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Filmdreh zum 200-Jahr-Jubiläum des Emmausgangs

Geistesblitz im Rittersaal

Steinfurt

Zum 200-Jahr-Jubiläum des Emmausgangs wird es einen halbstündigen Spielfilm gehen. Bis der allerdings fertig abgedreht ist, vergehen Tage. Tag Nummer zwei verbrachten die Laienschauspieler im Burgsteinfurter Schloss.

Kamera läuft, Ton läuft: In der Schlüsselszene des Films zum 200-jährigen Bestehen des Emmausgangs bekommt die Prinzen-Abordnung die Laterne vom evangelischen Pfarrer überreicht. Foto: Axel Roll

Anno 1823 waren Sneaker bei evangelischen Pastoren noch nicht sooo als Schuhwerk verbreitet. Auch nicht in dem schlichten Grau, in dem André Linnenbaum sie unter seinem priesterlichen Gewand trägt. Darum muss Roland Busch hinter der Kamera tricksen. Was nicht ganz so einfach ist, weil dem Pastor zu Füßen der wertvolle Kandelaber steht, der gleich in der Kapelle des Burgsteinfurter Schlosses den Besitzer wechseln soll. Busch ist gelenkig, kauert sich ein bisschen tiefer in die historische Kirchenbank und gibt das Kommando: „Kamera läuft.“ Von links neben der Kanzel echot Klaus Uhlenbrock; „Ton läuft.“ Die bekannte Filmklappe gibt es hier nicht. Dafür klatscht Kai Laukemper oben von der Empore in die Hände. Was im Augenblick sein einziger Auftritt ist. Er ist gleich bei der nächsten Szene im Rittersaal als Fürst richtig gefordert.

Drehtag Nummer zwei für den Film zum 200-Jahr-Jubiläum des Emmausgangs der Prinzen-Schützen: Die beiden Schlüsselszenen des halbstündigen Historien-Streifens stehen auf dem Plan. Die Übergabe der Laterne in der fürstlichen Kapelle an die Borghorster Schützen und das Gespräch zwischen Fürst Alexius und seiner Wilhelmina, bei dem die Idee geboren wird, den Prinzen den kostbaren Messingleuchter zu schenken. Authentisch ist das von Klaus Uhlenbrock geschriebene Drehbuch an dieser Stelle natürlich nicht. „Aber so könnte es gewesen sein.“

Oben neben dem Altar André Linnenbaum als Pastor, unten am Fuße der Stufen Andreas Pöhlker, der als Prinzen-Vorsitzender von 1823 die Laterne mit den drei brennenden Kerzen entgegennehmen wird, in den Bänken die Abordnung des Vereins in schwarzem Anzug und blau-weißen Schärpen. Und die 200 Jahre alte Marienfahne ist natürlich auch dabei. Oben auf der Galerie müssen Kai Laukemper und Frau Michelle als Fürstenpaar nur einmal huldvoll nicken.

Auch wenn es nur eine Szene ist. Drehen muss sie Roland Busch gefühlte zehnmal. Wechselnde Perspektiven, mal mit, mal ohne Ton, mal als Totale, mal ein Close up, also eine Nahaufnahme. Und eigentlich hätte es auch einen elften Take geben müssen: Beim späteren Kontrollblick auf die Ausmarsch-Szene sieht der erfahrene Kameramann, dass einer der Prinzen offensichtlich ein Kaugummi kaut...

Szenenwechsel. Während André Linnenbaum, Andreas Pöhlker und seine Kollegen ihre schwarzen Anzüge ausziehen und ins Laienschauspieler-Wochenende gehen können, folgt im Rittersaal des Schlosses der große Auftritt von Kai und Michelle Laukemper. Vor den bleiverglasten Fenstern hat Klaus Uhlenbrock neben der Ritterrüstung zwei mächtige Ledersessel zusammengeschoben. Hier kommt gleich Fürst Alexius der von seiner Gattin gezündete Geistesblitz, den Borghorstern auf der anderen Seite des Buchenbergs die Emmauslaterne zu schenken.

Der Dreh hat es in sich. In einer halben Stunde ist die Sonne weg, die bislang noch wie auf Bestellung die Szene romantisch ausleuchtet. Und dann sind da noch die bewusst in gestelztem Deutsch geschriebenen Bandwurm-Sätze, die Fürst Kai, pardon Alexius, mal getragen, mal mit Pathos in die Kamera von Roland Busch sprechen muss. Seine Gattin stellt sich einer anderen Herausforderung: Sticken und gleichzeitig sprechen.

Am Ende sind aber alle schauspielerischen Klippen elegant umschifft. Die wenigen Zuschauer im Hintergrund klatschen spontan, als Roland Busch ruft: „So, das war‘s, Feierabend.“

Michelle Laukemper fällt aus einem ganz besonderen Grund ein Stein vom Herzen: „Mir ist so was von kalt.“ Bei den Außentemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt ist es im Rittersaal nicht viel wärmer. Das violette Samtkleid mit seinen eindrucksvollen Puffärmel ist halt lange noch kein Wintermantel.

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