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Klavier- und Chansonabend in der Bagno-Konzertgalerie

Ausrufezeichen gegen Judenhass

Steinfurt

Das verbindende Thema der verschiedenen Programmpunkte war der Kampf gegen den Antisemitismus. Der Abend des Arbeitskreises Jüdisches Leben in Deutschland wurde damit zu einem eindrucksvollen Statement gegen den Judenhass. Und das mit viel Musik und nachdenklichen Texten. Das Publikum in der Konzertgalerie war begeistert.

Von und

Stephanie Rave begeisterte mit Stimmgewalt und eindrucksvoller Mimik. Begleitet wurde sie von Ehemann Clemens Rave am Klavier. Foto: Axel Roll

Ein Abend voller Emotionen und Leidenschaft: Denn diese Veranstaltung des Arbeitskreises Jüdisches Leben in Deutschland hat sich mit seiner Pracht und Fülle von Musik und Gesang ins Herz gebrannt. „Das war ein ganz großartiger Abend. Vielen Dank dafür“, kommentierte eine Besucherin beim Abschied.

Karin König, Vorsitzende des Arbeitskreises, freute sich über die mit 120 Gästen gut gefüllte Bagno-Konzertgalerie. Bürgermeisterin Claudia Bögel-Hoyer überbrachte dieser Veranstaltung die Grußworte der Stadt Steinfurt. Ihre Mahnung „Wehret den Anfängen“ war deutlich. In Richtung der anwesenden Jugendlichen forderte sie zum Mut gegen rechtes Gedankengut auf. Dieter Chilla als Mitglied des Arbeitskreises verlas das Grußwort der Familie Mazaki aus Israel. „Der Antisemitismus ist ein uraltes Phänomen in der Geschichte der Menschheit. Steinfurt spiegelt die entgegengesetzte Philosophie zum Antisemitismus wider.“ Sie wünschte angesichts der heutigen Herausforderungen gute politische Entscheidungen und Frieden.

Eröffnet hatten die Schüler der Realschule am Buchenberg den Abend. Julia Ernst und Anna Hille hatten einen Text verfasst. In einem Dialog nahmen sie Bezug auf die neuerlichen antisemitischen Anschläge. Beide Schülerinnen mussten leider in Quarantäne. Deshalb sprangen Sina Merker und Jonas Laukötter ein, die ganz großartig ihre Klassenkameradinnen vertraten. Vom Hermann-Emanuel-Berufskolleg trugen Jonas Kortmann, Abiturient des Beruflichen Gymnasiums sowie Meike Schöpker und Darleen Jürgens vom Fachbereich Heilerziehungspflege Texte und kurze literarische Aphorismen vor. „Wer ein Menschenleben rettet, der rettet die ganze Welt“, heißt es im Talmud.

Im Hauptteil des Abends gab es zunächst eine Überraschung, weil die Künstler auf ein Drittel der Gage verzichteten, zugunsten eines noch folgenden Projekts der Realschüler und Studierenden vom Hermann-Emanuel-Berufskolleg mit jüdischen Jugendlichen. Eine weitere großzügige Spende der Anwesenden des Abends wird dabei helfen.

Dann folgte ein Chanson- und Klavierabend vom Feinsten. Professor Clemens Rave stellte einfühlsam und energisch jüdische Komponisten vom Anfang des letzten Jahrhunderts vor, die damals weit bekannt, nach Ermordung oder Emigration heute fast vergessen sind. Zwei lebhafte Stücke aus Korngolds Märchenbildern von 1911, Gruenbergs Foxtrott von 1924, eine Polka von Grosz aus 1921 oder Ullmanns Klaviersonate von 1944 zeigen die Verbindungen zur modernen Musik. Keine leichte Kost, sondern eine Herausforderung. Eine andere, leichtere Note kam durch die Chansons. Dazu trumpfte Stephanie Rave mit Stimmgewalt und eindrucksvoller Mimik auf. Stücke von Friedrich Hollaender und Münzer zeigten das Kabarett der dreißiger Jahre. Vertonungen von Kästner, Tucholsky und Brecht spiegelten die Weitsicht von Künstlern im drohenden Nationalsozialismus. Die Lieder von Kreisler aus der Nachkriegszeit versuchten mit schwarzem Humor und Satire die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit angesichts des Naziregimes zu verarbeiten.

Zum Abschluss ertönte jazzige Klaviermusik, hinreißend interpretiert von Clemens Rave, Themen aus den Filmen Yentl und Schindlers Liste, die Stephanie Rave ergreifend auf einer Säge intonierte. Konstantin Weckers „Die weiße Rose“ von 1984 wies auf den immer noch bestehenden Antisemitismus hin. Verabschiedet wurden sie mit stehendem Applaus vom Publikum.

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