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Botschafter Dr. Heinrich Kreft lehrt Diplomatie in Budapest

„Bin immer noch Mitglied im Dumter Schützenverein“

Borghorst/Budapest

In der Serie „Tratsch am Telefon“ hat heute Dr. Heinrich Kreft Zeit für einen lockeren Plausch. Der Borghorster Junge hielt es nicht lange in Dumte. Er machte Karriere als Botschafter und gibt mittlerweile sein Wissen und seine Erfahrung an den Nachwuchs weiter.

Axel Roll

Dr. Heinrich Kreft bei einem Vortrag in der Budapester Andrássy-Universität zur Wahl in den Vereinigten Staaten.

Guten Tag, Herr Dr. Kreft. Wo erwische ich Sie gerade? Direkt in Budapest?

Kreft: Ja genau. Ich bin in der deutschen Botschaft. Vier Tage die Woche lehre ich an der Andrássy-Universität, einen Tag bin ich in der Botschaft.

Als ich mir überlegt habe, wen ich für diese Serie anspreche, hatte ich Sie ganz oben auf der Liste. Da hatte ich Sie aber noch als Botschafter in Luxemburg verortet. Wie kam es zu dem Wechsel nach Ungarn?

Kreft: Das Auswärtige Amt hat für die Andrássy-Universität einen Lehrstuhl für Diplomatie gestiftet. Da ich immer noch einen Hang zur akademischen Arbeit und Lehre hatte, bin ich gefragt worden, diese Professur in Budapest zu übernehmen. Dort bin ich jetzt seit Herbst des vergangenen Jahres. Leider hat die Corona-Krise zur Folge, dass ich von meinen rund 80 Studierenden bisher nur ein oder zwei leibhaftig kennengelernt habe.

Ist Ungarn Ihre letzte Station vor der Pensionierung?

Kreft: Das weiß ich nicht. Ich habe noch vier Jahre bis zu meinem Ruhestand. Ein Posten als Botschafter wäre da noch möglich.

Sie sind jetzt mit Sack und Pack von Luxemburg nach Budapest gezogen?

Kreft: Nein. Meine Frau ist von Luxemburg in unser Haus in Kleinmachnow bei Berlin gezogen. Wegen der Corona-Pandemie war ich bislang allerdings erst einmal dort. Ich hoffe, dass es zu Ostern wieder klappt.

Haben Sie besondere Beziehungen zu Budapest?

Kreft: Eigentlich keine, außer dass ich ein paarmal beruflich und einmal privat hier war. Ich habe hier vor 24 Jahren Urlaub mit meiner Frau gemacht. Das weiß ich deswegen so genau, weil sie damals schwanger war. Und meine Tochter ist heute 23 Jahre alt.

Den Münsterländern sagt man ja eigentlich nach, dass sie der heimischen Scholle eher treu bleiben. In der Beziehung sind Sie offensichtlich aus der Art geschlagen.

Kreft: Ja, da haben Sie wohl recht. Das fing ja schon beim Studium mit Aufenthalten in den USA, Frankreich und Ecuador an. Aber ich bin Borghorst immer verbunden geblieben, habe dort auch noch meine Wurzeln. So bin ich immer noch Mitglied im Heimatverein und im Dumter Schützenverein. Schließlich lebt dort ein Großteil meiner Familie.

Aus der Distanz betrachtet: Gibt es etwas, was die Münsterländer auszeichnet?

Kreft: Man trifft sie überall. Schon nach wenigen Tagen bin ich hier von einem Studenten angeschrieben worden, der aus Altenberge kommt. Er hatte letzten Sommer über seinen Vater aus den WN erfahren, dass ich den Lehrstuhl für Diplomatie an der Andrássy übernehmen würde. Er hat mich gefragt, ob ich seine Masterarbeit prüfe. Das mache ich natürlich.

Als Zaungast am diplomatischen Parkett erlebt der Bürger einen Botschafter nur bei zwei Gelegenheiten. Beim Neujahrsempfang, wenn er furchtbar viele Hände schütteln muss und wenn er zum Außenminister zitiert wird, weil es knirscht zwischen den beiden Staaten.

Kreft: Ja, das ist wohl so. Ich bin vermutlich der einzige deutsche Botschafter, der schon einmal zum luxemburgischen Außenminister zitiert wurde. Das war im vergangenen Juli, als das Großherzogtum fürchtete, dass Deutschland wegen der hohen Corona-Inzidenz in Luxemburg erneut die Grenzen schließen könnte. Unter EU-Staaten ist so eine Maßnahme sehr außergewöhnlich. Darum war das Auswärtige Amt in Berlin auch ein bisschen verschnupft.

Abschließend noch einmal eine Frage zu Ihrer Heimat Borghorst: Wenn Sie dort sind, gibt es Lieblingsecken, die Sie immer wieder besuchen?

Kreft: Eine Radtour nach Laer zu einem meiner besten Freunde ist Pflicht. Außerdem besuche ich immer die Dumter Wegekapelle, an deren Bau mein Bruder maßgeblich mitgearbeitet hat. Schließlich gehe ich zum Friedhof, wo mein Vater und meine kürzlich verstorbene Mutter beerdigt sind.

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