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Bauamtsleiter informiert Politik über Vor- und Nachteile 

Kunstrasenplatz ist wirtschaftlicher – und ökologischer

Saerbeck

Der Plan, einen Kunstrasenplatz zu bauen, hat bereits für kontroverse Debatten geführt. Die Grünen und die UWG waren schon dagegen, einen Förderantrag zu stellen, waren im Rat hiermit aber in der Minderheit. Sie forderten eine umfassende Bewertung, vor allem unter ökologischen Gesichtspunkten. Die lieferte Bauamtsleiter Andreas Bennemann jetzt in der Sitzung des Bauausschusses. Bei seinen Erläuterungen berief er sich auf eine 120 Seiten lange Studie.

Von Katja Niemeyer

Weil er Platz 4 verliert, beantragte der SC Falke den Bau eines Kunstrasenplatzes. Dieser würde neben dem Hauptplatz entlang der Lindenstraße angelegt werden. Einen Antrag für Fördermittel hat die Verwaltung bereits gestellt. Foto: Katja Niemeyer

Wirtschaftlicher und – unter bestimmten Voraussetzungen – auch ökologischer: Das ist das Ergebnis der Studie einer Züricher Hochschule aus Oktober 2020 zu Kunstrasenplätzen, die Bauamtsleiter Andreas Bennemann in der Sitzung des Bauausschusses am Mittwochabend präsentierte. Wie berichtet, hatte der Hauptausschuss in seiner September-Sitzung die Verwaltung beauftragt, eine umfassende Bewertung von Kunstrasenplätzen unter ökologischen, wirtschaftlichen und gesundheitlichen Gesichtspunkten zu erarbeiten. Hintergrund ist der Antrag des SC Falke zum Bau eines solchen Platzes.

Was Bennemann ablieferte, war durchaus umfangreich. Die Studie, aus der er wesentliche Ergebnisse vortrug, ist über 120 Seiten lang. Dass demnach der Bau eines Kunstrasenplatzes im Vergleich zu einer Naturrasenfläche umweltschädlicher ist, überrascht nicht. Um zu beurteilen, wie groß die Auswirkungen auf die Umwelt sind, müsse aber auch die Auslastung des Platzes berücksichtigt werden. Sie sei der wichtigste Faktor, heißt es in der Studie. Kurz gesagt: Je öfter ein Kunstrasenplatz bespielt wird, desto besser fällt seine Umweltbilanz im Vergleich zu der eines Naturrasenplatzes aus. Das liegt unter anderem daran, dass Mineraldünger, der bei der Pflege von Rasen eingesetzt wird, den Boden belasten könnte und dass für dessen Herstellung viel Energie verbraucht wird.

Bennemann kündigte zudem Maßnahmen an, die den ökologischen Fußabdruck eines Kunstrasenplatzes noch verringern würden. So soll als Füllmaterial Quarzsand verwendet werden. Ein Einsatz von Kunststoffgranulat wäre aber ohnehin laut einem Erlass des NRW-Umweltministeriums seit zwei Jahren nicht mehr erlaubt. Der Bauamtschef versprach außerdem, dass für den Belag Kunststofffasern verwebt würden, die zu 60 Prozent aus nicht-fossilen, nachwachsenden Rohstoffen bestehen. Und er wies auf erste Ansätze zu Recycling-Möglichkeiten des Belags und des Füllmaterials hin. Nachwuchsspieler der TSG Hoffenheim etwa spielten jetzt auf einem Kunstrasenplatz, der zu 100 Prozent aus gemischtem, recyceltem Plastikabfall hergestellt wurde. Die Lebensdauer liege zwischen 12 und 15 Jahren.

Auch unter finanziellen Gesichtspunkten würde der Bauamtsleiter einem Kunstrasenplatz den Vorzug geben. Auf ihm kann praktisch das ganze Jahr über gekickt werden, so dass sich die Pflege- und Reinigungsarbeiten auf deutlich mehr Nutzungsstunden verteilen. Ein Kunstrasenplatz muss gemäht, bewässert, gedüngt, nachgesät und abgekreidet werden. Arbeiten, die bei der Kunststoffalternative entfallen. Aber auch ein solcher Platz muss gepflegt werden. Er muss regelmäßig gesäubert werden. Einmal im Jahr steht eine Spezialreinigung an. Nach sieben Jahren muss außerdem Quarzsand nachgefüllt werden.

Nach Schätzung des Bauamtes kostet ein Kunstrasenplatz rund 830 000 Euro. Aus einem Infrastrukturhilfe-Programm des Landes wurden mittlerweile Fördermittel in Höhe von 500 000 Euro beantragt. Hierfür hatte der Rat grünes Licht gegeben. Dem Beschluss war eine kontroverse Debatte vorangegangen, in der die Grünen und die UWG die Pläne zum Bau eines Kunstrasenplatzes kritisiert hatten.

Den Antrag hierfür hatte der SC Falke gestellt, nachdem klar wurde, dass er Platz 4 verlieren würde (er fällt in den Bereich des Neubaugebietes Alter Reiterhof). Der Verein hat einen großen Bedarf an Spielflächen. Die aktuell zur Verfügung stehenden vier Rasenplätze seien durchgehend belegt, so Bennemann. Wenn es viel regnet und während der Wintermonate müssen sie immer wieder gesperrt werden. Ein Kunstrasenplatz ist hingegen immer bespielbar.

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