1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Steinfurt
  6. >
  7. 34-Jähriger zeigt keine Reue

  8. >

Üble Nachrede und Beleidigungen führen zu 15 Monaten Haft

34-Jähriger zeigt keine Reue

Steinfurt/Rheine

Der 34-jährige Mann aus Rheine, der in dieser Woche wegen übler Nachrede in 27 Fällen (neunmal waren Mitarbeiter der Kreisverwaltung, von Gerichten oder der Polizei betroffen) und fünf Beleidigungen zu einem Jahr und drei Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden ist, hat bereits am 17. Dezember in Rheine vor dem Kadi gestanden.

-mok-

Der 34-jährige Mann aus Rheine, der in dieser Woche wegen übler Nachrede in 27 Fällen (neunmal waren Mitarbeiter der Kreisverwaltung, von Gerichten oder der Polizei betroffen) und fünf Beleidigungen zu einem Jahr und drei Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden ist, hat bereits am 17. Dezember in Rheine vor dem Kadi gestanden. Damals war die Verhandlung ohne Urteil zur Bewährung ausgesetzt worden – bis zum nächsten Prozesstermin. Hintergrund: Die Anklageliste hatte sich um weitere Punkte verlängert. Zudem war er zwischenzeitlich vom Landgericht Münster wegen vergleichbarer Delikte zu einem Jahr und drei Monaten mit Bewährung verurteilt worden.

Auch am 25. Mai 2020 waren ihm in Rheine wegen Beleidigung, Körperverletzung, Nötigung, Sachbeschädigung und Bedrohung zu 15 Monate mit Bewährung aufgebrummt worden. Im Anschluss hatte der Angeklagte randaliert und das Mobiliar im Amtsgericht demoliert. Schaden 1000 Euro.

Massiv hatte er nunmehr im Januar und Februar dieses Jahres Richter in Rheine und Steinfurt unter Druck gesetzt, sie sexistisch beleidigt und dem Leiter des Straßenverkehrsamts in Steinfurt gedroht, dessen Familie auszurotten.

Dem Kreisdirektor und seinem Vorgänger hatte er unterstellt, seine Mitarbeiter zu manipulieren. Einen Anwalt aus Rheine hatte er als skrupellosen Drahtzieher bezeichnet und einen Redakteur der manipulativen Berichterstattung bezichtigt. Der Polizei unterstellte er organisierte kriminelle Machenschaften und erstattete permanent Anzeigen. Die wurden auf Geheiß der Bundesstaatsanwaltschaft nicht mehr verfolgt, „weil sie nicht einmal einen Anfangsverdacht enthalten“, wie der Staatsanwalt erläuterte. Er beantragte ein Jahr und neun Monate ohne Bewährung.

Drei medizinische Gutachten ergaben zwar eine Persönlichkeitsstörung, die seine Schuldfähigkeit allerdings nicht beeinträchtigt hätten. Eine stationäre Therapie lehnte der Angeklagte ebenso wie die Einnahme von Medikamenten ab, „weil ich mich dann in einer Blase befinde und praktisch handlungsunfähig bin“.

Einzig und allein weil ihm sein Führerschein abgenommen worden und ihm dadurch keine Festanstellung als Veranstaltungstechniker möglich gewesen sei, habe er sich zu den Attacken hinreißen lassen. Den vom Verwaltungsgericht Münster geprüften und bestätigten Entzug der Fahrerlaubnis hat er als die Ungerechtigkeit seines Lebens betrachtet.

Der Angeklagte hatte nach dem Abitur BWL studiert und eine Ausbildung zum Techniker gemacht. „Das alles habe ich verloren“, beklagte er sich bitter und sah sich weiterhin im Recht. „Es wird immer weitergehen“, sagte er vor der Urteilsverkündigung. Die Richterin hingegen ermahnte ihn eindringlich, endlich zur Vernunft zu kommen und sich zu disziplinieren.

Startseite
ANZEIGE