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„Schnibbelbohne“ bekommt Fördermittel für einjähriges Projekt mit ukrainischen Kindern und Jugendlichen

Damit aus Flucht Zuflucht wird

Steinfurt

Für ein Jahr unterstützt die „Aktion Mensch“ ein Kochprojekt in Steinfurt für Flüchtlingskinder aus der Ukraine. Damit aus Flucht Zuflucht wird.

Von und

In der Küche der Nikomedesschule hat Elke Schmitz zusammen mit Schülern der DAZ-Klasse im GymBo den Auftakt zu dem neuen Kochprojekt gemacht, für das es eine einjährige Förderung der „Aktion Mensch“ gibt. Foto: Schnibbelbohne

Die „Schnibbelbohne“ kommt in den Genuss einer überraschenden Förderung der „Aktion Mensch“. Die durch Lotterieeinnahmen finanzierte Sozialorganisation hat dem Steinfurter Verein Projektmittel bewilligt, um Kindern und Jugendlichen, die vor dem Krieg in der Ukraine in die Kreisstadt geflüchtet sind, ein Stück Geborgenheit und Sicherheit in ihrer neuen Umgebung zu verschaffen – „damit“, wie es Elke Schmitz formuliert hat, „aus Flucht Zuflucht wird“.

Die Ideengeberin hatte den „Schnibbelbohnen“-Antrag mit Unterstützung des Paritätischen Wohlfahrtsverband auf den Weg gebracht. 20 Millionen Euro hatte die „Aktion Mensch“ mit dem Ziel bereitgestellt, Hilfen für geflüchtete Menschen zu organisieren. Hunderte Anträge sind gestellt, 15,2 Millionen Euro mittlerweile ausgeschüttet worden. Schmitz freut sich nun, dass die „Schnibbelbohne“ unter den Begünstigten ist. Die Förderung gibt es für ein Jahr.

Nach dem Projekt „Gut gegen Fremdeln“ geht es also nun mit „HeimatDuft – Wie schmeckt Heimat?“ weiter. Elke Schmitz erklärt dazu: „Jeder ist Essperte! Jeden Tag entscheiden wir, was, wie, wo, wann und mit wem wir essen.“ Das sei ein wunderbarer Ansatzpunkt für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Direkte Punkte, an die eigene Lebenswelt anzuknüpfen und etwas über die Vielfalt der verschiedenen „essthetischen Biografien“ zu erfahren, gebe es genug. Schmitz: „Alle Mitwirkenden sehen im Projekt das Potenzial, Rahmenbedingen für individuelle Entfaltungsprozesse zu schaffen.“

Die Beschäftigung mit Essen, Kultur, Herkunft und Geschichte bedeute auch, sich mit der eigenen Identität und Biografie auseinanderzusetzen: „Wo kommt mein Essen her?“ „Wo sind meine Wurzeln?“ Essen, so Schmitz weiter, bringe gerade die Zielgruppe im wahrsten Sinne des Wortes an einen Tisch. Wer dort gemeinsam mit anderen Platz nehme, sei mit den anderen verbunden. Schmitz weiter: „Wir wollen Kinder und Jugendliche zusammenbringen, die mit Essen, Kochen und Backen zu tun haben, es noch nicht kennen oder nur davon gehört haben – und ihnen einen festen Ort geben, um die Bandbreite von verschiedenen Rezepten zu schmecken, zu genießen oder kennenzulernen.“ Das Jahresprojekt soll neugierig machen, unterschiedliche Esskulturen und sich gegenseitig kennenzulernen.

Beziehungs,- und Persönlichkeitsarbeit sollen im Vordergrund stehen. Beim Kochen ist das sehr gut umsetzbar. Da würden Hände und Gesten zur Verständigung reichen. Gemeinsam möchte man einen Raum schaffen, wo die Esskultur ein Zuhause findet und diese nach außen weitergetragen wird.

Den Projektauftakt hat es mit der DAZ(Deutsch als Zweitsprache)-Klasse des Gymnasiums Borghorst bereits gegeben. Erstmalig ist dafür die neu eingerichtete Küche des Kulturforums in der ehemaligen Nikomedesschule genutzt worden. Begleitet wurde das Kochprojekt von Carina Schemmer („Schnibbelbohne“) und Barbara Schonschor vom Jugendmigrationsdienst sowie einer Fachlehrerin. Sie hat den Kontakt hergestellt und das Projekt begleitet. Nun sollen gemeinsame Gespräche geführt werden, wie das Projekt gezielt umgesetzt werden kann. Das Interesse und die Bereitschaft mitzuwirken, seien groß gewesen. „Aber es gab auch einige Schüler, denen man ihre Traurigkeit und das Heimweh angemerkt hat“, so schildert Elke Schmitz ihre Eindrücke. Der Wunsch, so schnell wie möglich nach Hause zurückzukehren, sei offensichtlich gewesen. Schmitz fügt an: „Vielleicht konnten wir ein wenig ablenken.“

Schulen und Einrichtungen in Steinfurt, die junge ukrainische Geflüchteten betreuen, können sich bei Elke Schmitz melden, um Koch- oder Backtermine zu vereinbaren. Auch für Projekte in Kindergärten kommt das Team in die Einrichtungen. Anfragen sind per E-Mail an schmitz.es@gmx.de möglich.

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