Amechi Oji und Jakob Bey

Zwei Teenager aus Münster gewinnen Filmpreis

Münster

Drehbuch, Kamera, Set – bei der Filmproduktion „Alone“ der „msbostudios“ kommt alles aus „einer“ Hand. Mit ihrem ersten richtigen Film überzeugten zwei Teenager aus Münster die Filmjury in Rostock. Jetzt wurden die beiden sogar für das „Bundes.Festival.Film.“ nominiert.

Gerhard H. Kock

Die beiden preisgekrönten Filmemacher Amechi Oji (l.) und Jakob Bey. Foto: Oliver Werner

Spielberg oder Wenders? Nimmt man den ersten Film der beiden Jungen, wandeln sie eindeutig auf den Pfaden von Wim Wenders. Anspruchsvolles Thema, raffinierte Ästhetik. Für ihren Film „Alone“ erhielten Amechi Oji und Jakob Bey jetzt einen Preis, keinen Bären, aber immerhin schon den „GoldFiSH“. Und mit ihrem zweiten Film „Everyday“ gehören die Teenager zu den 40 Teilnehmern, die für das „Bundes. Festival.Film.“ in Wuppertal nominiert sind. Läuft!

Jakob Bey (16 Jahre) und Amechi Oji (14 Jahre) sind die „msbostudios“ – klingt beeindruckend. Diese Studios bestehen allerdings ausschließlich aus Oji und Bey. Und das istbeeindruckend. Denn ihr beim 18. FiSH-Filmfestival im Rostocker Stadthafen ausgezeichneter Sechsminüter hat es in sich: Das Thema ist Suizid unter Jugendlichen. „‚Alone‘ sollte kein Sonntagabendfilm werden, sondern den Betrachter zum Nachdenken anregen“, erläutert Oji. Durch die Coronakrise kannten die beiden einige Jugendliche, die unter Depressionen litten; sie hörten sogar von einem Suizid-Versuch.

Imaginärer Freund

Erzählt wird die Geschichte von Luke. Der ist nicht sonderlich beliebt, vereinsamt, erlebt einen Freund – Chris. Der tötet sich vor seinen Augen. Luke geht zur Polizei, die vermögen nicht, ihm zu glauben. Denn dieser Freund ist ein imaginärer. Luke sucht jene Stelle auf, an der sein innerer Freund sich das Leben nahm und . . .

Foto: pd

„Wir haben das Ende offen gelassen“, erzählt Oji. Der Film hat zwei weitere, ästhetische Raffinessen: Erstens die Handkamera-Ästhetik, die ähnlich wie beim „Blair Witch Project“ (1999) die Grenze zwischen Fiktion und Dokumentation verunklärt. Und während die Geschichte erzählt wird, verändert sich zudem das Seitenverhältnis, das heißt: Der Filmausschnitt verengt sich.

Durch die wackelnden Bilder im immer enger werdenden Blickfeld überträgt sich der Zustand des Protagonisten als Unruhe auf den Zuschauer. „Wir wollten, dass der Zuschauer sich unbewusst eingeengt fühlt“, erläutert Jakob Bey den Ansatz.

Festivals für Jungfilmer

Das Programm des 18. Fish-Filmfestivals im Rostocker Stadthafen mit mehr als 130 Einzelbeiträgen wurde Anfang Mai live übertragen, insgesamt wurden an den vier Tagen mehr als 6000 Streams gezählt. In insgesamt zwei Kurzfilmwettbewerben wurden 43 Filme von jungen Talenten aus Deutschland und dem Ostseeraum präsentiert.Das „Bundes.Festival.Film.“ in Wuppertal bildet am 12. Juni den Höhepunkt der Bundeswettbewerbe Deutscher Jugendfilmpreis und Deutscher Generationenfilmpreis. Als generationenübergreifendes Filmforum ist es eines der bundesweit größten und renommiertesten Festivals für Filmemacher aller Altersgruppen.

Die beiden jungen Filmemacher kennen sich schon seit sieben, acht Jahren. Dabei geht Jakob Bey aufs Annette-Gymnasium und Amechi Oji aufs Hittorf. „Aber wir sind Nachbarn.“ Man habe zunächst gemeinsam Filme geschaut, dann habe sich ein jeder zum Geburtstag Kameras und Objekte gewünscht, und über die Jahre ist für ihre „msbostudios“ ein stattliches Equipment zusammengekommen.

„Das hat sich langsam entwickelt“, erzählt Bey: „Wir hatten auf der Straße immer Kameras dabei und haben angefangen zu filmen.“ Ihre einzige Filmschule war das Internet mit seinen Youtube-Tutorials. Oji produzierte auch mal einen Stop-Motion-Film mit Knete. „Alone“ ist ihr erster „richtiger Film“.

Beabsichtigter Vintage-Look

Gefilmt wurde mittels einer Canon-Kamera mit Minolta-Objekte, die seien günstig und lichtstark. Außerdem sei der Vintage-Look „total schön“, so Bey: „Das gibt dem Film einen älteren und charakteristischen Look.“ Bey und Oji haben vom Drehbuch über Kamera bis hin zur Schauspielerei alles selbst besetzt. Das soll sich ändern. Mit dem Preisgeld in Höhe von 1000 Euro wollen sich die Jungfilmer für ihre nächste Produktion Schauspieler leisten.

Was die beiden Jungs aus dem Geistviertel nach der Schule machen wollen? „Auf jeden Fall was mit Film!“

Startseite