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Schützen wollen unabhängige Gesellschaft gründen

Karneval auf eigenen Füßen

Borghorst

Ein „Weiter so“ wird es für den Steinfurter Karneval nicht geben. Die Schützen planen Großes, um der Narretei einen neuen organisatorischen Rahmen zu geben.

Von Axel Rollund

Bislang stellen die Borghorster Schützenvereine das Dreigestirn. Oben ein Archivbild mit Stadtprinz Alfred Voges. Die Vereinigten informierten jetzt die Öffentlichkeit über die Gründung einer KG. Foto: ar

Die Idee ist nicht neu. Aber über die Jahre ist der Druck auf alle Beteiligten stetig gewachsen. Ergo: Der Karneval muss auf ein neues, ein breiteres Fundament gestellt werden. Das städtische Dreigestirn, die Proklamation, die Prunksitzung, der Rosensonntagsumzug, die Schlüsselübergabe, Weiberfachnacht und Rosenmontag – alle zentralen karnevalistischen Highlights werden seit jeher von der Borghorster Schützenfamilie gestemmt. Und die sieht sich zunehmend überfordert. Bei schwindenden Mitgliederzahlen und all den damit verbundenen Problemen kein Wunder. Die Lösung soll eine neue Dachorganisation speziell für den Karneval bringen. Eine Gesellschaft, die für alle Vereine und Einzelpersonen offen sein soll. Unter der Ägide der Vereinigten Schützen ist gerade eine Arbeitsgruppe damit beschäftigt, die Gründung so einer KG vorzubereiten. Am Wochenende stellte sie erste Ergebnisse der Öffentlichkeit vor. Wenn alles reibungslos klappt, könnte die Gesellschaft schon im kommenden Jahr auf eigenen Beinen stehen.

„Am Ende muss der Karneval gewinnen“, machte Vereinigter Frank Zimmermann als Mitglied der Arbeitsgruppe die Zielrichtung aller Überlegungen deutlich. Es müsse ein Gemeinschaftswerk aller Freunde des Karnevals werden. „Wir hoffen dabei auf viel Unterstützung“, so der Zweite Schriftführer der Vereinigten.

Zentrale Idee einer KG: Die Gestellung des städtischen Dreigestirns soll nicht mehr reihum durch die Schützenvereine erfolgen. „Jeder soll Stadtprinz werden können“, so Georg Hellmann, der als beratendes Mitglied zur Arbeitsgruppe gehört. Damit werden die Schützen finanziell wie personell entlastet. Im Augenblick wird es für sie immer schwieriger, in immer kürzeren Abständen ein Dreigestirn zu stellen. Außerdem, so die Hoffnung der Schützen, gewinnt der Karneval an Akzeptanz, wenn sich wirklich jeder nach seinen Kräften engagieren kann.

Viele Detailfragen sind noch zu klären, das wissen alle Beteiligten. „Noch nichts ist in Stein gemeißelt“, so Frank Zimmermann. Aber den Schützen ist es wichtig, dass die Öffentlichkeit weiß, in welche Richtung sich das Narrenschiff bewegt. Dass sich etwas ändern muss, ist allen klar. Direkten Zeitdruck verspüren die Schützenvereine aber nicht. „Wir haben noch Luft. In 2022 stellen die Dumter das Dreigestirn, ein Jahr später die Wilmsberger“, erläuterte Ernst Lackhütter als weiterer Berater in der Arbeitsgruppe.

Mit der Gründung einer unabhängigen KG sollen die alten, liebgewonnenen Traditionen nicht über Bord geworfen werden. „Wir wollen nicht alles einstampfen und etwas ganz Neues machen“, verdeutlichte Frank Zimmermann.

Die ersten Unterstützer außerhalb der Schützenfamilie stehen Gewehr bei Fuß. Bürgermeister Claudia Bögel-Hoyer zeigte sich von der Idee begeistert und versprach: „Ihr wisst mich an Eurer Seite.“ Und auch Alfred Voges als Sprecher der ehemaligen Stadtprinzen ist angetan. So fasste Ernst Lackhütter am Ende zusammen: „Wir sehen die Schützenvereine, die Stadtprinzen und Zerris als Schutzmacht für den Karneval.“

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