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Amtsgericht bestraft gewalttätigen Ehemann mit Geldstrafe

Ehe voller Misstrauen und Kontrolle

Steinfurt

Weil er seine Frau wiederholt mit Fäusten ins Gesicht, auf Kopf, Nacken und Oberkörper geschlagen und sie teilweise so heftig verletzt hat, dass sie im Krankenhaus mehrere Tage behandelt werden musste, hat das Amtsgericht Steinfurt einen 26-jährigen Mann am Dienstag zu 3150 Euro Geldstrafe verurteilt. „Ich habe lange überlegt, ob ich noch höher gehe“, erklärte die Vorsitzende Richterin.

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Ein Absperrband mit der Aufschrift «Polizeiabsperrung» ist vor einem Polizeiwagen aufgespannt. (Illustration) Foto: picture alliance/dpa | David Inderlied

Weil er seine Frau wiederholt mit Fäusten ins Gesicht, auf Kopf, Nacken und Oberkörper geschlagen und sie teilweise so heftig verletzt hat, dass sie im Krankenhaus mehrere Tage behandelt werden musste, hat das Amtsgericht Steinfurt einen 26-jährigen Mann am Dienstag zu 3150 Euro Geldstrafe verurteilt. „Ich habe lange überlegt, ob ich noch höher gehe“, erklärte die Vorsitzende Richterin nach mehr als zweieinhalb Stunden Prozessdauer. Nur weil der Angeklagte bisher noch nie straffällig geworden war, ist das Urteil nicht härter ausgefallen.

Zeugen berichten von Gewalttaten

Die Staatsanwaltschaft hatte den aus Tadschikistan stammenden Mann, der heute in Gronau eine Ausbildung zum Lageristen macht, vor den Kadi gebracht, weil er im Verdacht stand, dass er seiner 25-jährige Frau zweimal im Februar körperliche Gewalt zugefügt hat. Einmal war er dabei von einem Rentnerpaar beobachtet worden, wie er seine, im Fußraum des Beifahrersitzes Autos kauernde Frau am Veltruper Kirchweg in Burgsteinfurt auf dem Heimweg von ihrer Arbeit als Pflegeschülerin geschlagen hat.

"So etwas habe ich mein ganzes Leben nicht gesehen“, war der 76-jährige Zeuge während seiner Aussage immer noch aufgewühlt von den Geschehnissen. Er und seine Frau hatten die Polizei alarmiert. Wenige Tage später hat die Frau selber um Hilfe gerufen, nachdem es zu einer Auseinandersetzung in ihrer ehemaligen Wohnung gekommen war. Ihr Mann habe zugeschlagen, nachdem er sich geweigert hatte, das Wasser von den Duschwänden abzuziehen. Fotos von schweren Gesichtsverletzungen ließen erahnen, wie heftig die Frau verletzt worden war.

Angeklagter räumt Teilschuld ein

Die Richterin nahm sich viel Zeit, Einblicke in die Beziehungsgeschichte des zum Tatzeitpunkt nach islamischen Recht verheirateten und mittlerweile getrennt lebenden Paares zu verstehen. Während der Angeklagte erst am Prozessende zu einem Tatvorwurf eine Teilschuld einräumte, schilderte die junge Frau, wie sie von ihrem Mann bevormundet, kontrolliert, schikaniert und isoliert worden sei. Da war die Rede Nachstellungen, von GPS-Überwachung, anhaltendem Misstrauen und grenzenloser Eifersucht.

„Wenn er wütend geworden ist, konnte er sich nicht beherrschen“, hat sie ihm seine Gefühlsausbrüche zunächst offenbar noch verziehen. Anfängliche Zuneigung und Liebe sei dann in große Angst umgeschlagen. Der 26-Jährige habe ihr gedroht, sich scheiden zu lassen und sie „fertig zu machen“, sollte sie ihre Vorwürfe vor Gericht öffentlich machen. Je länger Drohungen und Druck andauerten, desto verzweifelter sei sie und auswegloser ihre Situation geworden, schilderte die Frau. Mehrfach brach sie in Tränen aus.

„Alles erfunden und erlogen“, erklärte der 26-Jährige. „Es stehe Aussage gegen Aussage“, versuchte der Verteidiger das Gericht milde zu stimmen. Es sei ein „absolutes Zerrbild“ gewesen, was die Frau da von sich abgegeben hätte. Eindeutige Beweise lägen nicht vor. Die Richterin urteilte anders. „Hier versucht eine junge Frau, mutig zu sein und sich zu befreien“, schenkte sie den Zeugen vollen Glauben: „Ich habe keinerlei Anlass, daran zu zweifeln.“ Über die Geldstrafe hinaus muss der Mann auch für die Prozesskosten aufkommen. Er hat die Möglichkeit, gegen das Urteil Rechtsmittel einzulegen.

Die Frau hat den Gerichtssaal nach Ende des Prozesses nur in Begleitung eines Justizbeamten verlassen. Sicher fühle sie sich an ihrem neuen Wohnort vor ihrem Ex-Mann weiterhin nicht sicher.

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