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Bürgerbeteiligung an der Fortschreibung des Steinfurter Klimaschutzkonzepts

Kleiner Kreis und jede Menge Zettel

Steinfurt

Nein, das war sicherlich nicht die Resonanz, die sich Klimaschutzmanager Simon Möser in der Stadtverwaltung von diesem Abend erhofft hatte. Der Einladung an die Bürger, daran mitzuwirken, das Klimaschutzkonzept der Stadt Steinfurt fortzuschreiben, ist am Donnerstag ein mit weniger als 20 Frauen und Männern besetzter überschaubarer Kreis in die Fachhochschule gefolgt.

Von Dirk Drunkenmölle

Leitfragen der Klimaanpassungen standen im Mittelpunkt des ersten Abends, Bürger an der Fortschreibung des Klimaschutzkonzepts zu beteiligen. Die Resonanz auf die Einladung war gering. Prof. Dr. Helmut Grüning, Hans Schröder und Petra Bunzel (kl. Bilder, v.o.) referierten beziehungsweise moderierten die Veranstaltung am Montagabend in der Fachhochschule. Foto: dru

Nein, das war sicherlich nicht die Resonanz, die sich Klimaschutzmanager Simon Möser in der Stadtverwaltung von diesem Abend erhofft hatte. Der Einladung an die Bürger, daran mitzuwirken, das Klimaschutzkonzept der Stadt Steinfurt fortzuschreiben, ist am Donnerstag ein mit weniger als 20 Frauen und Männern besetzter überschaubarer Kreis in die Fachhochschule gefolgt. Von Enttäuschung wollte zwar niemand reden. Den Mienen der Organisatoren war aber schon ein wenig abzulesen, dass sie sich mehr Bereitschaft von der Bevölkerung versprochen hatten, den Klimawandel vor Ort voranzutreiben. Orkanböen, Blitze und Gewitterregen, die erst eine Stunde zuvor über die Kreisstadt hinweggezogen waren, hatten ein weiteres Mal vor Augen geführt, dass die Folgen der Veränderungen längst auch in Steinfurt spürbar sind. Die Herausforderungen sind gewaltig.

In den ersten 75 Minuten der gut zweistündigen, von Petra Bunzel (energielenker) moderierten Veranstaltungen sorgten Wasserwirtschaftsexperte Prof. Dr.-Ing. Helmut Grüning von der Fachhochschule und Technischer Beigeordneter Hans Schröder als zuständiger Dezernent der Stadt Steinfurt mit ihren grundsätzlichen Betrachtungen für einen Eindruck davon, wie öffentliche Räume offener, grüner und klimafreundlicher gestaltet werden können. Beide Referenten warben nachdrücklich dafür, intelligente Konzepte für mehr urbanes Grün, neue Wohnformen, alternative Mobilität und Energieversorgung zu entwickeln. Wie hoch der Preis ist, der dafür gezahlt werden muss, wurde nicht genannt. Grüning war sich aber sicher, dass die Kosten noch größer sein werden, wenn die Gesellschaft nichts unternimmt, um die schädlichen Einflüsse auf das Klima zu stoppen. Bewusstsein und Bereitschaft müssten bei jedem Einzelnen geweckt werden, über seine persönliche Situation nachzudenken und auf die sich abzeichnenden Veränderungen zu reagieren.

Nach dem Einwand einer Teilnehmerin, sich im weiteren Verlauf des Abends mehr mit der konkreten Situation in Steinfurt zu beschäftigen und nach Ideen und Lösungen zu suchen, die Lebensqualität in der Stadt zu verbessern, wurde es deutlich lebhafter im Hörsaal. Was läuft gut? Was läuft noch nicht rund? Die grüne Tafel füllte sich zusehends mit kleinen Post-it-Zetteln sowohl mit Kritik an bestehenden Zuständen als auch mit Anregungen für Verbesserungen innerhalb des Stadtzentrums, in den Wohngebieten und Außenbereichen, für besseres Klima zu sorgen. Der Erhalt des „Räuberwäldchens“ in Burgsteinfurt, die Umgestaltung von „Pastors Garten“ in Borghorst wurden als richtungsweisende Beispiele für kleine und überschaubare Projekte genannt. Sie könnten mit kleinen Mitteln aber möglicherweise großer Wirkung schnell und unkompliziert umgesetzt werden. Heftige Kritik wurde noch einmal an offenbar immer noch wachsenden Schotterwüsten in den Vorgärten von Ein- und Mehrfamilienhäusern geübt. Statt Verbote auszusprechen sei es zielführender, Überzeugungsarbeit zu leisten. Dass Pflegeleicht auch anders geht? Im Kreislehrgarten lassen sich anschauliche Beispiele finden.

Wiederholt wurde in der Diskussion auch auf die von Hans Schröder aufgezeigten Klimaziele abgehoben, denen sich der Struktur- und Entwicklungsausschuss der Stadt widmet. Uli Ahlke vom Verein „WieWollenWirLeben?“ mahnte: „Wir dürfen uns keine Fehlentscheidungen mehr leisten. Wir müssen mutiger werden.“ Ahlke hob darauf ab, in Bebauungsplänen mehr als bisher geschehen ökologische Schwerpunkte zu setzen. Und: „Wir reden über Klimawandel und wollen Luftkurort werden.“ Die Akteure, die dieses Projekt vorantreiben, sollten unbedingt mit in den Prozess eingebunden werden.

Fassaden und Dächer begrünen, Parkflächen entsiegeln, Baulücken schließen, Patenschaften für Grünflächen initiieren oder „Urban Gardening“ wie in Nachbarkommunen ermöglichen: Bis zum Ende des Abends verlängerten sich die Zettelreihen dann noch einmal bis an die Tafelränder. Kaum vorstellbar wie groß die Ideensammlung geworden wäre, wenn der Saal auch nur halb mit Bürger gefüllt gewesen wäre. Sei‘s drum. Klimamanager Simon Möser wird nicht aufgeben, mehr Menschen für die Fortschreibung des Klimaschutzkonzeptes zu gewinnen. Allein sechs Veranstaltungen und Treffen wird es, unter anderem mit Wirtschaft und Handel, Dienstleitern und Schüler, im Juni geben, den Dialog eine breite Mitwirkung zu erzielen. Die Einladungen sind raus.

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