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Was machen Pauker nach Feierabend und warum man überhaupt diesen Beruf ergreifen sollte

Auf der anderen Seite des Pults

Schule, Studium, Schule. Wie das Leben eines angehenden Lehrers aussieht, das beschreibt Max Roll.

Gelangweilte Gesichter, nervige Schüler und Korrekturen nach Feierabend. Das Leben als Lehrer scheint hart, doch ist es alles andere als schlecht. Max Roll gibt Einblicke in das Leben als die Person vor der Klasse. Foto: dpa

Wer gerade sein Abi gemacht hat, verfolgt oft nur einen Gedanken: Gott sei dank keine Schule mehr. Während viele auf Reisen gehen, starten andere direkt eine Ausbildung. Auch mich zog es nach dem Abitur direkt an die Uni Münster. Mein Ziel: Lehramt. Nach einigen Jahren Abstinenz von Pausenhöfen, Klassenzimmern und Kreidetafeln stehe ich nun also wieder da, wo vieles angefangen hat: in der Schule.

Privatleben

Dieses Mal bin ich allerdings auf der anderen Seite des Klassenraums, ich bin derjenige, der Aufgaben verteilt, zur Ruhe ermahnt oder auch ein paar Strafen verteilen muss. Als Schüler dachte ich immer, Lehrer würden nur für die Schule leben und hätten fast kein Privatleben. Nachdem ich nun ein Jahr die andere Perspektive einnehme, weiß ich: es stimmt nur zum Teil.

Die Tage beginnen ähnlich früh wie damals: Zur ersten Stunde geht der Wecker um 6.15 Uhr, die letzte Stunde endet um 15 Uhr. Klingt ja nach ganz normalen Arbeitszeiten, Donnerstag und Freitag ist sogar schon um 13 Uhr Schulschluss. Doch mit dem letzten Schellen endet oft noch nicht der Arbeitstag, denn auch am nächsten Morgen müssen die Schüler beschäftigt, bespaßt und zum Arbeiten gebracht, also müssen die Stunden vorbereitet werden.

Klassenarbeiten

Je nachdem wie routiniert jemand ist, kann das eine Sache von Minuten sein, wer sich viel Mühe gibt, kann aber auch ein paar Stunden in die Vorbereitung stecken. In meinem Fall, Hauptfach Deutsch, kommen auch regelmäßig Korrekturen von Klassenarbeiten dazu, die natürlich nicht während der Stunden gemacht werden können.

In regelmäßigen Abständen und auch während der Ferien kommen dann noch Konferenzen, Elterngespräche und einige weitere Verpflichtungen dazu. Also ja, ein Vorurteil stimmt: Lehrer leben nur für die Schule und das müssen sie auch.

Rasselbande

Der Übergang vom pubertierenden Schüler hin zum Lehrer, der versucht, Literatur, Grammatik und Argumentationen einer Rasselbande von jungen Teenagern beizubringen, ist dabei alles andere als leicht. Sehr schnell gleitet man wieder in eine Schülerrolle und würde viel lieber selber auf einem der Plätze sitzen, statt vorne die Tafel vollzukritzeln.

Mit den Herausforderungen kommt dann aber auch das Wachstum. Sobald man sich einmal etabliert hat, fällt die Rolle des Lehrers leichter. Übung macht hier den Meister und vor allem das Feedback der Kollegen zum Verhalten.

Lehrerzimmer

Ein weiterer Schülermythos ist das Lehrerzimmer. Der heilige Bereich, der nur den Lehrkräften vorbehalten ist und keiner weiß, was darin vor sich geht. Die Wahrheit dürfte für viele ernüchternd sein: Denn tatsächlich machen auch Lehrer mal eine Pause. Die Kaffeemaschine läuft heiß, während einzelne Kollegen sich über Schüler austauschen oder die letzte Klassenarbeit besprechen.

Was macht also den Beruf des Lehrers jetzt so besonders? Wahrscheinlich ist es die Hingabe, die ein jeder einbringen muss. Schüler merken, wenn ein Lehrer motiviert ist und sich für sie interessiert und so verhalten sie sich dann auch. Doch auch dieses besondere Verhältnis, das man sofort zu anderen Pädagogen aufbaut, ist typisch Lehrer. Treffen zwei Kollegen aufeinander ist es unvermeidlich, dass in den ersten zehn Minuten das Thema Schule auf den Tisch kommt. Berufskrankheit nennen es die einen, Liebe zum Beruf die anderen.

Klassenarbeit

So oder so steht für mich fest: Lehrer zu werden war der richtige Weg. Auch wenn Klassen und Eltern anstrengend sein können, gibt der Beruf einem viel zurück. Die Arbeit mit Schülern macht in besonderer Weise viel Spaß und auch das Korrigieren von Arbeiten wird trotz einiger doofer Fehler oft zur besten Abendunterhaltung, wenn auf einmal von „Beziungen“ oder der „Tower Bitch“ geschrieben wird.

Doch der Weg durch das Studium hin zu diesem Beruf ist beschwerlich. Mindestens zehn Fachsemester sind für Bachelor und Master notwendig, plus das Referendariat, das sich nach dem Studium anschließt. Wer sich also entscheidet, die Lehrerlaufbahn einzuschlagen sollte sich bewusst sein, dass dies mit viel Arbeit und viel Schreiben zu tun hat.

Perspektivwechsel

Unterm Strich wartet aber eine ganz besondere Arbeit. Vor allem, weil jeder mitreden kann, jeder ist zur Schule gegangen und hat gute und schlechte Lehrer erlebt. Genau diese Motivation ist es, die dann auch für die eigene Lehrerpersönlichkeit und den Perspektivwechsel entscheidend sein wird und die Frage stellt: Welcher Lehrer will ich sein?    Max Roll

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