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Generalversammlung der Bürgerenergie-Genossenschaft beschließt Auszahlung einer Sechs-Prozent-Dividende

BEGSt soll innovativer werden

Steinfurt

Freudige Gesichter bei den Mitgliedern: Vorstand und Aufsichtsrat haben den Anteilseignern während der Generalversammlung am Montag im Martin-Luther-Haus die Auszahlung einer Dividende in Höhe von sechs Prozent vorgeschlagen. Zuvor hatten sie solide Finanzzahlen präsentiert. Später stand in einer spannenden Diskussion die Frage im Raum, inwieweit sich die Genossenschaft in der lokalen Energiewende engagieren sollte.

Von Ralph Schippersund

Vorstandsmitglied Hermann Lindhof trug den BEGSt-Mitgliedern unter anderem den Tätigkeitsbericht der Jahre 2019 und 2020 vor. Foto: rs

Den bisherigen Verlauf der Corona-Pandemie nahezu blessurenfrei überstanden, die Bilanzzahlen solide und obendrauf noch das Angebot für die Auszahlung einer Rekorddividende: Kein Wunder, dass die Vertreter von Aufsichtsrat und Vorstand der Bürgerenergie-Genossenschaft am Montagabend den Mitgliedern während der Generalversammlung im Martin-Luther-Haus ziemlich selbstbewusst gegenübergetreten sind. Dass die BEGSt auf soliden Füßen steht, spiegelte sich auch in den folgenden Abstimmungen bei den Wahlen zum Aufsichtsrat sowie bei der Entlastung der Führungsgremien wider: Bei allen Vorgängen votierten die erschienenen Anteilseigner einhellig, was einem großen Vertrauensbeweis für die Arbeit der Verantwortlichen gleichkommt.

Bei der ersten Präsenzveranstaltung nach zweijähriger Pause waren indes nur rund 50 der immerhin fast 1000 BEGSt-Mitglieder im MLH erschienen. Ein Umstand, den Aufsichtsratsvorsitzender Peter Wicher in seiner Begrüßung wohl nicht ganz zu Unrecht der noch immer nicht überwundenen Pandemie zuschrieb.

Nach einer kurzen Rückschau von Hermann Lindhof auf die durch einen großen Anteil an Homeoffice-Arbeit und den weitgehenden Verzicht auf Präsenzveranstaltungen gekennzeichneten Pandemiejahre 2019 und 2020, bei dem er zugleich das gute Verhältnis zur Geschäftsführung und Mitarbeiterschaft der Stadtwerke betonte, stellte Vorstandskollege Sebastian Hahn die Geschäftszahlen vor. Als Bilanzgewinn steht für 2020 ein Betrag von 129 300 Euro zu Buche. Das seien im Vergleich zum Jahr davor zwar fast 100 000 Euro weniger, bemerkte Hahn. Dies sei indes kein Gewinneinbruch, sondern auf eine buchhalterische Besonderheit zurückzuführen: Der variable Anteil der Auszahlung aus der Beteiligung an den Stadtwerken 2019 sei vom Energieversorger anders als sonst üblich noch in selbem Jahr ausgezahlt und entsprechend auch schon für 2019 gebucht worden.

Die Finanzlage der BEGSt sei durchweg gut, betonte Hahn. Die Bilanzsumme betrage mehr als 3,6 Millionen Euro. Die Erträge aus den Beteiligungen – auch am Windpark Hollich Sellen – seien besser als erwartet. Daher sei es aus Sicht von Vorstand und Aufsichtsrat auch kein Problem, eine Dividende von sechs Prozent auszugeben. Dieser Empfehlung folgten die Mitglieder bei den anschließender Abstimmung einhellig.

Spannend verlief die Diskussion, die sich im Anschluss unter den Punkten „Ausblick und Vorhaben 2021“ sowie „Verschiedenes“ entwickelte. Die Genossenschaft, so bekräftigte Hermann Lindhof, soll weiter wachsen und sich entwickeln. Doch wo den Schwerpunkt setzen? Während die Verantwortlichen im Vorstand unternehmerisch eher konservativ vorgehen wollen und die Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund stellen, unter anderem könnte man sich eine Beteiligung am neuen Windpark Dumte vorstellen, regten einige Mitglieder auch vor dem Hintergrund des Drucks durch den fortschreitenden Klimawandel an, die Energiewende vor Ort konsequenter mit eigener Initiative voranzutreiben – und dabei auch ein höheres Risiko zu gehen. „Die BEGSt hat die Verpflichtung, innovativ zu sein, was die Nutzung der Erneuerbaren angeht“, betonte beispielsweise Gerd Göckenjan. Auch Rolf Posingies vertrat angesichts auch der guten Finanzlage die Auffassung, „lokal mehr anzupacken“. Alfred Voges empfahl, über ein Rundschreiben Ideen der Mitglieder zu sammeln.

Hermann Lindhof erklärte, dass der Vorstand in dieser Sache am Ball bleiben werde. Das Handeln der BEGSt müsse indes stets dem genossenschaftlichen Gedanken zugrunde liegen.

Die Energiewende vor Ort war auch maßgebliches Thema des abschließenden Kurzvortrags von Stadtwerke-Geschäftsführer Rolf Echelmeyer. Angesichts des nunmehr in Fahrt kommenden Prozesses der Dekarbonisierung sei es Ziel des Energieversorgers, den Kunden Alternativen zu bieten. Die allerdings gibt es nicht umsonst: Auf steigende Preise, das Niveau auf dem Strommarkt explodiere derzeit förmlich, müsse man sich einstellen.

Bei den Wahlen zum Aufsichtsrat schieden Ullrich Schnittker und Jan-Hendrik Schulz turnusgemäß aus. Beide stellten sich zur Wiederwahl und wurden einhellig von der Versammlung in ihren Ämtern bestätigt.

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