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Haus der Niederlande zeigt Ger Lataster

Zurück ins Paradies

Münster

Der Künstler Ger La­taster gehört zur niederländischen Avantgarde der Nachkriegszeit und nahm hier eine prominente und herausragende Rolle ein. Das Haus der Niederlande zeigt den abstrakten Expressionisten zum zweiten Mal.

Von Gerhard H. Kock

„Aus dem Paradies vertrieben“ heißt dieses großformatige Gemälde, das Ger La­taster nach dem Tod seiner Frau und ein Jahr vor seinem Tod malte. Foto: Gerhard H. Kock

Für einen abstrakten Expressionisten findet sich in seinen Bildern viel Gegenständliches – auch jenseits eingebildeter Figuren: Gesichter, Spaten, Axt, Pflanzen hier und da, sogar die Hand Gottes schiebt sich gelegentlich mahnend in eine Malerei, die stets kraftvoll im Gestus und Zugriff die Leinwand traktiert. Das Haus der Niederlande zeigt in der Ausstellung „Zurück ins Paradies“ 21 Arbeiten des prominenten niederländischen Malers Ger Lataster (1920-2012).

Es ist die zweite Ausstellung in dem Haus. Bereits im Jahr 1999 waren unter dem Titel „Ger Lataster – Der Tag des Sieges, Werke 1984-1998“ gesellschaftliche und historische Themen zu sehen. Fast 25 Jahre später hat Daniel Lataster (Sohn des Künstlers) eine Ausstellung kuratiert, die das menschliche Bedürfnis nach Natur thematisiert sowie die menschliche Existenz im Werden und Vergehen.

Drei Bilder können den Weg skizzieren: In „Nocturne“ aus dem Jahr 1964 sind die Kräfte noch wild, ungestüm und meist dunkel, ein Durchzug aus schöpferischen und zerstörerischen Zuständen.

In den beiden Gemälden „Zurück ins Paradies“ von 1982 ruft gleichsam die Hand Gottes zur Ordnung, eine Ordnung, in der sich ein Dreieck zeigt, ein Halbmond, eine schlängelnde Struktur – Figürliches halt. Und die Farbe wird nicht nur pastos aufgetragen, sondern zudem geglättet, und sogar Farbspraydosen kommen zum Einsatz. Bei aller Struktur im Bild – es bleibt stets expressiv im Ausdruck.

Der Tod und das Paradies

Besonders augenfällig wird der Spannungsbogen der Ausstellung im Großformat „Aus dem Paradies vertrieben.“ Hier hat Ger Lataster ein Jahr vor seinem eigenen Tod den Tod seine Frau verarbeitet, wie Daniel Lataster erzählt. Zu sehen ist ein farbenreicher Garten, der die Arbeit nicht leugnet (siehe Spaten). „Der Garten war sein Paradies“, berichtet sein Sohn. Sein Vater hat auf dem Gemälde den Garten hinter sich, blickt mit dem Krückstock in der Hand als hochbetagter Mann aufs Dunkel, auf einen alten Baum mit rotem Fleck, der auf die Wunde verweist, wo sich einmal ein starker Ast der Sonne und Luft entgegenstreckte.

Das auf mehreren Bildern seines Alterswerkes ein verschmitzt lächelndes Gesicht auf die abstrakte Szenerie blickt, zeigt: Ger Lataster nahm das Leben mit Humor.

Die Ausstellung ist bis zum 6. November im Haus der Niederlande, Alter Steinweg 6/7, zu sehen.

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