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Interessenvertretung

Behindertenbeirat kritisiert einseitige Kommunikation

Steinfurt

Der Behindertenbeirat möchte als Interessenvertretung richtig Gas geben, sieht sich aber in der Kommunikation mit den Entscheidungsträgern der Stadt oftmals ausgebremst.

Von Axel Roll

Jürgen Perick und Michael Horstmann (r.) setzen sich im Beirat für die Belange der behinderten Menschen in Steinfurt ein. Foto: Axel Roll

Der Start in die neue Amtszeit war holprig. Corona! Die konstituierende Sitzung des neuen Seniorenbeirats zum Beispiel musste nach der letzten Kommunalwahl online stattfinden. Was natürlich extrem schwierig war, weil sich die 13 Mitglieder untereinander noch gar nicht kannten, aber trotzdem Funktionen wie den Vorsitz untereinander aufteilen mussten.

Mittlerweile hat sich die Interessenvertretung unter Leitung von Michael Horstmann aber nicht nur menschlich zusammengerauft, sondern auch gut organisiert. Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder zu einer Arbeitssitzung, zweimal jährlich finden die offiziellen Zusammenkünfte mit der Stadt statt. „Die Liste der Themen, die unserer Ansicht nach dringend abgearbeitet werden müssen, ist lang“, sagt Michael Horstmann. Und da tun sich mittlerweile neue Probleme auf. . .

Keine Rückmeldung erhalten 

Ob es die Mülltonnen sind, die nach der Leerung durch den Entsorger immer wieder die Bürgersteige zustellen, fehlende Parkplätze für Gehbehinderte an den Markttagen in Burgsteinfurt, ein Behindertenparkplatz an der Goldstraße, auf dem sich kein gehandicapter Autofahrer traut auszusteigen, weil er Angst haben muss, von den vorbeifahrenden Autos angefahren zu werden, oder eine fehlende Übertragungsanlage in den Sitzungssälen des Rathauses, die Hörgeschädigten die Teilnahme an den Ausschusssitzungen überhaupt erst möglich machen würde – der Behindertenbeirat drängt auf Abhilfe.

Und das unter anderem mit einer langen Liste, die Michael Horstmann dem Technischen Beigeordneten Hans Schröder auf den Schreibtisch gelegt hat. „Eine Rückmeldung haben wir bislang allerdings leider nicht erhalten“, bedauert Jürgen Perick, der dem Beirat schon seit vielen Jahren angehört.

Gespräche mit den entsprechenden Fachdiensten habe es auch schon gegeben. Seine Einschätzung: „Die Kommunikation mit den Entscheidungsträgern aus Verwaltung und Politik ist aus unserer Sicht stark verbesserungswürdig.“

Dabei, betont Perick, könne sich die Stadt doch glücklich schätzen, mit dem Senioren- und dem Behindertenbeirat gleich zwei Interessenvertretungen zu haben, die die Wünsche und Anregungen aus den beiden Gruppen nicht nur einfach entgegennehmen, sondern auch schon für die Entscheidungsgremien aufarbeiten und kanalisieren würden.

Rund 7500 Menschen in Steinfurt mit Handicap

Gerade die Senioren, aber auch die Menschen mit Behinderungen, sind in der Stadt alles andere als Randgruppen. Wie der Behindertenbeirat für seinen Informationsflyer berechnet hat, leben rund 7500 Menschen in Borghorst und Burgsteinfurt mit einem Handicap.

Das Team um Michael Horstmann wird von der Klientel durchaus wahrgenommen. „Wir haben allein durch den Flyer viele Anregungen bekommen“, freut sich Michael Horstmann. Gleiches gilt für die Besuche von Behinderteneinrichtungen, die der Beirat auf die Agenda genommen hat. Die Mitglieder haben sich vorgenommen, in allen Häusern in der aktuellen Amtsperiode wenigstens einmal gewesen zu sein. Zu den weiteren Aktivitäten zählen Informationsfahrten. Am 16. September geht es zum Beispiel zur Messe Reha-Care in Düsseldorf (Anmeldungen sind unter Telefon 0 25 51 / 99 66 69 noch möglich).

Dass der Beirat durchaus etwas bewegen kann, hat er sich übrigens unlängst selbst schon einmal bewiesen, wie Jürgen Perick berichtet. So war den Mitgliedern aufgefallen, dass vor dem Rossmann-Drogeriemarkt in Burgsteinfurt Behindertenparkplätze fehlten. „Wir haben dann mit dem Eigentümer des Baumgarten-Centers Kontakt aufgenommen und innerhalb kürzester Zeit waren die Parkplätze da.“ So schnelle Reaktionen auf ihre Anregungen müssten in Steinfurt Schule machen, findet der Beirat.

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