European Energy Award 

Top unter 1500 Kommunen: zum vierten Mal Gold für Saerbeck

Saerbeck

In Sachen Klimaschutz und Energieeffizienz ist Saerbeck europaweit spitze. Die kleine Gemeinde im Norden des Münsterlandes wurde jetzt erneut mit dem European Energy Award in Gold ausgezeichnet. Zwischen Lissabon und Riga gibt es keine Gemeinde und keine Stadt, die mehr Punkte erreicht hat.

Von Katja Niemeyerund

Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg,Guido Wallraven (v.l.) nahmen kürzlich in Dülmen den European Energy Award in Gold entgegen. Foto: EnergieAgentur.NRW, Thomas Mohn Foto: Foto: EnergieAgentur.NRW, Thomas Mohn

Besser als Saerbeck hat europaweit keine der teilnehmenden Kommunen abgeschnitten: Mit dem European Energy Award in Gold wurden kürzlich zwar erneut unzählige Gemeinden, Städte und Kreise zwischen Lissabon und Riga ausgezeichnet. Auf 93 Prozent der maximalen Punktzahl kommt aber nur die kleine gut 7000-Einwohner-Kommune im nördlichen Münsterland. In Sachen Klimaschutz und Energieeffizienz hat sie damit die Nase vorn.

„Das ist eine Auszeichnung für die gesamte Gemeinde, nicht nur für die Verwaltung und die politischen Gremien, sondern vor allem für die Bürger“, erklärte Bauamtsleiter Andreas Bennemann am Donnerstag bei einem Pressegespräch im Rathaus. Wegen der Corona-Pandemie waren die Preise zuvor nicht zentral, sondern – für den Regierungsbezirk Münster – in Dülmen verliehen worden.

Hinter dem Award steht ein Qualitätsmanagementsystem und Zertifizierungsverfahren. Dabei wird die Qualität der Energieerzeugung und -nutzung in einer Kommune bewertet und regelmäßig überprüft. Außerdem werden Potenziale zur Steigerung der Energieeffizienz aufgezeigt. In insgesamt 16 europäischen Ländern wurden bislang 1500 Kommunen ausgezeichnet. Für Saerbeck ist es die mittlerweile vierte Auszeichnung in Gold.

Auch wenn Saerbeck mit dem Bioenergiepark, mit dem regenerativen Nahwärmenetz für das Schul- und Sportzentrum, dem Außerschulischem Lernstandort und noch zahlreichen weiteren kleinen und großen Projekten fast 100 Prozent von 500 Punkten erreicht hat – auf den Lorbeeren ausruhen will man sich nicht in der Klimakommune. Für Bürgermeister Dr. Tobias Lehberg ist die Auszeichnung vielmehr „Ansporn“, weitere Ziele zu erreichen. Dabei denkt er in erster Linie an die Verkehrs- und die Wärmewende, die nun in Saerbeck nach der gelungenen Stromwende erreicht werden sollen.

Konkret erarbeitet die Verwaltung derzeit ein innovatives Wärmekonzept für die geplanten Neubaugebiete Hanfteichweg und Alter Reiterhof. Spätestens im Herbst soll es stehen und vorgestellt werden, verspricht Lehberg. Im Unterschied zur ersten Wende, die durch gemeindliche Projekte vollzogen wurde, gehe es nunmehr darum, die Bürger einzubinden und zu motivieren. „Jetzt muss jeder ran“, machte Saerbecks Klimamanager Guido Wallraven deutlich, dass möglichst immer mehr Saerbecker Häuser mit klimafreundlicher Wärme versorgt und Autos mit grünem Strom angetrieben werden. „Wir müssen in jede Garage und in jeden Heizungsraum“, sekundierte Lehberg.

Im Vergleich zur Stromwende, darüber sei man sich im Klaren, stellten die neuen Aufgaben sicherlich eine größere Herausforderung dar. Dass die Gemeinde diese meistern werde, daran ließ der Verwaltungschef keinen Zweifel. „Wir wollen ein Leuchtturmprojekt realisieren. Auf dem Weg dorthin müssen wir viele Bojen passieren, sprich kleine Ziele erreichen“, meinte Lehberg. Denkbar sei etwa, dass im Bereich des Öffentlichen Personennahverkehrs der Bürgerbus-Verein einbezogen wird, um mehr Menschen dazu zu bringen, auf Bus und Bahn umzusteigen. Immerhin haben derzeit laut einer Umfrage noch rund zehn Prozent der Haushalte drei Autos.

Luft nach oben ist also auch noch in Saerbeck, auch wenn es nahezu unmöglich ist, alle 500 Punkte zu bekommen. Ab jetzt, stellte Ludger Greiling, Energieteamleiter der Gemeinde, fest, „geht es deshalb ans Eingemachte“.

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