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Kunstverein: Ideenwerkstatt für Bildhauerei verwandelt Steinblöcke in ästhetische Objekte

Mit Hammer, Meißel und diversen Feilen

Saerbeck

In der Ideenwerkstatt für Bildhauerei des Kunstvereins sind aus Steinblöcken ästhetische Kunstobjekte entstanden.

Von Tünde Kalotaszegi-Linnemann

Die Teilnehmer eines Bildhauerei-Workshops, den Kurt Kösters und Dr. Kai Dormann leiteten, verwandelten Steinblöcke in Kunstobjekte. Foto: Tünde Kalotaszegi-Linnemann

Bei strahlendem Sonnenschein wurde geklopft, gehämmert und geschliffen, heller Staub verteilte sich überall in der Luft. Die Teilnehmer der Ideen-werkstatt für Bildhauerei des Saerbecker Kunstvereins legten neulich nochmal Hand an ihre Werke, nachdem sie an zwei Wochenenden Steinblöcke in ästhetische Kunstobjekte verwandelt hatten. Bereits zum neunten Mal hatte Kurt Kösters zum Kurs eingeladen, den er gemeinsam mit Dr. Kai Dormann aus Lienen leitete.

Zuvor engagierte dieser sich bei dem „Kunstverein, Malkreis Rote Erde“ in Tecklenburg, der nicht mehr weitergeführt werden konnte. Mittlerweile ist er seit fünf Jahren in Saerbeck dabei und fühlt sich quasi heimisch. Dieses Mal hat er sich einen Widderkopf aus Glaukonit, grünem Sandstein, vorgenommen, der sich als etwas widerspenstig erwies und so stellenweise mit Kunstharz aufgefüllt werden musste. Es macht ihm aber auch großen Spaß gemeinsam mit Kurt Kösters sein Wissen mit den Mitstreitern zu teilen: „Wir versuchen Anleitungen zu geben, welche Steine wie bearbeitet werden können. Bei uns gibt es kein 3 G, sondern 2 H für zwei Hände, wovon wir so-genannte linke Hände nicht gut gebrauchen können“, erklärte er mit einem verschmitzten Lächeln.

Es gehört schon einige Erfahrung dazu, die verschiedenartigen Steinsorten auf die richtige Art und Weise zu behandeln. Die haben beispielsweise unterschiedliche Härtegrade, die Kurt Kösters schmunzelnd erläuterte: „Sie können sich merken, gleich nach Butter, die den Härtegrad null hat, kommt der Speckstein mit 1, danach Alabaster, Serpentin-Opal mit 2, Marmor und Serpentin-Springstone sind schon recht hart und haben deshalb Stufe 3.“

Natürlich müssen auch die richtigen Werkzeuge her, sonst wird aus dem Block keine erkennbare Figur. Neben Hammer, Meißel und Säge gehören diverse Feilen wie Diamantraspel oder Rund- und Glattfeilen sowie Schleifkissen und Schleifpapier zur Ausrüstung. Die richtige Handhabung aller Geräte werde nach Ansicht der Kursleiter nahezu automatisch mit erlernt.

Für so „alte Hasen“ wie Brigitte Dolle, Anita Diekmann, Andreas Niermann, Beata Andree, Diane Liesenkötter-Wedlich oder Ulla Liesenkötter, die erneut ihre Scheune mitsamt Grundstück zur Verfügung gestellt hat, war das kein Problem. Da sie seit Anfang an mit von der Partie waren, haben sie schon recht viel Erfahrung. Aber wie sah das mit den beiden Neuzugängen Petra Jasper-Hildebrand und Bernd Brüning aus? „Ich hätte gar nicht gedacht, dass mir diese Arbeit so liegt“, verriet die frisch gebackene Teilnehmerin selbst etwas verwundert. Ihre Eule aus Alabaster sieht ganz und gar nicht nach einem Erstlingswerk aus. „Sie ist so blitzschnell, wie keiner von uns“, lachte Dormann anerkennend. „Mit 65 bin ich in Rente gegangen um hier mit 68 Jahren wieder in die Lehre zu gehen“, amüsierte sich Brüning über sich selbst, der sein Leben lang einen eigenen Sanitärbetrieb leitete. Als Anfänger hat er insgesamt vier Objekte aus den Steinen gehauen, unter anderen florale Elemente und eine Burg.

Unter Kurt Kösters Händen entstand eine form-schöne Jakobsmuschel, die an den Jakobsweg erinnern soll. Beata Andrees anmutiger Pferdekopf aus Alabaster zeigt beachtliches Können. Aber auch alle anderen Engel, Burgen, Gesichter, Blätter oder Köpfe, die aus diversen Steinblöcken entstanden sind, zeugen von großer Akribie, Enthusiasmus und solidem Handwerk. Und eins ist sicher, jeder, der hier mitgemacht hat, möchte nächstes Jahr wieder kommen.

Während einer Mitgliederversammlung hatte der Kunstverein einen neuen Vorstand gewählt. Dieser setzt sich aus Kurt Kösters, Brigitte Dolle und Iron Kösters zusammen. Beata Andree und Ulla Liesenkötter sind Kassenprüferinnen. Im kommenden Jahr soll es möglicherweise eine Ausstellung mit Bildern und Skulpturen im Bürgerhaus und im Rathaus geben – vielleicht sogar im Rahmen der 900-Jahr-Feier der Gemeinde.

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