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Kolpingsfamilie: Stefan Winkeljann ist ein Eigengewächs des Vereins

Früher Gruppenstunde, jetzt Vorstand

Saerbeck

Seit fast 20 Jahren ist Stefan Winkeljann Mitglied der Kolpingsfamilie und kennt die Strukturen des mit 750 Mitgliedern zweitgrößten Vereins der Gemeinde ziemlich gut. Er wusste also worauf er sich einließ, als sein Vorgänger Alfons Bücker anrief, um zu fragen, ob er zunächst Beisitzer des geschäftsführenden Vorstands werden wolle. Mittlerweile ist Winkeljann neuer Vorsitzender der Kolpingsfamilie.

Von Katja Niemeyer

Seit seiner Kindheit gehört die Kolpingsfamilie zu seinem Leben. Jetzt ist Stefan Winkeljann Vorsitzender des Vereins. Nebenbei spielt der 28-Jährige aber auch noch beim SC Falke Fußball. Foto: Katja Niemeyer

Seitdem Stefan Winkeljann vor rund zweieinhalb Monaten zum neuen Vorsitzenden der Kolpingsfamilie gewählt wurde, wird sein digitaler Kalender immer orangefarbener. In dem Ton sind die Termine markiert, die sich um die Kolpingsfamilie drehen. Grün sind die Urlaubstage, blau sonstige Verabredungen. „Ja, die Arbeit wird mehr“, sagt er und lacht.

Der 28-Jährige nimmt’s gelassen. Seit fast 20 Jahren ist er Mitglied der Kolpingsfamilie und kennt die Strukturen des mit 750 Mitgliedern zweitgrößten Vereins der Gemeinde ziemlich gut. Er wusste also worauf er sich einließ, als sein Vorgänger Alfons Bücker anrief, um zu fragen, ob er zunächst Beisitzer des geschäftsführenden Vorstands werden wolle. Rund zweieinhalb Jahre ist das jetzt her. Stefan Winkeljann hatte da gerade für ein paar Wochen die neu gewonnene freie Zeit genossen, nachdem er zuvor das Amt des Vorsitzenden der Kolping-Jugend niedergelegt hatte.

Dennoch ließ er sich nicht lange bitten. Alfons Bücker hatte zu dem Zeitpunkt damit begonnen, an einer Nachfolgeregelung für sein Amt zu basteln. Klar war, dass die Aufgaben künftig auf mehrere Schultern verteilt werden sollten. Denn einer oder eine allein könnte sie neben seinem oder ihrem Job nicht bewältigen. Dafür ist die Kolpingsfamilie mit ihren vielen Bereichen, Gruppen, Angeboten und Projekten einfach zu groß. Wer welche Aufgaben übernimmt, das soll während einer Klausursitzung Mitte August festgezurrt werden.

Schon jetzt zeichnet sich aber ab, dass sich Stefan Winkeljann vor allem um den ehrenamtlichen Vereinsbereich kümmert, während Sonja Frerking sehr wahrscheinlich für Personalfragen im hauptamtlichen Vereinsbereich zuständig sein wird und Maria Grüter die Pressearbeit verantwortet. Janine Middendorf übernimmt das Amt der Kassiererin, Ulrich Dieckmann koordiniert die Familienkreise und Sebastian Hoppe koordiniert die Untergruppen.

Auch wenn die Kolpingsfamilie seit seiner Kindheit zu seinem Leben gehört, so sei er doch jetzt, da er sich immer mehr einarbeite in das Amt, überrascht gewesen über die Größe des Vereins. Untergruppen, offene Jugendarbeit, Blasorchester, Gospelchor, Projekt Mehrgenerationenhaus – „das ist wie ein kleines Unternehmen“, findet der gebürtige Saerbecker.

Als er dazu kam, war er neun Jahre alt. Einmal in der Woche ging er zur Gruppenstunde, bis er 16 war und selbst Gruppenleiter wurde. Zwei Jahre später stieg er in den Vorstand der Kolping-Jugend auf. Die Aufgaben änderten sich, statt Spiele für die Kinder in seiner Gruppe vorzubereiten, plante und organisierte er nunmehr besondere Aktionen, gab Impulse, wie er sagt. Und er entdeckte den Karneval für sich, moderierte die närrischen Sitzungen für die Kinder und Jugendlichen und steht noch heute als Büttenredner auf der Bühne.

Mit 26 wechselte Stefan Winkeljann in den geschäftsführenden Vorstand, arbeitete sich in das Thema Finanzen ein und lernte, wie man Förderanträge stellt. Verwaltungsarbeit statt Kurse organisieren.

Einmal im Monat ist Vorstandssitzung, alle zwei Monate trifft sich der Gesamtvorstand. Hinzu kommen – bei Bedarf – Sondersitzungen.

Auch wenn sich die ehrenamtliche Arbeit im Lauf der Jahre für Stefan Winkeljann veränderte – eine Konstante sind seit zehn Jahren die Ferienlager der Kolpingsfamilie. Anfangs fuhr er als Gruppenleiter mit, von 2018 an ist er Leiter des gesamten Events. Und auch heute würde er sich ein Lager nicht entgehen lassen. „Das ist Belohnung für mich“, sagt der Saerbecker.

Ob er sich vorstellen kann, so lange im Amt zu bleiben wie sein Vorgänger Alfons Bücker, der nach 34 Jahren bei den Wahlen im Mai nicht mehr kandidierte? Stefan Winkeljann wiegt den Kopf hin und her. „Das ist eine sehr lange Zeit“, sagt er. Ob sich das Ehrenamt auch in einigen Jahren noch mit Privatem und Beruflichen vereinbaren lasse, müsse man sehen.

Aktuell darf für ihn vor allem eines nicht zu kurz kommen: der Fußball. Denn ganz nebenbei ist der Bankkaufmann auch noch leidenschaftlicher Fußballspieler. Beim SC Falke ist er sogar noch länger Mitglied als bei der Kolpingsfamilie, spielt mittlerweile in der ersten Mannschaft, das heißt: zwei Mal in der Woche Training plus Spiel am Wochenende.

Mit den Aufgaben nahmen für Stefan Winkeljann übrigens auch die Zugangsberechtigungen zu. Mit seinem Schlüssel kommt er nunmehr nicht nur in den Jugendraum, sondern in jeden Raum des Mehrgenerationenhauses. „Ich habe jetzt einen Generalschlüssel“, sagt Stefan Winkelmann, der, wenn er sich nicht um die Belange der Kolpingsfamilie kümmert, sein Geld als Kundenberater für Unternehmen bei der Volksbank Münsterland-Nord verdient.

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