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Geschäft schließt nach 63 Jahren zum 31. Dezember

Lotto-Ära an Leerer Straße endet

Burgsteinfurt

Es ist das Ende einer Ära, die immerhin 63 Jahre dauerte: Am kommenden Freitag schließt das Lottogeschäft an der Leerer Straße 9 in Burgsteinfurt. Bis zuletzt hatte die Laden-Institution in der Altstadt seinen treuen Liebhaberstamm.

Von Ralph Schippers

Vornehmlich aus gesundheitlichen Gründen schließt Angelika Puhe zum Jahresende ihr Lottogeschäft an der Leerer Straße. Einen Nachfolger gibt es trotz intensiver Bemühungen ihrerseits nicht. Foto: rs

Es ist das Ende einer Ära, die immerhin 63 Jahre dauerte: Am kommenden Freitag schließt das Lottogeschäft an der Leerer Straße 9 in Burgsteinfurt. Bis zuletzt hatte die Laden-Institution in der Altstadt seinen treuen Liebhaberstamm – sogar neue Kundschaft hatte Inhaberin Angelika Puhe trotz Corona-Krise hinzugewinnen können. Auf den Tag genau vor drei Jahren hatte die 55-jährige Burgsteinfurterin das Traditionsgeschäft von Bernd Meinberg übernommen. Respektable 45 Jahre hatte der Vorgänger das kleine Lottogeschäft samt Zeitschriften- und Tabakwarenhandel geführt. Dass nun das abrupte Aus kommen würde, hätte sich Angelika Puhe seinerzeit nicht vorstellen können.

Die Gründe sind vielschichtig. „Ich habe die Selbstständigkeit zugegebenermaßen ein wenig unterschätzt“, gibt die Burgsteinfurterin offen zu. Der zeitliche Aufwand für Buchführung und Steuern sei immens hoch gewesen, hinzu kamen die langen Arbeitszeiten im Laden. Obwohl das Kerngeschäft gut lief und sie das Geschäft weitgehend offenhalten konnte, habe sich Corona irgendwann bemerkbar gemacht, berichtet sie. Irgendwann, als die Ersparnisse aufgebraucht waren, habe sie die Erkenntnis gehabt, „dass ich nur noch arbeite, um den Laden mehr schlecht als recht am Laufen zu halten.“ Der Hauptgrund, dass im Sommer die Entscheidung gereift ist, das Geschäft zu schließen, war indes ein anderer: Gesundheitliche Probleme, die immer mehr in den Vordergrund traten, ließen der 55-jährigen letztlich keine andere Wahl.

Da hatte sie indes noch die Hoffnung, dass es einen Nachfolger geben wird. Ein Geschäft mit treuer Stammkundschaft, guter Innenstadtlage, gesundem Kerngeschäft und vergleichsweise günstiger Miete müsste doch Interessenten anziehen. „Ich habe es über Online-Portale versucht und auch über die Lottogesellschaft“, berichtet die 55-Jährige. Und es habe auch Kandidaten gegeben, die Interesse bekundeten. „Doch es war erschreckend festzustellen, wie unrealistisch teils die Vorstellungen und wie hoch die Ansprüche waren“, sagt Angelika Puhe mit Blick zum Beispiel auf die vorhandene, schon ältere Ladeneinrichtung oder den Aufwand, der betrieben werden muss, um die Lotto-Lizenz zu erwerben.

Konsequenz: Von den Bewerbern ist keiner übrig geblieben, der Laden wird zum Jahresende geschlossen und Steinfurt um einen Leerstand „reicher“ sein. Ein Umstand, mit dem auch Bernd Meinberg, inzwischen 80 Jahre alt, schwer zu knabbern hat, berichtet Angelika Puhe. In dieser Woche läuft der Ausverkauf der Waren. Die Zeitschriften sind Kommissionsware, die Lotto-Dienstleistungen wird fortan Andreas Comes in seinem Geschäft an der Wasserstraße anbieten.

Angelika Puhe wird ihn anfangs stundenweise zur Einarbeitung unterstützen, dann will sie sich um das kümmern, was während der Zeit der Selbstständigkeit hinten an stehen musste: Um ihre Gesundheit.

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