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Anti-Atom-Aktivisten richten Camp ein

Kein Gerichtstermin, aber Protestaktionen

Burgsteinfurt

Anti-Atom-Aktivisten haben am Wochenende ein Protestcamp in Burgsteinfurt aufgeschlagen. Der eigentliche Anlass, der Beginn eines Gerichtsverfahrens vor dem Amtsgericht, ist zwar hinfällig geworden. Trotzdem haben die Atomgegner bis zum Freitag einige Aktionen geplant. Sie richten sich gegen den Weiterbetrieb der Urananreicherungsanlage in Gronau.

-rs-

Am Montag protestierten die Aktivisten mit Plakaten am Markt in Burgsteinfurt gegen Atommülltransporte zur UAA in Gronau und verteilten Infoflyer. Foto: rs

Irene sagt es mit einer gewissen Spitzbübigkeit, aber auch jeder Menge Genugtuung: „Wir sind wieder ungeschoren davongekommen.“ Wir, das sind sechs Anti-Atomkraft-Aktivisten, die im Oktober 2017 an einer spektakulären Protestaktion gegen Uranhexafluorid- zur sowie Atommülltransporte aus der Urananreicherungsanlage in Gronau (UAA) beteiligt waren und sich an die Gleise der Bahnstrecke Münster-Enschede in Höhe des Kieferngrundsees gekettet hatten. 16 Stunden hatten die Protestler damit einen Atomtransport mit dem Grundstoff zur Urananreicherung von Brennstäben für Atomkraftwerke (AKW) aufgehalten, der in Richtung Gronau unterwegs war. An diesem Montag, viereinhalb Jahre später, war der Prozessauftakt gegen das Sextett beim Amtsgericht Steinfurt geplant. Betonung auf war, denn dazu ist es nicht gekommen: „Das Verfahren ist gegen Auflage eingestellt worden“, berichtet Irene. Die Atomkraftgegner hatten dies selbst vorgeschlagen.

500 Euro muss jeder der Beteiligten zahlen, dann erfolgt die endgültige Einstellung. Im ungünstigsten Fall hätten aufgrund der „Störung öffentlicher Betriebe“ saftige Geldstrafen gedroht. Der Protest, der auch große mediale Aufmerksamkeit nach sich zog, sei selbst dies wert gewesen, befindet die 36-Jährige.

Erfreulich aus der Sicht der Aktivisten: Die Bahn hat auf Schadensersatzforderungen verzichtet. Mehr noch: Sogar ein Schmerzensgeld dafür, dass die Atomkraftgegner nach Beendigung der Aktion illegalerweise in Haft genommen wurden, habe es gegeben, berichtet Irene.

Die Einstellung des Verfahrens empfinden die junge Frau und ihre Mitstreiter zwar als einen kleinen juristischen Sieg. Im Grundsatz ändere dies jedoch nichts an der aktuellen Situation. UAA in Gronau und auch Brennelementeproduktion in Lingen liefen nach wie vor weiter – trotz längst verkündetem Atomausstieg Deutschlands und der Abschaltung der drei letzten verbliebenden AKW Ende des Jahres. Es würden damit weiter hochgiftige und strahlende Transporte auf Schienen, Straßen und Wasser durch Deutschland und das Münsterland fahren.

Das ist auch der Grund dafür, dass die Aktivisten ihr im Vorfeld geplantes, einwöchiges Antiatomcamp an der Liedekerker Straße, wenn auch in zeitlich verkürzter Form, durchführen. Seit Samstag sind die Zelte auf dem Gelände der ehemaligen Kleingartenanlage gegenüber der Kreissporthalle aufgeschlagen. Bis zum Freitag wird das Lager dort nach Absprache mit der Polizei verbleiben.

Prominenteste Teilnehmerin ist Cécile Lecomte. Die französische Umweltaktivistin ist vor allem durch ihre zahlreichen Kletteraktionen bekannt geworden, die ihr den Beinamen „Eichhörnchen“ einbrachten.

Nachdem die Aktivisten am Wochenende bereits am Sonntagsspaziergang um die UAA in Gronau teilgenommen haben und am Montagabend ein Vortrag zur Lagerung des Gronauer Atommülls in Russland sowie eine öffentliche Protestaktion auf dem Burgsteinfurter Markt stattgefunden haben, schließt sich am heutigen Dienstag die Übertragung einer Ringvorlesung der Hochschule Magdeburg-Stendal zum Thema „Atomare Bedrohung durch die Atomkraftwerke der Ukraine durch Kriegseinflüsse“ an. Diese findet im offenen Zelt ab 19 Uhr auf dem Campgelände statt. Besucher sind hierzu, aber auch generell jederzeit willkommen.

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