Kritik am Wertstoffhof

Kockmann weist Kritik zurück

Steinfurt

Überhöhte Preise, lange Wartezeiten und schlechte Raumaufteilung: Der neue Wertstoffhof im Seller Esch steht derzeit in der öffentlichen Kritik. Der Betreiber, das Ochtruper Entsorgungsunternehmen Kockmann GmbH weist diese in einer Stellungnahme zurück. Es nimmt die Schelte jedoch auch zum Anlass sich zu verbessern – zum Beispiel in der Preistransparenz.

Ralph Schippers

Neues Ausstattungsmerkmal, an das sich der Steinfurter Anlieferer noch gewöhnen muss: Die Waage erfasst exakt alle Abfallmengen, die zum Wertstoffhof gebracht werden. Foto: Schippers

Der von dem Entsorgungsunternehmen Kockmann aus Ochtrup betriebene neue Wertstoffhof im Seller Esch steht in der Kritik. Im sozialen Netzwerk Facebook werden von verschiedenen Nutzern eine ganze Reihe von Mängeln benannt: Sie reichen von hohen Zeitaufwänden, die insbesondere bei der Anlieferung mehrerer Abfallarten anfallen über Raumengpässe im Bereich der Grünschnittabgabe bis hin zur fehlenden Transparenz bei der Angabe der Preise, die bei der Anlieferung fällig werden. Auch die Preisgestaltung selbst wird kritisiert. Zu recht?

Auf Nachfrage dieser Zeitung bei der Entsorgungsgesellschaft Steinfurt (EGSt), die im Auftrag des Kreises Steinfurt die regionale Abfallwirtschaft koordiniert, erklärt Mitarbeiterin Beatrice Daal, dass der Wertstoffhof Burgsteinfurt eine offizielle Annahmestelle des Kreises für Restmüll und Grünabfälle sei. In diesen beiden Bereichen seien die Preise laut der Abfallentsorgungssatzung des Kreises vorgegeben. Beim Restmüll können Bürger bis maximal fünf Kubikmeter pro Lieferung dort abgeben. Die Gebühr ist auf 126 Euro pro Tonne ohne Mehrwertsteuer festgeschrieben. Der Entsorger Kockmann verlangt laut aktueller, vor Ort an der Carl-Benz-Straße einsehbarer Preisliste indes 185 Euro.

„Wartezeiten nicht immer vermeidbar“

Dominik Düker, Vertreter der Geschäftsführung der Kockmann GmbH, macht auf Anfrage deutlich, dass sich dieser Preis daraus ergebe, dass die Siedlungsabfälle, die am Wertstoffhof angeliefert werden, sich ganz überwiegend als Baumischabfälle darstellten. Aus dem erhöhten Sortieraufwand resultiere dann auch der höhere Preis. Insgesamt hätten sich die Tonnagepreise für die privaten Anlieferer gegenüber dem alten Standort nicht geändert. Man liege mit der Preisgestaltung im Bereich von vergleichbaren Wertstoffhöfen im Kreis Steinfurt.

Bezüglich der Kritik an den langen Wartezeiten an der neu eingeführten Waage warb Düker um Verständnis dafür, dass diese sich insbesondere bei Stoßzeiten nicht immer vermeiden ließen. Die Anschaffung einer Doppelwaage für ein Ein- und für Ausfahrten, wie im sozialen Netzwerk angeregt, sei angesichts von Kosten im fünfstelligen Bereich nicht tragbar gewesen. Es bliebe dem Kunden unbelassen, seinen Abfall in einer Fraktion anzuliefern. „Dann geht es schneller, aber es ist, da noch getrennt werden muss, auch teurer.“

Die Waage kommt nunmehr generell bei Anlieferungen zum Einsatz, eine Ausnahme bildet nur der Grünschnitt: Eine Kofferraumladung schlägt wie gehabt mit 2,50 Euro, ein gefüllter Kombi-Laderaum mit 5 Euro zu Buche.

Was die Transparenz der Preise anbelangt, will das Unternehmen nachbessern. Bis dato hängt die Preisliste lediglich zur Einsichtnahme vor Ort aus. Düker kündigte jedoch an, dass eine Veröffentlichung auf der Homepage des Unternehmens angestrebt sei. Diese werde derzeit überarbeitet.

Stabile Preise

Dass es Raumengpässe auf dem neuen Wertstoffhof geben soll, kann Düker nicht nachvollziehen. Die Fläche sei mehr als doppelt so groß wie beim Vorgänger. Man habe viel Zeit und Energie in die Optimierung der Abläufe investiert. „Unser Ziel war und ist es, dem Kunden die Anlieferung so einfach und bequem wie nur möglich zu machen.“ Es sei indes notwendig, sich an die vor Ort geltenden Regeln zu halten, bittet der Mitarbeiter darum, keine Sperrflächen zu befahren und die Boxen im 90-Grad-Winkel anzusteuern. Wer sich mit seinem Gespann quer vor eine Schüttgasse stelle, sorge schnell für unnötige Blockaden.

Angesprochen auf die Kritikpunkte am Wertstoffhof verweist Abfallberater Kurt Enting von der Stadtverwaltung grundsätzlich auf die Zuständigkeit des Betreibers. Wer seinen Abfall dort nicht hinbringen wolle, für den gebe es beispielsweise in Altenberge bei der von der EGSt betriebenen Deponie eine Alternative.

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