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Neubaugebiet dezimiert

Alter Reiterhof: Bezirksregierung streicht Fläche zusammen

Saerbeck

Bei der Entwicklung neuer Baugebiete wurde die Gemeinde Saerbeck jetzt auf der Zielgeraden ausgebremst. Die Bezirksregierung Münster kam bei ihren Berechnungen zu dem Schluss, dass die Flächen überdimensioniert wurden. Um voraussichtlich ein Fünftel der Fläche muss das Gebiet Alter Reiterhof jetzt zusammengestrichen werden.

Von Katja Niemeyer

Die in dem Plan für das Neubaugebiet Alter Reiterhof blau markierten Flächen werden voraussichtlich erst später im Rahmen eines zweiten Bauabschnitts entwickelt. So hofft die Verwaltung, die Vorgabe der Bezirksregierung erfüllen zu können. Foto: Katja NiemeyerKatja Niemeyer/Entwurf: Gemeinde Saerbeck

Herber Rückschlag für Saerbeck: Die Bezirksregierung Münster streicht die Fläche, die die Gemeinde als Neubaugebiete entwickeln will, um voraussichtlich fast ein Fünftel zusammen. Die beiden geplanten Gebiete Alter Reiterhof und Hanfteichweg hält sie in ihrer Gesamtgröße für nicht „bedarfsgerecht“. Das teilte sie der Verwaltung in einer Stellungnahme mit, mit der sich der Planungs- und Bauausschuss in seiner Sitzung am Mittwoch befasste.

Der Arbeitsauftrag der Bezirksregierung an die Gemeinde könnte demnach lauten: die für Einfamilienhäuser und Wohnungen vorgesehenen Flächen um 1,8 Hektar verkleinern. „Das wäre ein Lösungsansatz“, erläuterte Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg auf Nachfrage.

Laut aktuellem Regionalplan hätte sogar noch mehr Fläche aus dem Bebauungsplan geschnitten werden müssen. Wie der Verwaltungschef ausführte, habe die Aufsichtsbehörde aber signalisiert, dass die Gemeinde von den (dann etwas größeren) Flächenvorgaben eines neuen Regionalplans ausgehen könne. Mit der Überarbeitung des Regionalplans werde im Sommer begonnen, teilte ein Sprecher der Bezirksregierung auf Nachfrage mit.

37,5 Wohneinheiten pro Hektar?

Die Verwaltung, der die Stellungnahme seit Mitte Dezember vorliegt, schlägt nun vor, das Gebiet Alter Reiterhof entsprechend zu dezimieren und die abgeschnittene Fläche später in einem zweiten Bauabschnitt zu entwickeln. Das Hanfteichweg-Gebiet bliebe unberührt.

Die Handlungsanweisung aus Münster bedeutet für die Gemeinde, vorerst auf 18 Prozent ihrer seit Jahren geplanten Neubauflächen zu verzichten. Der Alte Reiterhof sollte sich ursprünglich auf einer Fläche von 7,5 Hektar erstrecken, der Hanfteichweg umfasst rund 4,3 Hektar. Zusammengenommen, so die (voraussichtliche) Zielvorgabe der Bezirksregierung, dürfen nicht mehr als zehn Hektar für neuen Wohnraum zur Verfügung gestellt werden.

Wie groß das Minus bei der Anzahl der Wohneinheiten ausfällt, konnte Lehberg während eines Gespräches im Vorfeld der Sitzung noch nicht sagen. Für den Alten Reiterhof waren etwa 120 Grundstücke geplant, für den Hanfteichweg rund 70. Auf mehr als 30 Bauplätze muss die Gemeinde aber wohl vorläufig verzichten, womöglich sind es sogar weitaus mehr.

Bei den Ausschussmitgliedern löste die Nachricht großes Erstaunen und verhaltene Kritik aus. Als einzige in der Runde stellte Mechthild Lüggert die Frage, „warum das so überraschend gekommen ist und ob niemandem aufgefallen ist, dass sich der Regionalplan geändert hat.“ Die UWG-Fraktionsvorsitzende wollte außerdem wissen, „ob die Verwaltung nicht eine Voranfrage hätte stellen können“.

Davon abgesehen findet sie es „fürchterlich schade“, dass jetzt trotz großer Nachfrage weniger Platz für neue Häuser sein wird. „Wir planen seit drei Jahren, haben Hoffnungen geschürt, Kriterien für die Vergabe von Bauplätzen festgelegt – und müssen jetzt feststellen, dass daraus in dem Umfang nichts wird.“ Ähnlich äußerte sich Florian Bücker (CDU). „Extrem schade“ sei, „dass wir jetzt auf der Zielgeraden aufgehalten werden“. Und: Man müsse „kein Prophet sein, um zu wissen, dass wir die Grundstücke vermarktet bekommen.“ Wie mehrmals berichtet und wie Lehberg nochmals betonte, liegt der Verwaltung eine lange Liste mit Bauinteressierten vor.

Für die Bezirksregierung ist diese Liste aber offenbar ohne Belang. Ihr Beschluss fußt auf Daten und Prognosen des Statistischen Landesamtes IT.NRW. Das verzeichnet seit Jahren einen Rückgang der Einwohnerzahlen auf aktuell 7044 und geht von einer weiter schrumpfenden Bevölkerung aus. Dass sich zum Beispiel mit dem Elektrolyseur-Hersteller Enapter gerade ein Unternehmen in der Klimakommune niederlässt, das 300 Arbeitsplätze schaffen will, sei bei der Analyse unberücksichtigt geblieben, stellte Lehberg fest. Ebenso wie der offensichtlich sehr große Bedarf an neuem Wohnraum für die Entscheidung keine Rolle gespielt habe.

Dabei geht es dem Bürgermeister aber nicht um Schuldzuweisungen. „Ich will der Bezirksregierung nicht den Schwarzen Peter zuschieben“, sagte er. „Wir haben nur unterschiedliche Auffassungen darüber, was bedarfsgerecht ist.“

Die Bezirksregierung begründet ihren Beschluss mit den Zielen des Regionalplans. Demnach müssen Planungen „flächensparend und bedarfsgerecht ausgerichtet an der Bevölkerungsentwicklung“ erfolgen. Auch der Landesentwicklungsplan werde hinzugezogen, wenn es darum geht, den jeweiligen Bedarf einer Kommune an neuen Siedlungsflächen zu ermitteln.

Lehberg bemühte sich, den Blick nach vorne zu richten. Um „die verlorene Zeit aufzuholen“, wie er sagte, will die Verwaltung demnach im weiteren Planungsverfahren auf die Tube drücken. Bauamtsleiter Andreas Bennemann, den die neue Situation nach eigenen Worten „in höchstem Maß ärgert“, hielt dennoch nicht damit hinterm Berg, „dass uns das jetzt wohl mindestens sechs Monate kostet.“

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