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Freispruch von sexueller Belästigung

Aussage steht gegen Aussage

Steinfurt

Das Amtsgericht hat einen 65-jährigen Mann aus Steinfurt vom Vorwurf einer sexuellen Belästigung freigesprochen. Am Ende des Strafprozesses stand Aussage gegen Aussage.

Von Dirk Drunkenmölleund

Das Amtsgericht hat einen 65-jährigen Mann aus Steinfurt vom Vorwurf einer sexuellen Belästigung freigesprochen. Am Ende des Strafprozesses stand Aussage gegen Aussage. Zeugen für den von Polizei und Staatsanwaltschaft verfolgten Verdacht gab es nicht.

Eine heute 24-jährige Frau hatte den verheirateten Mann und Vater von sieben Kindern bei der Polizei angezeigt. Dort hatte sie geschildert, wie sie von dem Mann Mitte September vergangenen Jahres auf der Ochtruper Straße angesprochen worden war. Sie hatte ihren Einkauf in der Stadt erledigt und wollte mit dem Rad nach Hause fahren. Wegen einer Reifenpanne musste sie schieben. Der Mann habe den Platten gesehen und ihr Hilfe angeboten. Er habe sie auf dem Bürgersteig begleitet und ihr dabei wiederholt am Po, am Arm, an der Brust und auch am Unterleib berührt. Sie habe ihm daraufhin deutlich zu verstehen gegeben, dass er damit aufhören solle. Er habe jedoch weitergemacht und ihr angeboten, mit ihm nach Hause zu gehen, den Reifen zu reparieren „und etwas Spaß zu haben“.

Darauf von der Richterin angesprochen, stritt der Angeklagte die Vorwürfe ab und brach zwischenzeitlich in Tränen aus. Er kenne sich mit Fahrradreparaturen aus und habe lediglich helfen wollen. „Für mich ist es eine Schande, dass man mir so etwas vorwirft. Ich habe nichts Schlimmes getan“, beteuerte er seine Unschuld. Und weiter: „Ich weiß nicht, was sie von mir will. Ich schäme mich für diese Frau.“

Die Richterin versuchte, so weit es möglich war, die Sache behutsam aufzuklären, fragte nach eher zufälligen Berührungen oder Missverständnissen, die nicht auszuschließen gewesen wären, als beide mit ihren Fahrrädern nebeneinander auf dem Heimweg waren. Nachdenklich stimmte die Richterin allerdings, dass sich in der Wohnung, in die der Mann die junge Frau mitnehmen wollte, zu dem Zeitpunkt Frau und Kinder aufgehalten haben. Da standen auf einmal Zweifel im Raum.

Für eine Verurteilung haben die Schilderungen nicht gereicht. „Nicht hinreichend nachvollziehbar“ sei das Geschehen gewesen. Staatsanwältin und Richterin waren sich einig, dass es somit nur einen Freispruch für den bislang unbescholtenen Mann geben kann. Dennoch wollte die Vorsitzende der Frau nicht absprechen, dass es sich in der Wahrnehmung der 24-Jährigen um unsittliche Berührungen gehandelt habe. Zweifelsfrei könne das aber nicht belegt werden.

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