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Umweltaktion des gebürtigen Borghorsters und Firmenchefs Paul Gauselmann

10 000 Bäume für den Buchenberg

Borghorst

Der Wald ist in Gefahr: Da kommt das Projekt „Bäume für das Leben“ gerade richtig. Der Unternehmer Paul Gauselmann stiftete zu seinem 85. Geburtstag 85000 Laubbäume. Über die ganze Bundesrepublik verteilt fanden bereits Pflanzaktionen statt. Gestern war Borghorst an der Reihe – ein ganz besonderer Termin für Gauselmann.

Von Ralph Schippersund

„Bäume fürs Leben“: Mit Initiator Paul Gauselmann (2.v.l.) freuen sich Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer, Waldbesitzer Ulrich Schulze Raestrup sowie Günter Schröder (Trinkwasserwald, v.l.) über das Engagement des Unternehmers. Im Rahmen einer Performance stellten „Herr Wald“ (Markus Bölling) und „Frau Wasser“ (Wibke Wackermann) die Bedeutung des Ökosystems heraus (kl. Bild). Foto: s

Eine ähnliche Aktion hat es in der langen Geschichte des Buchenbergs wohl noch nicht gegeben: 10 000 Laubbäume – von der Stieleiche über die Hainbuche bis hin zur Vogelbeere – werden derzeit auf einem rund vier Hektar großen Areal des Waldgebiets unweit des Fledermaustunnels gepflanzt. Der Initiator des Ganzen ist Paul Gauselmann. Der 87-jährige Seniorchef der gleichnamigen Firmengruppe aus dem ostwestfälischen Espelkamp hat vor zwei Jahren anlässlich seines Geburtstag die Umwelt-Aktion „Bäume fürs Leben“ ins Leben gerufen. Dabei hat er sich auf die Fahne geschrieben, 85 000 Bäume – finanziert aus seinem Privatvermögen – in ganz Deutschland pflanzen zu lassen und damit einen Beitrag zum Klima- und Grundwasserschutz zu leisten. Bei neun Teilprojekten sind 50 000 Setzlinge bereits in den Boden gekommen, am Mittwoch nun war Borghorst an der Reihe.

Dass der Unternehmer persönlich aus Ostwestfalen anreiste, hatte seinen Grund: Denn Gauselmann ist gebürtiger Borghorster. „Ich wurde 1934 in der Bauerschaft Dumte geboren, die Gelegenheit heute Erinnerungen an die alte Heimat aufzufrischen, wollte ich mir nicht entgegen lassen“, hieß er die Gäste der Pflanzaktion im Buchenberg willkommen. Zwar sei er schon im Alter von zwei Jahren mit der Familie nach Münster umgezogen, später in seiner Jugend aber habe er während der Kriegszeit weitere Jahre in der Stadt verbracht. Später ging es dann beruflich nach Ostwestfalen. Was 1957 mit dem Vertrieb von Musikboxen als Ein-Mann-Betrieb begann, entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem Firmenimperium in der Spielautomatenbranche mit einer Belegschaft von heute 14 000 Mitarbeitern.

Mit der „Bäume fürs Leben“-Aktion möchte der Senior nun der Allgemeinheit etwas zurückgeben. Die Wiederaufforstung von Wäldern schien ihm ein guter Ansatz, den er nun konsequent verfolgt.

Dass nun der Borghorster Buchenberg als zehnter Teilstandort in den Genuss der Pflanzaktion kommt, ist den guten Kontakten des Projektpartners „Trinkwasserwald“ zum Landesbetrieb Wald und Holz, respektive zum Steinfurter Revierförster Jan-Dirk Hubbert zu verdanken. Letzterer machte den Vorschlag, das vier Hektar große Areal nahe des Wanderparkplatzes an der Landstraße 510 aufzuforsten. Es ist im Besitz von Ulrich Schulze Raestrup.

Der Borghorster zeigte sich am Mittwoch sehr dankbar für das Engagement Gauselmanns. Die Fläche sei nach dem Krieg mit Fichten besetzt worden, die in den vergangenen Jahren zunächst von Stürmen und zuletzt vom Borkenkäfer so stark geschädigt wurden, dass sie gefällt werden mussten. Wald sei viel mehr als „nur“ eine Naturressource – er habe vielfältige Funktionen für den Menschen, unter anderem auch als Trinkwasserspeicher, sagte Schulze Raestrup.

In die gleiche Kerbe stieß Günter Schröder vom Projektpartner Trinkwasserwald e.V. Der Verein gestaltet bundesweit gezielt ausgewählte Nadelwald-Monokulturen zu Laubmischwäldern um. Sie produzierten erheblich mehr und besseres Grundwasser als Nadelwälder, wirkten sich günstiger auf das Klima aus und erhöhten die Artenvielfalt. Überall dort, wo Wald fehlt, werden sich in naher oder ferner Zukunft Probleme in der Wasserversorgung einstellen, ist Schröder überzeugt.

Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer lobte ebenfalls das Engagement Gauselmanns und betonte darüber hinaus die große Bedeutung des Waldes für die Erholung und Regeneration des Menschen. In diesem Zusammenhang erwähnte sie den neu entstehenden, nicht allzu weit entfernten Gesundheitscampus. Sprach‘s und griff zusammen mit dem Mäzen zur Schaufel, um symbolisch eine Eiche zu pflanzen. Dutzende Gauselmann-Mitarbeiter, die per Bus aus Ostwestfalen angereist waren, taten es den beiden mit kleineren Setzlingen gleich. Tausende weitere werden in den kommenden Tagen auf dem Areal von Landschaftsgärtnern gesetzt.

Wie sehr Wald und Wasser sowie das Wohl und Wehe der Menschen untrennbar miteinander verbunden sind, verdeutlichte im Rahmenprogramm eine tänzerische Szene mit „Herr Wald“ und „Frau Wasser“. Die beiden Darsteller Markus Bölling und Wibke Wackermann verzauberten mit ihrer Aufführung die Zuschauer.

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