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Wartungsarbeiten 

Gutachter stellen in der evangelischen Kleinen Kirche Riss fest

Burgsteinfurt

Die Glocke der Kleinen Kirche läutet nicht mehr. Bei Wartungsarbeiten ist ein Schaden bemerkt worden.

Der Zugang zu der Glocke in der Kleinen Kirche ist eng und schwierig. Ein Gutachter hat einen Riss festgestellt. Damit der nicht größer wird, wurde der Betrieb eingestellt. Zur Reparatur muss die Glocke aus dem Turm geholt werden. Foto: Hermann-Josef Pape

Kirchmeister Walter Krebs spricht von einer bösen Überraschung für die Evangelische Gemeinde. Die Glocke der Kleinen Kirche kann nicht mehr läuten. Sie hat einen Riss bekommen. Das hat ein Glockensachverständiger im Verlauf von turnusmäßigen Wartungsarbeiten vor wenigen Tagen festgestellt. Daraufhin ist der Antrieb abgestellt worden. Wie lange die Glocke stumm bleiben muss, ist noch völlig offen.

Das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde will sich laut Krebs zunächst mit Fachleuten und der Landeskirche beraten, was zu tun ist. Auch der Denkmalschutz muss beteiligt werden. Die Glocke ist für die Stadt und die Kirchengemeinde von besonderer Bedeutung. Sie stammt aus dem 18. Jahrhundert, hat einen Durchmesser von 76 und eine Höhe von 70 Zentimetern. Am oberen Rand trägt sie unter einem Zierband die Inschrift: „Oves Christi Vocem Meam Audiunt Et Me Sequuntur („Die Schafe Christi hören meine Stimme und folgen mir“; Zitat nach Johannes 10.2-4), darunter der Name des Glockengießers und das Herstellungsdatum August 1786. Auf der gegenüberliegenden Seite sieht man das Wappen der Stadt Burgsteinfurt, auf der Vorderseite der verschlungene Namenszug des Grafen Ludwig zu Bentheim-Steinfurt.

Die Glocke hat beide Weltkriege, sogar den Brandbombenangriff auf Burgsteinfurt am 22. März 1945, überstanden, als die Kleine Kirche zerstört wurde. Die Glocke war aus dem Turm gefallen und hatte sich in dem engen steinernen Turmaufgang verklemmt, wo sie den Flammen nicht direkt ausgesetzt war. Sie ist direkt nach Kriegsende zur Großen Kirche gebracht worden, wo sie, wie Gottfried Bercks in Aufzeichnungen des Burgsteinfurter Heimatvereins festgehalten hat, „als einzige Glocke große Dienste tat“. Als dann nach 1949 das Geläut der Großen Kirche wieder vollständig war, ist sie an ihren alten Standort in ein neues Glockengestühl zurückgebracht worden. Da sie faustdicke Aushöhlungen in der Glockenhülle hatte, sollte sie nach anfänglichen Überlegungen umgegossen werden. Der Denkmalschutz hatte das verhindert, so dass nur der Klöppel um 45 Grad gewendet wurde, um einen neuen Anschlagspunkt am Glockenmantel zu haben. In der Kleinen Kirche hat sie dann am 24. Juni 1951 bei einem Dankgottesdienst unter freiem Himmel erstmals wieder eine Andacht eingeläutet.

Nach der sogenannten Läuteordnung vom 19. Juni 1906 ruft die Glocke täglich um 7, 12 und 18 Uhr fünf Minuten lang zum Gebet. Samstags fällt das Läuten um 18 Uhr, sonntags um 7 Uhr aus. Vor den offiziellen Gottesdiensten wird dreimal vor und einmal danach fünf Minuten geläutet. Bei sonstigen Gottesdiensten einmal davor und einmal danach. Karfreitag und Karsamstag schweigen die Glocken.

Bis vor wenigen Tagen war diese Ordnung noch in Kraft, sagt Walter Krebs. Die Reparatur scheint dabei noch das kleinere Übel. Ungleich höher wird der Aufwand eingeschätzt, der betrieben werden muss, die Glocke in die Werkstatt zu transportieren. Der Zugang ist eng und schwierig. Ein Kran muss bestellt und das Dach geöffnet werden. Im Moment weiß wohl nur der Himmel, wann die Kirchenglocke wieder läuten kann.

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