1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Saerbeck
  6. >
  7. Kunstrasenplatz erregt die Gemüter

  8. >

Verwaltung will Förderantrag stellen, UWG und Grüne sind dagegen

Kunstrasenplatz erregt die Gemüter

Saerbeck

Eine Grundsatzdebatte über das Für und Wider von Kunstrasenplätzen sollte unbedingt vermieden werden. Aber dann wurden doch Argumente ausgetauscht und Bedenken geäußert in der Sitzung des Hauptausschusses. Bis schließlich Sportamtschef Guido Attermeier das Wort ergriff und sein Unverständnis äußerte.

Von Katja Niemeyer

In zahlreichen Kommunen wurden in den vergangenen Jahren bereits Kunstrasenplätze gebaut. So auch in Everswinkel, wie das Foto zeigt. Foto: Meyer

Es sollte keine Grundsatzdebatte werden, aber dann ging es doch vor allem um die Vor- und Nachteile von Kunstrasenplätzen in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Donnerstagabend. Die einen äußerten ökologische Bedenken, die anderen sahen einen akuten Bedarf für einen solchen Platz.

Dabei ging es eigentlich nur darum, grünes Licht zu geben für einen Förderantrag sowie für die Bereitstellung von Mitteln im Haushalt. Was, wenn auch nur knapp, gelang.

Eine Weile hörte sich Sportamtschef Guido Attermeier die Diskussion regungslos an, dann ergriff er schließlich doch noch das Wort. Einen gewissen Ärger konnte er dabei nicht verbergen. Attermeier machte deutlich, dass es für den SC Falke um nicht weniger geht als die Aufrechterhaltung des Spielbetriebes. Mit dem Wegfall von Platz 4 (er fällt in den Bereich des Neubaugebietes Alter Reiterhof) sei der Verein auf einen Kunstrasenplatz angewiesen, weil dieser ganzjährig bespielbar ist. „Das ist kein Luxus“, stellte Attermeier fest.

Für Mechthild Lüggert ist es dennoch „der falsche Weg“. Die UWG-Fraktionsvorsitzende plädierte dafür, „sich zunächst darüber im Klaren zu werden, ob man überhaupt einen Kunstrasenplatz haben will“. Ein Förderantrag könne dann ja noch später gestellt werden. Den Vorschlag der Verwaltung lehnte ihre Fraktion deshalb auch ab.

„Wir dürfen uns die Gelegenheit nicht entgehen lassen“, hielt Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg dagegen. Wer die Förderlandschaft kenne, der wisse, dass die entsprechenden Mittel nicht jederzeit zur Verfügung stehen. Außerdem könne ein Förderbescheid auch noch zurückgegeben werden, wenn die Politik übereinkommt, auf einen Kunstrasenplatz verzichten zu können.

Olaf Renk (Grüne) überzeugte das nicht: „Wenn im Hintergrund das Geld lacht, wird es schwierig, über das Pro und Contra eines Kunstrasenplatzes zu diskutieren“, ist er überzeugt.

Fraktionschef Joost Sträter schlug vor, nach Ersatzgrünflächen für den Sportverein zu suchen. Auch seine Fraktion stimmte dagegen, zum jetzigen Zeitpunkt einen Förderantrag auf den Weg zu bringen.

„Wir müssen uns doch nichts vormachen: Auch ein Rasenplatz ist kein Biotop“, warf Henning Jaske (CDU) ein. „Wenn da drei Fußballmannschaften drüber laufen, wächst da nicht mehr viel.“

CDU-Fraktionschef Bernd Willebrandt fragte: „Welche Alternative haben wir?“. Und schob die Antwort gleich nach. Ohne Zuschüsse, meinte er, sei ein Kunstrasenplatz „ohnehin tot“.

SPD-Fraktionschef Christian Schulte berichtete davon, wie er das Wort Kunstrasenplatz gegoogelt hatte und dass er mit einem Treffer beim Gesundheitsamt der Schweiz gelandet sei. Schulte schloss daraus, dass es durchaus gesundheitliche Bedenken geben könnte.

Ergebnis der Debatte: Der Ausschuss beauftragte die Verwaltung, eine umfassende Bewertung von Kunstrasenplätzen unter ökologischen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Gesichtspunkten zu erarbeiten.

In den Kommunen rund um Saerbeck sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Kunstrasenplätze entstanden: Greven und Ibbenbüren etwa haben jeweils drei, Emsdetten hat einen und selbst in Tecklenburg wird auf Kunstrasen gekickt.

Ein Kunstrasenplatz würde vorläufigen Berechnungen zufolge rund 830 000 Euro kosten.

Die Gemeinde beabsichtigt, Fördermittel in Höhe von 500. 000 Euro zu beantragen. Bis Ende November muss der Antrag bei der Bezirksregierung Münster eingegangen sein.

Startseite