1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Steinfurt
  6. >
  7. Gardetanz auf zwei Etagen

  8. >

Prinzen-Mädchen proben wegen Corona im Foyer der Nikomedesschule

Gardetanz auf zwei Etagen

Borghorst

Corona hat die Prinzen-Tanzgarde ins Foyer der Nikomedesschule verschlagen. Auf der einen Seite sind sie froh, überhaupt proben zu können. Auf der anderen Seite ist der Raum alles andere als optimal. Eine festen Probenzeit in einer richtigen Sporthalle, das wäre ihr Traum.

Von Axel Rollund

Im Foyer der Nikomedesschule ist es eng. Die Garden der Prinzen müssen dort mitunter auf zwei Ebenen proben. Der Treppenaufgang dient für die Sternchen als Pausenraum, während die Teenies unten ihren Showtanz üben. Foto: Axel Roll

Captain Willi darf seinen Piratentanz nur mit Flüster-Kraft den Mini-Hopsern entgegenhauchen. „Es schallt hier einfach zu doll“, weiß Tanja Hellmann aus leidvoller Erfahrung. Ein Stockwerk höher machen ihre „Sternchen“ gerade Gymnastik. Die Sechs- bis Zehnjährigen haben schon einen anderen Musikgeschmack als die kleinsten Tanzgardistinnen hier unten im Erdgeschoss. Außerhalb der Ferien brüten nebenan die Mitglieder das Schachclubs über ihren Spielbrettern. Karnevalsmusik gilt bei ihnen alles andere als leistungssteigernd. „Da müssen wir schon Rücksicht nehmen“, nimmt die Leiterin der Prinzen-Tanzgarde die Geräuschkulisse im Foyer der ehemaligen Nikomedes-Hauptschule mit Humor. Die anderen „Besonderheiten“ ihres ungewöhnlichen Trainingsraums stören da schon sehr viel mehr. . .

Alle 100 Mitglieder der Mini-Hopser, der Sternchen, Teenies und der Blue Diamonds schleust Tanja Hellmann jeden Donnerstag durchs Training. „Das ist hier ein fliegender Wechsel“, erzählt die langjährige Garde-Chefin. Montags und samstags ist jeweils eine Hälfte an der Reihe. So kommt jedes Mitglied zweimal die Woche zur Probe.

Tanja Hellmann möchte nicht undankbar sein. „Wir sind froh, dass wir überhaupt eine Gelegenheit haben, gemeinsam zu trainieren“, möchte sie der Stadt keine Vorwürfe machen. Wenn sie allerdings nach nebenan in die Turnhalle schielt, die jetzt in den Ferien immer leer ist, wenn sich ihre Mädchen im Foyer gegenseitig auf den Füßen stehen, wird sie schon ein bisschen nachdenklich.

Das Foyer ist für die Prinzen gleich in mehrfacher Hinsicht eine Notlösung. Die Fliesen sind für das Tanzen zu glatt und zu hart. In den Spagat springen, das ist gar nicht möglich. Tanzen in kompletter Gardestärke ist wegen des begrenzten Platzes unmöglich. Tanja Hellmann: „Wir tanzen dann auf zwei Ebenen. Erd- und Obergeschoss.“ Schließlich lässt sich nicht ein Fenster öffnen, um zwischendurch mal zu lüften. „Das wäre in diesem Glaskasten aber dringend notwendig“, erinnert die Leiterin an die heißen Sommertage, die den Raum schnell in ein Treibhaus verwandeln.

Die Prinzen-Tanzgarde ist durch den unsichtbaren Spielverderber mit Namen Corona in der Nikomedesschule gelandet. „Vorher haben wir immer in der Regenbogenschule üben dürfen“, so Tanja Hellmann. Das schuleigene Hygienekonzept habe aber Besuch von Nichtmitgliedern der Schulgemeinschaft unmöglich gemacht. „Was wir auch voll und ganz verstehen.“

Die Regenbogenschule sei zwar um Längen besser als die jetzige Bleibe der Prinzen. Eine richtige Sporthalle wäre für die Prinzen-Gardistinnen aber trotzdem die Krönung. Riesig Platz und ein toller Boden. „Aber auf die Hallenstunden haben halt die anderen Vereine den Daumen drauf“, verweist Tanja Hellmann auf viele Gespräche, die sie schon mit der Verwaltung geführt habe.

Aber auch wenn die Garde kein eigener Verein ist: „Wir sind rund 100 Mitglieder, bringen sportliche Höchstleistungen und sorgen gerade in Zeiten von Corona dafür, dass die Kinder und Jugendlichen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung haben“, betont die Leiterin. Außerdem leisteten die Tanzgruppen einen großen Beitrag zur Integration. Ein bisschen mehr Unterstützung würden sich die Prinzenmädchen da schon wünschen.

Startseite