Gestaltungsbeirat zum Gesundheitscampus

Aufruf zum Dialog

Borghorst

Nein, es ist keine dritte Meinung zum Gesundheitscampus. Die Architekten Ellermann und Achterkamp, beide heißen sie mit Vornamen Christoph, sehen ihren Beitrag zur Diskussion um den Gesundheitscampus als Appell, als Aufruf zum Dialog. „Ich bin mir sicher, dass wenn sich alle Beteiligten für zwei Stunden an einen Tisch gesetzt hätten, alle Meinungsverschiedenheiten ausgeräumt wären“, sagt Christoph Ellermann, der mit seinem Kollegen Achterkamp Mitglied des Steinfurter Gestaltungsbeirat ist. Das Gremium beurteilt städtebauliche Entwicklungen in der Stadt. „Und das zu 100 Prozent unabhängig“, wie Ellermann betont. Beim Architektenwettbewerb für den Gesundheitscampus war der Beirat Mitglied der Jury.

Axel Roll

Der Entwurf von Kempe Thill aus Rotterdam ist zu Recht als bester aus dem Architektenwettbewerb zum Gesundheitscampus hervorgegangen, betonen die beiden Mitglieder des Gestaltungsbeirats Christoph Ellermann und Christoph Achterkamp. Foto: Atelier Kempe Thill B.V.

Achterkamp und Ellermann verteidigen den Sieger-Entwurf ihrer Rotterdamer Kollegen von Kempe Thill als „beste der eingereichten Arbeiten“, die jetzt als Grundlage für die Bebauung des Areals diene. „Der Entwurf muss im Kern bleiben“, betont Christoph Achterkamp, „und darf nicht kaputt geredet werden.“ Und sein Kollege ergänzt: „Er ist ein Korsett, in dem immer noch Änderungen möglich sein müssen.“ Die Planungen von Kempe Thill könnten nicht alle Antworten liefern, auch gebe es Teile, die durchaus noch einmal überdacht werden müssten. Christoph Ellermann nennt da zum Beispiel die Achsen, die mehr geöffnet werden könnten.

Die Dichte der Bebauung, Hauptkritik ihres Kollegen Bernard Hillebrand und des ehemaligen Technischen Beigeordneten Reinhard Niewerth, geht für Achterkamp und Ellermann hingegen völlig in Ordnung. Das Areal sei schon immer sehr eng bebaut gewesen, damals mit Fabrikhallen. Diese Verdichtung sei jetzt wieder aufgenommen worden. Die durchgängig viergeschossige Bauweise sei durch die Hangsituation „sehr verträglich und völlig unproblematisch“. Und vor dem historischen Hintergrund sei die angedachte Dichte „fast notwendig“.

Für Christoph Achterkamp zeigen die Planungen aus Rotterdam „Mut zur Urbanität“. Er habe Borghorst in dem Entwurf mit den verschiedenen Wohnformen wiedergefunden. „Wobei Borghorst weniger in der Architektur und mehr in der Struktur Charakter zeigt.“

Beide Mitglieder des Gestaltungsbeirates hätten sich nach Bekanntgabe des Wettbewerbsergebnisses eine intensive Diskussion mit allen Beteiligten, Politik, Verwaltung und Investor, über die Rahmenplanungen gewünscht. Christoph Ellermann: „Reden ist das Wichtigste überhaupt.“

Zum Vorwurf, Abstände zwischen den einzelnen Gebäuden seien aus baurechtlicher Sicht zu dicht, betont Christoph Ellermann, dass ein Bebauungsplan nur Baufelder beschreibe, in denen die Gebäude hin- und hergeschoben werden könnten.

Grundsätzlich, finden Achterkamp wie Ellermann, müssten für Innenstädte wie die von Borghorst, architektonische Antworten auf Fragen des städtischen Wohnens gefunden werden. Das könne nur das verdichtete Bauen sein. „Und keine Einfamilienhäuser“, so Christoph Ellermann. Die seien schon aus ökologischer Sicht nicht mehr vertretbar.

Zurück zum Dialog. Um sich auch jetzt noch gemeinsam an einen Tisch setzen zu können, halten die Experten auf der einen Seite Vergleiche mit einer Gefängnishof-Architektur für hoffnungslos überzogen, anderseits das Heraufbeschwören von Horror-Szenarien, der Investor würde bei Änderungen der Planungen sofort abspringen, für wenig hilfreich. Vom Prinzip, und da sieht sich der Gestaltungsbeirat mit allen Beteiligten in bester Gesellschaft, „ist der Gesundheitscampus eine Riesen-Chance für Steinfurt“.

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