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Ibbenbürener Straße

High Tech in der Unterwelt: Teilsanierung mit Inlinern aus dem Haus Saertex Multicom

Saerbeck

Erst wurde eine Kamera durch den defekten Kanal unter der Ibbenbürener Straße geschickt, dann ein Schlauch hineingeschoben und aufgeblasen. Eine Lichterkette härtete das Material aus, eine Fräse machte die Anschlüsse frei: Dass Saertex-Chef Bruno Lammers bei der Großbaustelle entlang der Ortsdurchfahrt vorbeischaute, hat einen einfachen Grund: Zur Sanierung eines Teilbereiches wurde ein Produkt seiner Firma eingesetzt.

Von Katja Niemeyer

Interessiert verfolgt Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg die Erläuterungen von Saertex-Chef Bruno Lammers und seinem Mitarbeiter Johannes Schüler aus dem Bauamt (v.l.) zur Inlinersanierung, die in einem Abschnitt der Ibbenbürener Straße zum Einsatz kam. Foto: Katja Niemeyer

Am Dienstag schaute Saertex-Chef Bruno Lammers bei der Baustelle auf der Ibbenbürener Straße vorbei. „Jetzt sagen Sie mal, warum dauert das hier so lange?“, fragte er keck in die Runde und bekam zu hören, dass die Arbeiten im Zeitplan sind. Der Gründer des international agierenden Unternehmens mit Sitz in Saerbeck nahm es zur Kenntnis. Er war ja auch nicht gekommen, um sich ein Bild vom Fortschritt der Sanierungsarbeiten zu machen, die vor rund sieben Monaten begannen. Lammers erschien, um ein Produkt des Tochterunternehmens Saertex Multicom, einen sogenannte Inliner vorzuführen. Dieser ist auf einem 170 Meter langen Kanalabschnitt zwischen den Hausnummern 24 und 34 zum Einsatz gekommen.

Lammers pries die Vorzüge der Technik an, bei der Kanäle direkt im Boden instand gesetzt werden. Das geht in der Regel schneller als beim herkömmlichen Verfahren, bei dem Gräben ausgeschaufelt werden, um die Rohre anschließend auszutauschen. Und das ist in diesem Fall auch wirtschaftlicher, wie Johannes Schüler vom Bauamt betont.

In dem Abschnitt befinden sich insgesamt 13 Anschlüsse zu Häusern und Straßenabläufen. Durch das rund 50 Jahre alte Betonrohr fließen die Abwässer unter anderem aus den Gewerbegebieten Schulkamp und Nord sowie aus dem Bioenergiepark. An zahlreichen Stellen ist es durch Schwefelsäuren beschädigt worden und undicht.

Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg, der ebenfalls vom Rathaus rübergekommen war, ließ sich interessiert die grabenlose Technik aus dem Hause Saer­tex Multicom erklären. Bei der wird ein Schlauch aus einem in Harz getränkten Textil in das defekte Rohr eingezogen und praktisch wie ein Luftballon mit Druckluft aufgeblasen, so dass er es komplett auskleidet. In einem weiteren Schritt wird eine Eisenkette, an der UV-Lampen befestigt sind, in den Schlauch befördert. Dann schaltet ein Arbeiter die Lichterkette ein. Durch die Wärme wird der Schlauch hart.

Für die Durchbrüche zu den Anschlüssen links und rechts des Kanals wird ein Roboter mit Fräsmaschine in Gang gesetzt. Die genauen Anschlussstellen hat er programmiert. Sie waren zuvor während einer Kamerafahrt durch den Kanal auf den Millimeter genau ermittelt worden. Auf dem Bildschirm eines Computers verfolgen Lammers und Lehberg in Echtzeit, wie sich der Fräser mehrere Meter unter der Oberfläche nach und nach zu den Anschlussleitungen vorarbeitet. „High Tech in der Unterwelt“, kommentiert Multicom-Geschäftsführer Kai Diecks das Schwarz-Weiß-Video.

Die Inlinersanierung schlägt mit rund 50 .000 Euro zu Buche. Für die gesamte Erneuerung des rund 600 Meter langen Abschnitts der Ibbenbürener Straße wird mit Kosten in Höhe von zwei Millionen Euro kalkuliert. Baulastträger der Bundesstraße ist der Landesbetrieb Straßen.NRW. Die Gemeinde beteiligt sich mit 300 .000 Euro an der Investition. So viel wird für die Erneuerung der Gehwege kalkuliert, für deren Unterhaltung sie verantwortlich ist.

Die Maßnahme ist in drei Abschnitte unterteilt. Mit der Inlinersanierung hat die dritte Phase begonnen. Schüler ist zuversichtlich, dass, wie geplant, Ostern alles fertig ist. In Kürze würde bereits die LED-Beleuchtung installiert. Kurz vor Weihnachten legen die Bauarbeiter eine zweiwöchige Pause ein. Im neuen Jahr, sagt er, „gehen aber alle wieder frisch ans Werk“.

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