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Gebrüder Blaak in der Steinfurter Konzertgalerie

Atemberaubende Vierhändigkeit

Steinfurt

Das war mal ein Programm am Sonntagabend in der Bagno-Konzertgalerie zum wirklich hin- und hergerissen werden – und das im allerbesten Sinne. Sozusagen aus der niederländischen Nachbarschaft waren Martijn und Stefan Blaak, beide in Steinfurt und der Region alles andere als musikalische Unbekannte, angereist, um ein wechselvolles Programm für Klaviermusik zu vier Händen regelrecht zu zelebrieren.

Von Martin Fahlbusch

Martijn (l.) und Stefan Blaak haben das Publikum am Sonntagabend in de Steinfurter Konzertgalerie mit ihrem Programm überzeugt. Beide sind in der Region längst keine Unbekannten mehr. Sie gelten mittlerweile mit internationaler Konzerttätigkeit Foto: Martin Fahlbusch

Das war mal ein Programm am Sonntagabend in der Bagno-Konzertgalerie zum wirklich hin- und hergerissen werden – und das im allerbesten Sinne. Sozusagen aus der niederländischen Nachbarschaft waren Martijn und Stefan Blaak, beide in Steinfurt und der Region alles andere als musikalische Unbekannte, angereist, um ein wechselvolles Programm für Klaviermusik zu vier Händen regelrecht zu zelebrieren.

Und das kann auch wie bei der einleitenden Sonate B-Dur KV 353 von Wolfgang Amadeus Mozart zupackend und kräftig im Allegro, aber auch im Adagio und mit fingerfertigem Schwung im abschließenden Molto Presto sein. Den beiden Brüdern muss ein ähnlicher Schalk im Nacken sitzen wie damals dem „Wolferl“, denn der hatte sich nicht nur thematisch fließend- abwechslungsreiche Musik ausgedacht, sondern regelrecht pfiffige Satzschlüsse komponiert und mit ähnlicher Freude spielten die auch die beiden furiosen Pianisten.

Das Thema des Kopfsatzes aus Wolfgang Amadeus Mozarts A-Dur Sonate Nr. 11 A-Dur KV 331 bildet das Material, an dem sich Max Reger in seinen Variationen über ein Thema des genialen Salzburgers in seinem Opus 132 regelrecht abarbeitet. Man könnte das Werk eine Geschichte der Ablösung und Verarbeitung von Mozarts genialem Themenidee nennen. Aber wie vertrackt auch Regers Bearbeitung daherkommt, in allen acht Variationen gibt es immer entdeckbare Bestandsteile der Mozartschen DNA, die Max Reger aber sehr eigenständig, vielschichtig und aus immer neuen Perspektiven durchdringt und eben auch verändert. Und für Reger eigentlich irgendwie erwartbar endet das alles in einer Fuge, die sozusagen Mozart wieder freigibt und wenn auch neu dargebracht zu seinem Recht kommen lässt. Sehr eindrucksvoll und auch kleinste Nuancen herausarbeitend bewiesen Martijn und Stefan Blaak, mit welch pianistische Begeisterung, aber eben auch welch pianistischen Fertigkeiten die beiden sich einem solchen Werk nähern und es für sich entdecken.

Ein deutlicher, zuweilen furchteinflößender „Danse Macabre op. 40“ von Camille Saint-Saëns eröffnete den zweiten Teil des Bagno-Abends. In diesem nach Art eines Walzers komponierten Werk kommt kaum die vielbeschriebene Seligkeit auf. Der Tanz wirkt zersplittert und von abrupten Einwürfen bestimmt – ein pianistischer Kraftakt, der trotzdem Gefühl erforderte.

Märchenhaft verspielt und mit wundervoller Akkuratesse und Spielfreude von den Blaaks nachempfunden kam dann Maurice Ravels „Ma mère l’oyse“ daher. Da schillerte es und flirrte es in musikalischer Ideenpracht und genauso schillerte es und flirrte es durch die beiden bemerkenswerten Klaviermusiker.

Dass Maurice Ravel auch ganz anders konnte, das pfefferten dann Martijn und Stefan Blaak mit dessen „La Valse“ dem Publikum anschließend regelrecht um die geneigten Ohren. Das ist heftig komponiert, orientiert sich vermeintlich am sagenumwobenen Wiener Walzer – benutzt die Form aber mehr als musikalischen Steinbruch. Und genauso geriet auch die atemraubende Interpretation der Brüder.

Da musste es bei der Zugabe dann doch „etwas Johann Sebastian Bach“ sein. In einer leicht romantischen Transkription für Klavier zu vier Händen von György Kurtág entließen Martijn und Stefan Blaak den hochbegeisterten Zuhörern mit dem „Gottes Zeit ist die beste Zeit“ BWV 106.

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