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Belgischen Orchesters „Carousel“ macht seinem Namen in der Konzertgalerie alle Ehre

Mal Kirmes-Pferd, mal Cortina-Bob

Burgsteinfurt

Im Bagno erlebt man immer mal wieder kleine Wunder. Am Samstag war es eine muntere Karussellfahrt mit Musikern des erst vor drei Jahren gegründeten belgischen Orchesters „Carousel“

Von Hans Lüttmannund

Die Musiker nahmen ihr Publikum mit auf eine lebendige, fröhliche, leidenschaftliche und enthusiastische musikalische Karussellfahrt Foto:

Im Bagno erlebt man immer mal wieder kleine Wunder. Am Samstag war es eine muntere Karussellfahrt mit Musikern des erst vor drei Jahren gegründeten belgischen Orchesters „Carousel“. Mal ging‘s gemächlich zu wie auf dem Kirmespferdchen der Kindheit, dann wieder flott und luftig wie im Kettenkarussell und immer wieder rasend wie im schwindelig-schnellen Cortina-Bob. Dass dieses ein besonderes Konzert werden würde, sah man schon den jungen Musikern an, die eben nicht im gediegenen Konzertsaal-Schwarz auftraten, sondern so, als wollten sie gleich noch zur Geburtstagsparty gehen im stylischen Anzug, auf knallgelben High Heels zum kleinen Schwarzen oder in sattem Türkis, in dem selbst die Notenständer strahlten.

Aber natürlich ging es zuallererst um die Musik, um sehr bekannte Musik: das Es-Dur-Septett von Beethoven und das F-Dur-Oktett von Franz Schubert; beides ziemlich dicke Brocken, die die „Carousel“-Fahrer normalerweise nicht in einem Konzert spielen, aber Matthias Schröder kann auch mal ganz hartnäckig sein. Beethovens fast 50 Minuten dauernde Komposition wurde schon bald zu dessen beliebtestem Werk. Wenn es etwas wie universelle Schönheit, das Gleichgewicht aller inneren und äußeren Befindlichkeiten gibt – dann ist Beethovens Septett ein Beispiel dafür. Und über Schuberts Oktett heißt es, dass sich Musiker bei dessen Aufführung gerne im Klangreichtum dieses, ebenfalls fast eine Fußballhalbzeit langen Stückes, suhlen.

Was die restlos begeisterten Zuhörer hörten und sahen, waren ungemein spielfreudige, gut aufgelegte junge Menschen, die allermeisten bereits mit dem internationalen ARD-Preis dekoriert, die mit ihren Instrumenten eine Farbpalette herbeizauberten, wie man sie von flirrend-bunten Festen kennt. Jeder für sich ist übrigens auch ein gefragter Solist, aber alle zusammen ein wunderbar eingespieltes Team. Und gerade diese beiden Kompositionen gaben jedem auch immer wieder Raum für kleine Solopassagen; selbst der türkis gewandete Kontrabassist bekam seine Chancen.

Das war ein aufregender Konzertabend, der die Zuhörer wortwörtlich von den Stühlen riss, eine lebendige, fröhliche, leidenschaftliche und enthusiastische musikalische Karussellfahrt. Oder, weniger profan gesagt: eine orchestrale Intensität, die sich bis hoch in den Dachgiebel der musikalischen Kathedrale schraubte.

Und als der kaum enden wollenden Beifall dann doch abebbte, fragten, nein: wunderten sich die Konzertgänger, warum dieses ein Meisterkonzert der B- und nicht A-Kategorie gewesen sein soll; aber beim nächsten Mal wird das ganz sicher anders.

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