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Warum der Wasser-Parcours noch immer nicht auf dem Badesee schwimmt

Aqua-Park stört die Angler

Saerbeck

Eigentlich hätte die neue Attraktion des Badesees – ein mit Luft gefüllter Aqua-Park – längst auf dem Wasser schwimmen sollen. Gemeinde und „Wasser + Freizeit“ haben die Erweiterung des Angebots seit fast eineinhalb Jahren geplant. Nun regt sich Widerstand von Seiten der Angler.

Von Katja Niemeyer

Auf Höhe des Sprungturms wollte der Verein „Wasser + Freizeit“ eigentlich schon längst einen schwimmenden Wasserparcours im Badesee aufbauen. Der Standort befindet sich allerdings allem Anschein nach außerhalb des Badebereiches, so dass die Gemeinde bislang keine Genehmigung erteilte. Foto: Katja Niemeyer

Eigentlich hätte die neue Attraktion des Saerbecker Badesees – ein mit Luft gefüllter Aqua-Park – längst auf dem Wasser schwimmen sollen. Gemeinde und „Wasser + Freizeit“ haben die Erweiterung des Angebots seit fast eineinhalb Jahren geplant. Im August vergangenen Jahres hatte bereits ein kurzer Probelauf stattgefunden. Als die Badesaison vor rund zwei Monaten begann, sollte das bunte Gerät die Gäste zum Klettern, Rutschen und Balancieren einladen. Nun sieht es aber ganz danach aus, dass die Ehrenamtlichen von „Wasser + Freizeit“ den Aqua-Park vorerst nicht hervorholen. Zumindest nicht während dieser Saison. Und womöglich pumpen sie das 16 Meter lange Gerät auch gar nicht mehr auf. Jedenfalls nicht in Saerbeck.

Denn der Platz, den die Gemeinde und der Verein für die lustige Schwimminsel ausgesucht haben, befindet sich in einem Bereich, in dem die Mitglieder des Angelsportvereins Emsdetten ihre Angeln auswerfen. Seit Mitte der 1980-er Jahre hat der Verein den See gepachtet, ausgenommen ist lediglich der Badebereich, der vom Strand bis zum Ende der beiden Stege reicht. Der Park soll indes südlich davon auf Höhe des Sprungbretts errichtet werden.

Die Fakten hierfür waren bereits im März geschaffen worden. Damals versenkten Ehrenamtliche von „Wasser + Freizeit“ die letzten Grundgewichte im Wasser, an denen das Gerät mit Seilen befestigt werden sollte. Die Betonklötze hatte der Bauhof zuvor gegossen, die ersten waren im vergangenen Sommer für den Probelauf zu Wasser gelassen worden.

Zu dem Zeitpunkt war der schwimmende Parcours im Schwimmerbereich festgemacht worden – was auch aus Sicht des Angelsportvereins akzeptabel wäre. „Wir waren davon ausgegangen, dass das Gerät dort auch in diesem Jahr wieder aufgebaut wird“, erklärt dessen Vorsitzender Daniel Bitter auf Nachfrage. Als er Mitte Juni von dem neuen Standort erfuhr, sei er mehr als überrascht gewesen, sagt Bitter. „Wir waren nicht informiert worden.“

An dem Aqua-Park störten ihn gar nicht mal die Rufe und das Lachen der Badenden, die die Fische vertreiben könnten. Er befürchtet vielmehr, dass Angelhaken in den Bojenketten hängen bleiben. Mit den Ketten würde ein Rechteck in dem See für das Spielgerät abgetrennt werden.

Der Angelsportvereinsvorsitzende wähnt sich in einer guten Position. Der Fischereipachtvertrag, den der Verein mit den Eigentümern des Seegeländes abgeschlossen hat, schließt lediglich den Badebereich aus. „Das ist eindeutig geregelt“, findet Bitter.

Aus Sicht der Gemeinde bestehen derweil noch Zweifel an der rechtlichen Lage. Eine Genehmigung zum Aufstellen des Gerätes hat sie deshalb vorerst nicht erteilt. Saerbeck hatte Mitte der 1970-er Jahre einen Erbbaurechtsvertrag mit den Eigentümern unterzeichnet und ist somit Besitzerin des rund 70 000 Quadratmeter großen Sees (einschließlich Grün- und Verkehrsflächen sowie Strand). „Unabhängig von der Vertragslage“, erklärt Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg, „sind wir um ein weiterhin gutes nachbarschaftliches Verhältnis mit dem Angelsportverein bemüht.“ Und: „Wir sind bei den Planungen davon ausgegangen, dass wir den gesamten See nutzen können.“

Die Gemeinde hatte „Wasser + Freizeit“ im vergangenen Jahr vorübergehend die Genehmigung für den Betrieb unter Aufsicht erteilt. Der Verein stellt ehrenamtlich den Rettungswachdienst und ist somit quasi Dienstleister der Gemeinde. Die Eintrittsgelder fließen auf ein separates Konto der Gemeinde und werden zweckgebunden für den Badebetrieb ausgegeben, etwa für den Kauf neuer Spielgeräte.

Sowohl Bitter als auch Lehberg zeigen sich gesprächsbereit. Am heutigen Donnerstag soll in der Bürgerscheune ein Gespräch stattfinden, an dem auch Vertreter von „Wasser + Freizeit“ sowie die Eigentümer teilnehmen.

Lehberg räumt ein, dass die Angler erst am 14. Juni dieses Jahres und damit lange nach dem Kauf des Gerätes über das Vorhaben informiert wurden. Dass sich die Suche nach einer Lösung des Problems nun bereits mehr als einen Monat hinzieht, führt er auf eine umfangreiche Aktenlage zurück mit weit in die Vergangenheit zurückreichenden Sachverhalten, in die sich die Verwaltung erst hätte einarbeiten müssen.

Der Badesee wurde Anfang der 1970-er Jahre ausgehoben. Aus dem Gelände sollte ein Erholungsgebiet mit Bad werden. Am 1. Juli 1976 schloss die Gemeinde einen Erbbaurechtsvertrag mit den Eigentümern der Flächen ab. Diese hatten im Vorfeld das Gewässer anlegen lassen.

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