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Saertex Multicom begrüßt bei zweitägiger Hausmesse internationales Publikum

Grabenlos in Alaska

Saerbeck

Auch wenn die Deko an ein bayerisches Bierfest erinnert – bei der Hausmesse von Saertex Multicom wurde über auf den ersten Blick trockene, technische Themen gefachsimpelt. Aber die hatten es in sich. Es ging darum, wie Rohre nicht nur grabenlos, sondern auch umweltfreundlicher saniert werden können. Und darum, wie Baustellen noch digitaler gemanagt werden können. Gekommen waren Kunden von anderen Teilen der Welt, aus den USA etwa und aus Katar.

Grabenlose Sanierung: Das Betonrohr ist ausgekleidet mit einem Saertex-Multicom-Schlauchliner. Das Material wird vor Ort mit Hilfe einer „Lichterkette“ ausgehärtet. Foto: Katja Niemeyer

Das Veranstaltungszelt ist in hellblau-weißen Farben dekoriert, mit Bierkrügen und Brezeln. Von einem bayerischen Bierfest ist die Hausmesse von Saertex Multicom aber weit entfernt. In der Programmübersicht für das 9. Rohrleitungssymposium mit dem Titel „Grabenlos in die Zukunft“, zu dem das Saerbecker Unternehmen eingeladen hat und das heute zu Ende geht, stehen Vorträge, Werksführungen und Fachgespräche. Besucher, Kunden und Aussteller sind teilweise aus Übersee angereist.

So wie Ron Smiley, Chef einer Installationsfirma aus dem US-Bundesstaat Washington. Der Zweimeter-Mann mit Pferdeschwanz sagt, dass er den weiten Weg extra für die Messe auf sich genommen hat, um sich einen umfassenden Überblick über das Verfahren von Saertex Multicom zur Sanierung von Rohrleitungen zu verschaffen.

Smiley ist seit mehr als sechs Jahren Kunde des Unternehmens. In den USA, erklärt er, gebe es Produkte, die ähnlich funktionierten wie die Schlauchliner aus der Klimakommune, Filzliner beispielsweise. „Die Saerbecker Glasfasergelege haben aber den Vorteil, dass sie langlebiger sind und größeren Druck standhalten“, konstatiert der amerikanische Firmenchef, der die Liner nach eigenen Angaben auch schon in Alaska verlegt hat.

Rund 300 Besucher und Aussteller sind der Einladung von Saertex Multicom gefolgt – und damit ungefähr genausoviele wie vor der Corona-Pandemie. Sie kommen aus Deutschland, Italien, den USA, sogar vom Persischen Golf aus Katar, wie Marketing-Mitarbeiterin Michelle Kammler bemerkt. Das Symposium findet alle zwei Jahre statt, wegen der Pandemie war es 2021 aber ausgefallen.

Wer an diesem Donnerstagvormittag die Open-Air-Ausstellung auf dem Firmengelände am Brochterbecker Damm betritt, kommt an einem 1,8 Meter hohen, eiförmigen Betonrohr vorbei. Es ist „ausgekleidet“ mit einem sogenannten Schlauchliner. Das Saertex-Multicom-Produkt, so Kammler, bestehe im Wesentlichen aus speziellen Folien, Glasfaser und Harz und wurde in dem Rohr mit Hilfe einer „Lichterkette“ ausgehärtet. „Das Material ist zunächst schlauchartig, erst durch UV-Licht wird es hart“, erläutert die Marketing-Mitarbeiterin das Verfahren, mit dem Kunststoff- und Betonrohre und mittlerweile auch Gasleitungen saniert werden können, ohne dass zum Beispiel Straßen aufwendig aufgerissen werden müssen.

Auch ein Fahrzeug, in dem sich eine UV-Anlage und noch sehr viel mehr Technik befinden, ist zu besichtigen. Kammler zeigt auf einen Bildschirm, auf dem sich mittels einer Kamera der Aushärtungsprozess im Rohr live verfolgen lässt.

Ein paar Meter entfernt hat die Kommunalfahrzeug-Vertriebsgesellschaft aus Warendorf ein großes Spülfahrzeug aufgestellt, das vor den Rohrsanierungen zum Einsatz kommt. Und auch ein Fräsroboter ist ausgestellt. Mit einem solchen Gerät werden etwa die Verbindungen von dem sanierten Rohr zu den Hausanschlüssen geschaffen. Ein Arbeitsvorgang, der äußerste Präzision erfordert. „Die Ausstellung zeigt auch, wie Unternehmen Hand in Hand arbeiten“, stellt Kammler fest.

Ihr zufolge wird nicht nur die Arbeit auf den Saertex-Multicom-Baustellen immer digitaler. Auch könnten die Liner seit Kurzem fast ausnahmslos nur per Knopfdruck auf einem Kundenportal des Unternehmens bestellt werden. Ein Bereich, wie sie ergänzt, der – auch im Hinblick eines zunehmenden Fachkräftemangels – weiter ausgebaut werden soll.

Daneben arbeitet das Unternehmen auf Hochtouren daran, noch nachhaltiger zu produzieren als bislang. Beim Deutschen Institut für Bautechnik soll eine Zertifizierung im Bereich des Umweltmanagements für Kanalsanierungen beantragt werden, erklärt Kammler. Für ein neuartiges Harzsystem seien bereits erste Erfolge zu verzeichnen: „Eine Million Kilogramm Kohlendioxid haben wir hierbei im vergangenen Jahr eingespart.“

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