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Mommenta-Konzert vor dem Bunker

Zugleich melancholisch und süß

Münster

Die Reihe Mommenta Münsterland besticht durch Konzerte an außergewöhnlichen Orte, beispielsweise vor einem Bunker. An der Hermannstadtstraße gastierte das Ensemble Firasso.

Von Arndt Zinkant

Sie begeisterten ihr Publikum (v.l.): Klarinettist Robert Beck, Marko Kassl (Akkordeon) und Nils Imhorst (Bass) Foto: Arndt Zinkant

Die Drei von „Firasso“ sind Erzähler. Ganz wörtlich, wenn einer nach dem anderen das Mikro nimmt und zu jedem einzelnen Stück etwas Anekdotisches preisgibt. Und sie sind Erzähler, wenn sich dann Klarinette, Akkordeon und Bass zum swingenden Trio vereinen. Melancholisch und süß. Jazzig und folkloristisch. Teils Klassik, teils auch Klezmer.

Das Konzert der GWK-Reihe „mommenta münsterland“ fand unter freiem Himmel bei bestem Wetter statt. Dr. Susanne Schulte von der GWK (Gesellschaft für westfälische Kulturarbeit) merkte humorig an, dass man sonst gern Unternehmen und deren Gebäude als ungewöhnliche Spielorte gewinnen wolle – zurzeit sei die Begeisterung für fremde Besucher aus bekannten Gründen gering. Aber ungewöhnlich genug war die Parkfläche vor dem Bunker am Hermannstadtweg allemal.

Drei Meister ihres Instruments

Das Konzert kam bestens an – wie sollte es anders sein, wenn drei Meister ihres In­struments so originell zu Werke gehen; einer davon übrigens vor 20 Jahren selber GWK-Förderpreisträger: Akkordeonist Marko Kassl.

Er war es, der allen Stücken ihr süffiges, akkordisches Unterfutter gab. Sei es beim rhythmisch scharfkantigen Wiegeschritt eines Tango nuevo. Sei es, dass Kassl lateinamerikanischer Melancholie nachlauschte, wie in seinem Stück „Die Liebe in den Zeiten von Corona“ als Hommage an Gabriel Garcia Márquez.

Keine Frage, Kassl ist der Mann fürs Schwermütige. Und sogar wenn er dem im Vorjahr verstorbenen Soundtrack-Magier Morricone eine Hommage nachsingt, tut er dies in seiner eigenen Klangsprache.

Dass der Sound des Trios auch zu Orient oder Osteuropa passt, bewies Klarinettist Robert Beck mit „Valle“, einem Tanz, der die Stimmung einer albanischen Hochzeit evozierte. „Hauskomponist“ des Trios jedoch ist offiziell der Mann am Bass: Nils Imhorst. Seine Stücke suchen am meisten die humoristische Wendung – auch mittels Geräuschen.

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