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FH Münster: Campus-Dialog über Möglichkeiten zur emissionsfreien Energieversorgung

Ein Ruck muss her

Münster/Steinfurt

„Wir sind in Deutschland meilenweit von einer Vollversorgung durch erneuerbare Energien entfernt“, sagte Prof. Dr. Christof Wetter im Rahmen des jüngsten Campus-Dialogs der FH.

Prof. Dr. Isabelle Franzen-Reuter, Prof. Dr. Christof Wetter und Seniorprofessor Richard Korff (v.l.) führten durch die Campus-Dialoge auf dem Steinfurter Campus der FH Münster. Foto: FH Münster/Holger Dietrich

Kann sich Deutschland erneuerbare Energien selbst versorgen? So lautete die zentrale Frage bei den Campus-Dialogen der FH Münster. Referent Prof. Dr. Christof Wetter vom Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt ging gemeinsam mit dem Publikum auf Antwortsuche. Auch informierte der Experte zu den Themen Strom, Wärme und Mobilität und gab Tipps zur Sektorenkopplung für Privathaushalte und Unternehmen. Die Steinfurter Campus-Dialoge stellen aktuelle Themen von gesellschaftlicher Relevanz in den Mittelpunkt und bereiten diese kompakt und verständlich für die breite Öffentlichkeit auf.

Photovoltaik

Bereits zu Beginn fand Christof Wetter deutliche Worte. „Wir sind in Deutschland meilenweit von einer Vollversorgung durch erneuerbare Energien entfernt. Wir sind ein energieimportierendes Land und müssen das ändern.“ Der Blick nach vorne sei wichtig: Zunächst müsse man schauen, wo Energie eingespart und wie die Energie effizient genutzt werden kann. Danach muss der verbliebene Energiebedarf durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Deutlich wurde das am Beispiel der Solarenergie. „Es gibt in Deutschland 15,83 Millionen Einfamilienhäuser. Davon haben 1,65 Millionen Photovoltaik-Anlagen auf dem Dach. Das sind nur etwa zehn Prozent. Da gibt es noch erhebliche Potenziale“, erklärte der Wissenschaftler, der dafür plädiert, sich neben einer Photovoltaik-Anlage auch direkt einen Stromspeicher anzuschaffen. Denn dieser verdoppele den Eigennutzungsgrad der gewonnenen Energie. Die Aufstellung einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach sei in jede Himmelsrichtung möglich. Ausbaupotenzial für weitere mögliche Flächen gäbe es zum Beispiel an Lärmschutzwänden entlang von Autobahnen oder Bahnschienen und auch oberhalb von Parkflächen.

Schifffahrt

Im Bereich der Mobilität beeindruckte Wetter ebenfalls mit Zahlen und Fakten, bei denen er das Publikum raten ließ. Wie hat sich der Kraftstoffverbrauch eines VW Golfs von 1977 bis heute entwickelt? Überraschendes Ergebnis: so gut wie gar nicht. Was ist die preiswerteste Variante, Güter zu transportieren? „Die Schifffahrt. Transportiert man beispielsweise einen Liter Flüssigkeit von Sao Paolo nach Rotterdam, kostet das einen Cent pro Liter“, erläutert Wetter. Das Engagement Deutschlands müsse immer auch im europäischen Austausch gesehen werden. Worauf es ankomme, sei ein Ruck durch die Gesellschaft. „Diesen brauchen wir, und das ist meine Bitte an alle heute: Seien Sie der Ruck und werben Sie als Botschafter für 100 Prozent erneuerbare Energien. Lassen Sie das Auto stehen, nehmen Sie den öffentlichen Nahverkehr, legen Sie sich eine Photovoltaik-Anlage zu. Nur gesamtgesellschaftlich können wir die Herausforderungen angehen“, sagte Wetter, der das Publikum nach einer sich anschließenden intensiven Fragerunde verabschiedete.

ÖPNV

Für Seniorprofessor Richard Korff übrigens hieß es endgültig Abschied zu nehmen als Moderator der Campus-Dialoge, die er von Beginn an begleitet hatte. Den Staffelstab gibt er weiter an Prof. Dr. Isabelle Franzen-Reuter, Vizepräsidentin für Lehre, Nachhaltigkeit und Hochschulplanung. „Herzlichen Dank für die locker, flockige und sympathische Moderation in den letzten Jahren. Da trete ich in große Fußstapfen. Falls ich mal bei der Moderation ausfalle, dann melde ich mich aber wieder bei Ihnen“, sagte Franzen-Reuter, die sich ebenfalls bei Holger Dietrich und Denise Brasch vom Hochschulmarketing für die Organisation bedankte.

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