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Alexandra Leyer: „Heilung beginnt bei mir“

Im Einklang mit Körper und Seele

Saerbeck

Multiple Sklerose. Das ist eine Diagnose, mit der man schwer fertig wird. Erst recht, wenn sie in der Jugend kommt. Alexandra Leyer aus Saerbeck hat dazu viel zu sagen. Sie bloggt und schreibt. Und hilft vielen.

Von Luca Pals

Alexandra Leyer will mit ihrem Buch Mut machen. Foto: Luca Pals

Wenn Emma weint, dreht sie sich um. Nach rechts schaut sie aus dem Autofenster, ihre Mutter soll von all dem nichts mitbekommen. Am besten soll es niemand. Denn: Emma leidet an Multiple Sklerose, zum Umzug nach Köln und dem Beginn eines Studiums ist sie mitten in einem Schub der chronischen Erkrankung.

So beginnt das Buch der Saerbeckerin Alexandra Leyer. Die 30-Jährige will mit „Heilung beginnt bei mir“ Aufklärungsarbeit leisten, Mut machen und Hoffnung schenken. Ihre Botschaft: Ein positiver Umgang mit einem selber, seinem persönlichen Umfeld und dem eigenen Denken erweckt das Potenzial sich selbst zu heilen.

Ihr Leben

Dabei schildert Leyer viel aus ihrem Leben. Emma ist zwar – das ist der Autorin wichtig zu betonen – ein eigener Charakter und bildet nicht die Saerbeckerin ab, zeigt aber viele Züge, Verhaltensweisen und Phasen auf, die sie selber durchgemacht und entdeckt hat.

2012 bekam die damals 20-Jährige die Diagnose Multiple Sklerose. In einem Alter, in dem Freunde, Partys und Feiern und nicht der Gedanke an Krankheiten im Vordergrund standen, habe sie die chronische Erkrankung verdrängt: „Das hat mir natürlich nicht geholfen, aber in diesem Alter möchte man sich mit so etwas nicht befassen.“

Zehn Jahre später hat sich ihr Blick auf MS sowie auf körperliche und psychische Erkrankungen um 180 Grad gedreht: „Ich habe viele verschiedene Phasen durchgemacht, für die ich sehr dankbar bin, weil ich nun das Leben ganz anders wahrnehme und eine andere Haltung gegenüber vielem habe.“

Nach der Verdrängungsphase hätten sich Wut und Ignoranz mit Blick auf die Erkrankung immer wieder abgewechselt: „Bei mir setzten nach einigen Jahren starke Schübe ein, die es für mich unmöglich machten am sozialen Leben teilzunehmen. Also habe ich versucht abseits der normalen Therapievorschläge mich mit mir selber auseinanderzusetzen.“

Essstörung

Bis heute ist es der Schlüssel zum Erfolg. Zunächst setzte aber eine starke Essstörung ein, die Leyer rückblickend als „Ventil für die eigene Art der Kontrolle“ bezeichnet: „Da hat sich dann alles offenbart, ohne die Essstörung wäre ich heute nicht da, wo ich hingekommen bin.“

Es ist ein Weg, der ihr die Augen geöffnet hat und den sie teilen möchte – nicht nur in „Heilung beginnt bei mir“. Seit 2016 führt sie einen Blog, zeichnet dort ihre Gefühle, Erlebnisse und Wendepunkte nach und lässt die ersten Menschen an ihrem Leben teilnehmen: „Das hat sich mit der Zeit enorm gesteigert.“

Soweit, dass sie über ihren Instagram-Account @wunderflecken heute bis zu 10.000 Menschen erreicht: „Bei mir selber sind mit MS einige weitere psychischen Erkrankungen aufgetreten, die dort ebenfalls zum Thema werden. Dadurch hat sich der Resonanzkreis natürlich enorm gesteigert.“

Beruflich arbeitet Leyer als Krankenschwester in Teilzeit in einer Klink für Psychiatrie und Psychosomatik: „Es läuft aber darauf hinaus, dass ich das Bloggen bald zum Beruf machen kann.“

Außerdem absolviert sie eine Ausbildung zur Meditationsleiterin. Die Resonanz – auch auf ihr Buch, das Mitte Dezember erschienen ist – ist groß und positiv: „Ich gebe Betroffenen den Raum, in dem sie merken, dass sie nicht alleine sind.“

Viel Interesse

Neben direkt Betroffenen und Angehörige folgen ihr auch Menschen, die einfach nur Interesse zeigen: „Der Umgang mit psychischen Erkrankungen in der Öffentlichkeit wandelt sich gerade sehr. Es ist so schön zu sehen, dass sich immer mehr Betroffene nach draußen trauen. Das hat bisher immer gefehlt.“

Damit würde auch die Symbiose aus mentaler, emotionaler und damit körperlicher Erkrankung weiter in den Mittelpunkt gerückt werden: „Alles hängt miteinander zusammen. Auch das möchte ich mit dem Buch zeigen.“ Und mit Vorurteilen aufräumen: „Viele Menschen denken, dass MS Muskelschwund ist. Dabei hat das eine mit dem anderen nichts zu tun.“

Das Krankheitsbild wirke sich vielmehr auf zahlreichen verschiedenen Weisen aus, Schübe würden unter anderem durch Entzündungen im Hirn entstehen, die Gefahr im Rollstuhl zu sitzen sei allgegenwärtig – Alexandra Leyer zeigt: Ein positiver Umgang ist umso wichtiger.

„Heilung beginnt bei mir“ kann über die lokalen Buchläden und online bestellt werden.

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