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Kirchengemeinden wollen Energie sparen

Mütze auf zum Gebet

Steinfurt

Die beiden großen Steinfurter Kirchengemeinden sind dabei, Aktionspläne zu erarbeiten, um Energie zu sparen. Besonders die hohen Heizkosten für die Kirchen verschlingen viel Geld.

Pfarrer Guido Meyer-Wirsching steht an der Gastherme, die die Kleine Kirche und das Evangelische Gemeindezentrum befeuert. Die Technik dort ist relativ neu, doch, wie Meyer-Wirsching sagt, mittlerweile von einer erschreckenden Realität eingeholt worden. Foto: Drunkenmölle

Sich regen bringt Segen, beweisen Kirchgänger angesichts der sich zunehmend verschärfenden Energiekrise Galgenhumor, wenn sie in den Gottesdiensten während der Wintermonate mehr Bewegung fordern, um beim Vater unser nicht auch noch frieren zu müssen. Gleichwohl richten sich die Gemeinden in Steinfurt auf die kalte Jahreszeit ein und folgen den diesmal weltlichen Geboten, mit Brennstoffen hauszuhalten – ausgenommen, sie dienen dazu, die Seele zu erwärmen. Sparen ist also angesagt.

Und als erste hat die Evangelische Kirchengemeinde in Burgsteinfurt jetzt beschlossen, ihre Große Kirche vorübergehend abzuschließen. Wie Pfarrer Guido Meyer-Wirsching mitteilt, hat sich das Presbyterium der Gemeinde darauf verständigt, dass bereits an den beiden ersten Sonntagen im November die Gottesdienste in die Kleine Kirche verlegt werden. Nach dem 2. Weihnachtsfeiertag sollen dann alle Gottesdienste bis zur Osterwoche 2023 entweder in der Kleinen Kirche oder im Gemeindezentrum gefeiert werden.

Meyer-Wirsching führt in diesem Zusammenhang aus, dass die Evangelische Gemeinde bereits vor gut zehn Jahren beim Neubau des Gemeindezentrums in der Flintenstraße in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule die innovative Entscheidung zum Einbau einer hochmodernen Wärmepumpe getroffen hat. Sie versorgt seitdem sowohl die Kleine Kirche als auch den benachbarten Neubau an der Flintenstraße. Der Austausch der Ölheizung in der Großen Kirche vor drei Jahren (da hat bereits das Anheizen für lediglich einen Sonntagsgottesdienst mehrere Hundert Euro verschlungen) durch eine hochmoderne Gastherme habe zwar dem damaligen Stand zur Heiztechnik für große Kirchenräume entsprochen. „Doch“, so bedauert Meyer-Wirsching, „alle Maßnahmen sind inzwischen von einer anderen und erschreckenden Realität eingeholt worden“. Das Presbyterium folge nun dem Aufruf der Evangelischen Landeskirche, mit der Einsparung von Gas und Strom mehr als nur einen solidarischen Beitrag zu leisten. Mit dem Beschluss auf der letzten Synode habe die Landeskirche zugleich entschieden, bis zum Jahr 2040 klimaneutral zu werden.

19 Grad in den Räumen des Gemeindezentrums

Die Temperaturen in den evangelischen Kirchen sind schon heruntergeregelt worden, und es wird empfohlen, warme Kleidung beim Gottesdienstbesuch zu tragen. Darüber hinaus wird die Temperatur in den Räumen des Gemeindezentrums auf 19 Grad gesenkt. „Mit diesen ersten Beschlüssen wollen wir unseren Beitrag in diesen Krisenzeiten leisten“, so Pfarrer Guido Meyer-Wirsching. Er berichtet weiter, dass viele Maßnahmen auch beim Einsparen von Strom umgesetzt worden sind und der Austausch der alten Energiesparlampen durch die moderneren LED-Leuchtkörper nach und nach erfolgen wird. Er ist überzeugt, „dass die Haupt- und Ehrenamtlichen mit ihren kreativen Ideen auch dafür sorgen werden, dass niemand frieren muss“.

Ab wann Regelungen getroffen werden, ist noch offen

Das wird wohl auch den katholischen Brüdern und Schwestern in Borghorst und Burgsteinfurt erspart bleiben, nicht aber Maßnahmen, die ebenfalls darauf abzielen, die Ausgaben für Energie zu senken. Wie, wo und ab wann Regelungen getroffen werden, ist noch offen. Die Gremien der Gemeinde beschäftigen sich aber bereits damit, wie Martin Varwick, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes von St. Nikomedes, auf Nachfrage unserer Zeitung erklärte. Wenn es soweit ist, würden Einzelheiten zunächst in den Gottesdiensten verkündet und im Anschluss auch veröffentlicht. Unterdessen machen Spekulationen die Runde, dass die Marienkirche in den Wintermonaten womöglich ganz geschlossen wird.

Pfarrer Guido Meyer-Wirsching hat unterdessen schon einmal einen, mit einem Augenzwinkern verbundenen heißen Tipp für kalte Tage: Er empfiehlt, sich die gestrickten Socken des Handarbeitskreises der Frauenhilfe zuzulegen. Und wer weiß, ob nicht schon bald beim Besuch eines Gottesdienstes oder im Gemeindezentrum auch eine wärmende Decke angeboten wird. Auf katholischer Seite könnte dieses Angebot sicherlich genauso von erfahrenen Handarbeiterinnen gemacht werden. Niemand wird beim Beten frieren müssen . . .

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