei kalten Temperaturen keine Seltenheit. Eine beliebte Methode für schnelle freie Sicht: den Motor im Stand laufen lassen. Sinnvoll ist dies jedoch nicht. „Da der Motor viel Zeit braucht, um warmzulaufen, erreicht man abgesehen von unnötigem Lärm und Abgasen sowie Schäden am Motor nicht viel. Wird man erwischt, folgt zudem ein Bußgeld von 80 Euro“, sagt der Stationsleiter. Am besten nimmt man Eiskratzer oder Eisspray zur Hand. Bei beschlagenen Scheiben helfen das Gebläse und die Heizung auf höchster Stufe. Zusätzlich entziehen Klimaanlagen der Luft Feuchtigkeit.

Leise rieselt der Schnee – freie Scheiben reichen aus

Um verkehrssicher losfahren zu können, müssen neben den Scheiben auch andere Teile des Fahrzeuges von Schnee befreit sein. Dazu zählen die Lichtanlagen und das Kennzeichen. Auch auf dem Dach haben Schneehaufen nichts zu suchen. „Wehen diese herunter, wirkt sich das auf die Sicht folgender Fahrer aus. Dabei reicht ein kurzer Griff zum Handbesen“, rät der Tüv-Experte.

Wunschkonzert bei der Winterbereifung

Seit 2010 gilt auf deutschen Straßen eine Winterreifenpflicht. Sie greift situativ, also witterungsabhängig. „Bei Glatteis, Schneematsch, Reif, Eis- oder Schneeglätte müssen Winterreifen mit dem dreigezackten Bergpiktogramm mit der Schneeflocke in der Mitte gekennzeichnet sein. Das M+S-Zeichen allein reicht für neue Reifen nicht mehr aus“, erklärt Nas. Wer mit Sommerbereifung unterwegs ist, muss mit einem Bußgeld von bis zu 120 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen. Zusätzlicher Tipp: „Fällt die zulässige Höchstgeschwindigkeit der Winterreifen niedriger aus als die des Autos selbst, muss man einen Aufkleber anbringen“, sagt der Stationsleiter. Bei vielen modernen Pkw kann man im Bordcomputer eine entsprechende Geschwindigkeitswarnung einstellen.

Runter mit dem Reifendruck für mehr Antrieb auf Schnee

Der Gedanke an sich ist nicht falsch. Durch verringerten Reifendruck vergrößert sich die Fläche des Rades. Das verhindert unter anderem, dass der Reifen durchdreht. Aber: Auf normalem Asphalt wird niedriger Reifendruck schnell gefährlich. „Die Bodenhaftung lässt deutlich nach, das Bremsverhalten ändert sich, und die Reifen verschleißen schneller. Zudem verbraucht das Auto mehr Sprit“, so Nas.

Zugeschneite Verkehrsschilder sind unwichtig

Verkehrsschilder wie das Stoppschild sind auch bei Schnee durch ihre spezielle Form zu erkennen und gelten uneingeschränkt. Eine bedingte Lesbarkeit schützt nicht vor Bußgeld. Sind Verkehrsschilder, die aufgrund ihres Umrisses nicht hervorstechen, indes nachweislich nicht lesbar und ist der Fahrende nicht ortskundig, kann das Schild seine Gültigkeit kurzzeitig verlieren.

Eine Vollbremsung im Schnee ist eine gute Idee

Das Antiblockiersystem unterstützt den Bremsvorgang in vielen Situationen, aber Schnee und Eis stellen auch dieses vor Herausforderungen. Hier hilft es, die Geschwindigkeit zu reduzieren und vorausschauend zu fahren. „Am besten vermeidet man starke Bremsmanöver und schnelle Lenkbewegungen gänzlich, um in der Spur zu bleiben. Bricht das Fahrzeug dennoch aus, die Kupplung treten und vorsichtig gegenlenken“, rät Nas.

Autowäsche im Winter ist zwecklos

Streusalz, matschige Straßen und Schmutz gehören in den dunklen Monaten oft zum Alltag. Viele verzichten daher auf die Kosten der Waschanlage. „Streusalz tut dem Unterboden und dem Lack nicht gut. Zudem wirkt sich das auf die Sicherheit aus. Verdreckte Pkw, Motorräder und Lkw sind für andere Verkehrsteilnehmende schlechter zu erkennen, und auch die eigene Sicht ist eingeschränkt“, erklärt Nas.

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