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Kaltes Nahwärmenetz für Neubaugebiete: Rundum-Sorglos-Paket versus Anschlusszwang

„Ordentlicher Preis“ ist Bedingung

Saerbeck

Noch ist nicht entschieden, ob sich Häuslebauer in den Saerbecker Neubaugebieten Alter Reiterhof und Hanfteichweg künftig verpflichtend an ein sogenanntes Kaltes Nahwärmenetz anschließen müssen. Im Planungsausschuss, der am Mittwochabend tagte, zeichnete sich aber eine deutliche Mehrheit dafür ab, dass sie einen Wärmeliefervertrag mit der Saerbecker Ver- und Entsorgungsgesellschaft (SaerVE) abschließen müssten. Im Kaufvertrag mit der Gemeinde würde das so festgehalten werden.

Von Katja Niemeyer

Die Käufer von Grundstücken im Neubaugebiet Hanfteichweg (Foto) und Alter Reiterhof könnten verpflichtet werden, sich an ein Kaltes Nahwärmenetz per Vertrag mit der SaerVe anzuschließen. Endgültig hat die Politik darüber aber noch nicht entschieden. Foto: Katja Niemeyer

Noch ist nicht entschieden, ob sich Häuslebauer in den Saerbecker Neubaugebieten Alter Reiterhof und Hanfteichweg künftig verpflichtend an ein sogenanntes Kaltes Nahwärmenetz anschließen müssen. Im Planungsausschuss, der am Mittwochabend tagte, zeichnete sich aber eine deutliche Mehrheit dafür ab, dass sie einen Wärmeliefervertrag mit der Saerbecker Ver- und Entsorgungsgesellschaft (SaerVE) abschließen müssten. Im Kaufvertrag mit der Gemeinde würde das so festgehalten werden.

SPD und Grüne sprachen sich uneingeschränkt dafür aus. Die CDU beantragte, den Beschlussvorschlag um eine Art Ausstiegsklausel zu ergänzen. Die sollte dann greifen, wenn ein Anschluss unwirtschaftlich wäre. Die UWG lehnte einen Anschlusszwang generell ab. Sie beantragte, den Beschluss in die nächste Ratssitzung zu vertagen.

„Wir haben ein großes Problem mit der Anschlusspflicht“, sagte die UWG-Fraktionsvorsitzende Mechthild Lüggert. Hierdurch würden die Bauherren, die ohnehin mit hohen Baukosten und diversen Vorgaben zu kämpfen hätten, in ihren Planungen zu sehr eingeschränkt. Lüggert kritisierte außerdem die lange Laufzeit des Vertrages und das Fehlen von Erfahrungswerten für das Heizkonzept, bei dem die Energie zur Wärmeversorgung durch oberflächennahe Geothermie gewonnen wird.

Auch Florian Bücker (CDU) räumte ein, dass es in seiner Fraktion wegen der Anschlussverpflichtung Bedenken gibt. Letztlich hätten aber die Vorteile überzeugt. Für den Käufer des Grundstücks seien die Kosten kalkulierbar und regenerative Energien ohnehin „das Beste“.

Ihre Zustimmung macht die CDU-Fraktion allerdings von einer Bedingung abhängig: Die Preise für den Endverbraucher, erklärte Bücker, „müssen bekannt sein“. Nur wenn es die Wärme zu einem „ordentlichen Preis“ gebe, könne die CDU eine Anschlusspflicht mittragen, sagte Bücker und beantragte, den Beschlussvorschlag um einen entsprechend lautenden Punkt zu ergänzen.

Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg hatte zuvor bereits erläutert, dass der „exakte Tarif“ erst feststeht, wenn die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie vorliegen. Diese werden für Ende des Jahres erwartet.

Was vorliegt, sind Wirtschaftlichkeitsberechnungen. So hatte Anfang Juli ein Mitarbeiter der Grevener Beratungsfirma „Energielenker“ unterschiedliche Heizsysteme präsentiert und Investitionsvolumen und laufende Kosten miteinander verglichen (wir berichteten). Die Berechnungen wurden jetzt von Lehberg nochmals ausführlich dargelegt. Demnach würde sich ein Anschluss an ein Kaltes Nahwärmenetz als das für den Bauherrn wirtschaftlichste erweisen.

Von der SPD wird der Vorschlag der Gemeinde ohne Wenn und Aber mitgetragen. „Wir haben die Stromwende geschafft. Jetzt muss auch die Wärmewende gelingen“, sagte der SPD-Vorsitzende Felix Wannigmann. Die Unwetterkatastrophe im Juli habe gezeigt, „dass Handlungsbedarf besteht“. Die Anschlussverpflichtung sieht er vor dem Hintergrund als ein „notwendiges Übel“.

Grünen-Fraktionschef Joost Sträter sagte, dass er sich den Worten Wannigmanns anschließe. Und: Die Effektivität eines Kalten Nahwärmesystems sei überzeugend.

Laut Bauamtsleiter Andreas Bennemann hatten Kaufinteressierte bei einer Bürgersammlung und einer Online-Umfrage diverse Bedenken zum Ausdruck gebracht. So hätten sie das Gefühl, sich in die Abhängigkeit eines Versorgers zu begeben, der – möglicherweise – die Preise beliebig erhöhen könnte. Eine Sorge, die aus Sicht von Lehberg unberechtigt ist, weil eine sogenannte Preisgleitklausel sicherstelle, dass der Versorger bei der Berechnung der Tarife unter anderem die Entwicklungen auf dem Wärmemarkt berücksichtigen müsse.

Bennemann bezeichnete den Vertrag mit der SaerVE als Rundum-Sorglos-Paket, weil die Häuslebauer damit, wie er sagte, „fertige Wärme“ kauften – „zuverlässig, komfortabel und günstig“.

Der Vorschlag der Verwaltung sieht vor, dass die Hauseigentümer einen Wärmeversorgungsvertrag mit der SaerVE abschließen (Laufzeit 30 Jahre). Für den Betrieb des Wärmenetzes wären die Stadtwerke Lengerich zuständig – geregelt in einem Dienstleistungsvertrag mit der SaerVE.

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