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Bilanz der Frauenhilfe für 2021

Ein nachdenklicher Rückblick

Burgsteinfurt

Das Jahr 2021? Für Resi Kubacki und Elisabeth Scheiper war es, wie für viele Menschen, ein schwieriges Jahr. Kubacki und Scheiper blicken auf die vergangenen zwölf Monate als Mitglieder der Evangelischen Frauenhilfe und ihre ehrenamtliche Arbeit dort zurück. Die Begegnungen seien wegen der Corona-Beschränkungen weniger und anders geworden. Händeschütteln und Umarmungen hätten gefehlt.

Von Bettina Laerbusch

Rosi Kubacki (l.) und Elisabeth Scheiper, beide Mitglied im Vorstand der Evangelischen Frauenhilfe Burgsteinfurt, ließen das (Corona-)Jahr auf Bitte dieser Zeitung gemeinsam Revue passieren. Foto: Bettina Laerbusch

Es ist kurz vor Weihnachten. Später Nachmittag. Draußen ist es schon dunkel. Aber fast den ganzen Tag über hat die Sonne geschienen – kaum zu glauben, der Dezember war bisher so dunkel, fast immer war es bedeckt. Und jetzt? Alle Bäume, Sträucher und Pflanzen am Boden sind mit Schneewolle bedeckt. Wie in einem Märchen. Drinnen bei Rosi Kubacki geht es ernst zu. Zusammen mit ihrer Vorstandskollegin Elisabeth Scheiper lässt sie das Jahr 2021 Revue passieren – aus Sicht der Frauenhilfe Burgsteinfurt, der beide angehören.

300 Mitglieder hat diese – ja – Institution, die aus der Evangelischen Kirche nicht wegzudenken ist. Aber die 37 Bezirkshelferinnen besuchen auch Frauen – und Männer – , die nicht Mitglied sind. Dann etwa, wenn sie einen runden Geburtstag feiern. Auch, wenn sie den Partner oder die Partnerin verloren haben und vielleicht keine (große) eigene Familie mehr haben.

„Im ersten Quartal“ – in ganz Deutschland herrschte ein Komplett-Lockdown teils mit Ausgangssperren – „haben wir uns hier bei mir auf der Terrasse getroffen und Briefe geschrieben“, erinnert sich Rosi Kubacki. „Digital hat man da ja die meisten Frauen noch nicht erreicht.“ Allein für 800 Senioren sind Zeilen, die verbinden und aufmuntern sollten, per Post in diesem zweiten Coronajahr verschickt worden.

Die Kontakte zu halten, das war und ist die Herausforderung in der Pandemie – nicht nur für die Frauenhilfe. Gottesdienste wurden gestreamt oder draußen gefeiert. Im Mai gibt es immer ein größeres Fest, bei dem Maibowle verköstigt wird. „Wir haben die Bowle in Gläser verteilt“, berichtet Elisabeth Scheipers. Verschlossen wurden diese dann zu den Mitgliedern gebracht. Ab Juni waren dann wieder Treffen möglich – in kleineren Gruppen erfolgten sie. Eine Montags-, eine Dienstags- und eine Freitagsgruppe gibt es bei der Frauenhilfe unter anderem. Doch Rommé-Treffen, ein ungezwungener Kaffeeklatsch, der Plausch nach dem sonntäglichem Gottesdienst – all das, sagt Rosi Kubacki nachdenklich, habe gefehlt.

Im September, auch daran erinnert sie, waren im Rahmen des Klima-Marsches von Polen nach Glasgow Teilnehmer in Burgsteinfurt zu Gast und haben im Gemeindezentrum auch übernachtet. Im September war die Coronalage entspannt; viele dachte, das bleibe so. Omicron? War ein griechischer Buchstabe. Mehr nicht. Doch etliche Mitglieder der Frauenhilfe seien auch in dieser Zeit sehr vorsichtig gewesen. „Sie haben bei den Vorbereitungen geholfen, Gemüse geschnitten fürs Essen, Betten bezogen. Doch als die Gäste kamen, sind sie gegangen. „Dass sind mir zu viele Menschen“, zitiert Rosi Kubacki eine Frau.

Jetzt fanden auch wieder Adventsfeiern statt. „Es war schön“, sagt Scheipers, „aber nicht das, was wir sonst hatten.“ „Die Atmosphäre war einfach nicht da. Man sitzt weit auseinander“, beschreibt sie die Situation weiter und sagt ruhig, fast noch erstaunt: „Man ist in der Gruppe und doch ist jeder irgendwie isoliert.“ Von „dem anderen Leben“ spricht Rosi Kubacki – sie meint das vor Corona.

Das Händeschütteln fehlt, die Berührung am Arm oder an der Schulter als Aufmunterung oder als Dankeschön. Die festen Umarmungen fehlen vielen noch viel mehr. Rosi Kubacki erzählt von einer Begegnung bei einem Geburtstag – vor der Pandemie. Sie habe dem Geburtstagskind die Hand geschüttelt, eine Bekannte indes habe es fest umarmt. Sie sei noch mal zurückgegangen und habe eine Umarmung nachgeholt. Am Rande der Feier hörte Rosi Kubacki diese Worte, die sie nachdenklich machten, wahrscheinlich auch dankbar: „Du bis verheiratet; wenn jemand seinen Partner schon verloren hat, dann werden solche Umarmung sehr, sehr wichtig.“

Bei all dem Ernst, bei all der Ungewissheit und der Sorge: Kubacki und Scheiper strahlen an diesem späten Dezembernachmittag keinen Pessimismus aus, Nachdenklichkeit ja. Vor allem Rosi Kubacki betont mehrmals, dass es „der gemeinsame Glauben ist, der uns da durchtragen kann“, dass es „der Glaube ist, der uns auch stärkt“. Es sei „die Masse an Nachrichten“, formuliert es Scheiper, die viel Angst verbreiten. Und sie sagt ganz deutlich: „Man darf sich nicht in negativen Nachrichten verlieren.“

Was wünschen sich Elisabeth Scheipers und Rosi Kubacki für 2022 und vielleicht auch schon für 2023 und 2024? Die Hoffnung, das Leben zurückzubekommen, das es vor der Pandemie gab, werde immer geringer, sagt Rosi Kubacki sofort. „Wir werden lernen müssen, mit dem Virus zu leben – ich denke, das schaffen wir auch.“ Elisabeth Scheiper hofft, dass das Umfeld von einer schweren Erkrankung verschont bleibt, dass Medikamente gefunden werden und sich alle impfen lassen. „Wir haben immer gedacht, dass wir alles im Griff haben.“ Sie meint diese Sicherheit, die es vor der Pandemie gab. Das Leben war planbar – über Wochen, Monate, ja Jahre im Voraus. Was sollte schiefgehen? Doch jetzt seien alle wieder von einer Mutation überrascht worden. Die Menschen seien „an die Grenzen des Machbaren gekommen“.

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