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Bei der ersten Saerbecker Kinderratssitzung steht die Kirmes auf der Tagesordnung

Alle wollen einen Flohmarkt

Saerbeck

In der Bürgerscheune, dort, wo sonst der Gemeinderat tagt, nahmen am Donnerstag zwölf Kinder Platz. Auf der Tagesordnung für ihre Sitzung stand die Kirmes. Die erste Saerbecker Kinderratssitzung war Teil des Ferienspaßprogramms.

Von Katja Niemeyer

Sitzungsunterbrechung: Die Fraktion der Saerbecker Kindervereinigung muss sich darüber verständigen, wie viel Geld für einen Streichelzoo in den Haushalt eingestellt werden soll. Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg (rundes Foto) leitete die erste Kinderratssitzung, die am Donnerstag im Rahmen des Ferienspaß-Programms stattfand. Foto: Katja Niemeyer

Nach langer und zum Teil kontrovers geführter Debatte hat der erste Saerbecker Kinderrat am Donnerstag ein Programm zur Attraktivierung der Kirmes verabschiedet. Mit zusätzlichen Angeboten und einem früheren Start des Feuerwerks, so hoffen die kleinen Kommunalpolitiker, werden künftig mehr Besucher angelockt.

Die Ratssitzung gehörte zum Ferienprogramm und war natürlich gespielt. Aber die Ergebnisse, versprach Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg den zwölf Kindern, die in die Bürgerscheune gekommen waren, würden dem Gemeinderat in einer seinen nächsten Sitzungen präsentiert. Und vielleicht prüft die Verwaltung ja demnächst, inwieweit der ein oder andere Vorschlag umgesetzt werden kann.

Für die Sitzung des Kinderparlaments hatte die Verwaltung sogar eine Beschlussvorlage vorbereitet. Darin wird kurz der (fiktive) Sachverhalt beschrieben. Demnach verzeichnete die Verwaltung in den vergangenen Jahren immer weniger Kirmes-Besucher. Schausteller klagten über sinkende Umsätze und überlegten, nicht mehr zu kommen.

Um zu verhindern, dass die Kirmes stirbt, sollten die Ratsmädchen und -jungen Ideen entwickeln, wie man mit geringen Mitteln die Attraktivität steigern kann. Ausgeschlossen waren – aus Platzmangel – weitere Fahrgeschäfte. Das zur Verfügung stehende Budget belief sich auf 3500 „Saer-Dollar“.

Lehberg, der es sich nicht hatte nehmen lassen, die Sitzung zu leiten, teilte die Kinder in zwei Fraktionen auf. In den folgenden 45 Minuten erarbeiteten die Nachwuchs-Kommunalpolitiker eine Liste mit Vorschlägen.

„Sehr geehrte Damen und Herren.“ Mit diesen Worten eröffnete Lehberg die erste Kinder-Gemeinderatssitzung. Wie in der „richtigen“ Sitzung stellte er die Beschlussfähigkeit des Gremiums fest, um sodann in die Tagesordnung einzusteigen: „Ich bitte um Wortmeldungen.“

Die gab es nicht, so dass Diego, Mitglied der ersten (namenlosen) Fraktion, die Vorschläge vorstellte: 1000 Euro für einen Bus-Shuttle, 500 Euro für eine Tombola, 1000 Euro für Restaurant-Gutscheine und noch einmal 1000 für mehr Werbung.

Die zweite Fraktion – sie nannte sich Saerbecker Kindervereinigung – wollte Spielautomaten (500 Euro) und Schilder mit Lageplänen (80 Euro) aufstellen. Außerdem einen Bus-Shuttle (1000 Euro) einrichten und ein Bühnenprogramm (800 Euro) auf die Beine stellen. Auch wünschte sich die Kindervereinigung einen Streichelzoo mit Hunden und ein Spiegelkabinett (1000 Euro).

Weil nicht klar war, wie viel Geld für einen solchen Zoo in den Haushalt eingestellt werde sollte, unterbrach Lehberg die Sitzung für fünf Minuten. Die Mitglieder der Kindervereinigung steckten die Köpfe zusammen und einigten sich auf 120 Euro, womit auch sie das Budget vollends ausgeschöpft hatte.

Bevor es zur Abstimmung kam, eröffnete Lehberg die Debatte, die sich zunächst um ein Finanzierungsmodell für den Streichelzoo drehte. Während Nils dafür war, dass sich die Hundebesitzer die Einnahmen teilen sollten, fand Fynn, dass der Eintritt gratis sein sollte. Jakob war der Meinung, dass vermutlich mehr Besucher kommen würden, wenn der Eintritt kostenlos ist.

Mehr Werbung hielt Fynn für „sinnlos“, da die Saerbecker Familien ohnehin informiert seien: „Es gibt keine Familie, die die Kirmes nicht kennt.“ Auch Jule war dafür, dass – wenn überhaupt – nur wenig Geld für Werbung ausgegeben werden sollte. Das Ratsmädchen regte zudem an, früher mit dem traditionellen Feuerwerk zu beginnen, damit auch Kinder es etwa von der Schiffsschaukel aus verfolgen könnten.

Der Vorschlag für mehr Werbung fand letztlich keine Mehrheit im Kinderrat. Die Einrichtung eines Bus-Shuttles stieß hingegen fraktionsübergreifend auf Zustimmung. Auch für das Aufbauen von Schildern gab es eine Mehrheit. Spielautomaten wollten neun Kinder aufstellen lassen, ein Spiegelkabinett sogar zehn. Gegen ein Bühnenprogramm stimmten nur zwei Kinder. Das Votum für einen Kinderflohmarkt war einstimmig. Und auch auf eine Vergrößerung des Speisenangebot einigte sich das Kinderparlament. Für einen Streichelzoo gab es am Ende nur fünf Stimmen.

Mit dem Vorschlag, das Feuerwehr früher beginnen zu lassen, hatte die Kindervereinigung indes sogar einige Mitglieder der namenlosen Fraktion überzeugt.

Kurzum: Die Ratsmädchen - und jungen waren produktiv. Jetzt sind Verwaltung und Gemeinderat gefragt, die Anregungen auf ihre Umsetzbarkeit zu prüfen.

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