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Eugen Oskamp überbringt 8000-Euro-Spende nach Bad Münstereifel

Nach der Paprika in die Katastrophe

Borghorst / Bad Münsterei­fel

Der Borghorster Eugen Oskamp hat für Ralf Hürten fast 8000 Euro gesammelt. Das Geld ist sein Beitrag für die Wiederaufbauhilfe seines Freundes, der ihn Bad Münstereifel bei der Flut beinahe seine komplette Lebensgrundlage verloren hätte.

Von Axel Rollund

Eugen Oskamp (r.) hat seinem Freund und Kollegen Ralf Hürten eine Spende von fast 8000

Leise, flüsternd, kaum hörbar murmelt die Erft in ihrem viel zu großen Bett vor sich hin. Gäbe es dort unten im Bach nicht die Windungen, Hindernisse, Sandbänke und kleinen Katarakte, die sich bei näherem Hinsehen als verschlammte Plastikkisten, Treibholz, Metallgitter oder Kabelknäuel entpuppen, das Flüsschen wäre wohl stumm. So als schäme sich die Erft für das, was sie den Bürgern von Bad Münstereifel am Abend des 14. Juli angetan hat. Bürgermeisterin Sabine Preiser-Marian spricht vom „größten Einschnit

t in der Stadtgeschichte“. Ralf Hürten wählt ebenfalls den Superlativ. Für den Restaurantbesitzer und seine Frau Vanessa ist es ihre persönlich „größte Katastrophe“. Sie hat sie nahe an den beruflichen Ruin gebracht. Die Rede ist – natürlich – vom Hochwasser, das nur wenige Stunden durch den mittelalterlichen Stadtkern getobt ist, aber schlimmste Verwüstungen und eine mehrere Zentimeter dicke Schlammdecke hinterlassen hat. Dass dort am Markt vier, direkt hinter dem Brunnen des Königs Zwentibold, einmal mediterran angehauchte, gehobene Küche serviert wurde – nur der schmiedeeiserne Metallausleger über und die von der Feuchtigkeit gewellte Speisekarte neben dem Eingang lassen es erahnen.

Dass Ralf Hürten an diesem Samstagmorgen richtig lachen, ja sogar strahlen kann, das hat mit dem seltenen Besuch zu tun, der um die Mittagszeit den Kopf durch die Restauranttür steckt. Der Borghorster Fotograf und Freund aus alten Zeiten, Eugen Oskamp, ist da. Er hat das raschelnde Ergebnis seiner privaten Spendenaktion – hübsch gerahmt – mitgebracht. Knapp 8000 Euro, die unter großer Beteiligung der Prinzen-Schützen, des Heimatvereins und vieler anderer Steinfurter innerhalb weniger Wochen zusammengekommen sind. „Die Leute wollen sicher sein, dass das Geld dort ankommt, wo es benötigt wird“, hat Oskamp bei vielen Gesprächen festgestellt. Bei Freund Ralf ist er da an der richtigen Adresse, davon ist der Borghorster überzeugt. Und der erzählt, warum: „Die Schäden am Gebäude bekomme ich von der Versicherung erstattet. Die Inneneinrichtung muss ich selbst bezahlen.“ Da kommen mit Küche, Kühlräumen, Tischen, Stühlen etc. schnell über 100 000 Euro zusammen. „Ohne neue Kredite geht gar nichts.“ Vor der Flut war die Schuldenfreiheit am Horizont in Sichtweite. „Das kannst du jetzt vergessen.“

Von den Soforthilfen ist bei den Hürtens noch nicht viel angekommen. „Außerdem gibt es auch nur einen Teil vom Zeitwert“, weiß der Restaurantbetreiber, der bis vor sieben Jahren an gleicher Stelle ein Fotostudio betrieb. „Damals habe ich meine Leidenschaft zum Beruf gemacht“, erzählt der 51-jährige Münstereifeler.

Das letzte Mal, dass er seiner zum Job gemachten Leidenschaft frönen konnte, war am Abend des 14. Juli. Der letzte Küchenbon hängt noch an der Dunstabzugshaube. Pimientos, kleine grüne Bratpaprika, und eine Paella. „Die Pimientos habe ich noch rausgebracht, dann war der Strom weg“, erinnert sich Ralf Hürten an die dramatischen Stunden. Selbst in diesem Moment war es Lokalbesitzer wie Gästen noch nicht klar, was da jetzt folgen würde. „Obwohl wir die Tage vorher richtiges Scheißwetter hatten“, erzählt Hürten. Eine halbe Stunde, nachdem es in der ganzen Stadt schlagartig dunkel geworden war, ging der 51-Jährige vor die Tür, um nach dem Rechten zu sehen. „Da schwappte das Wasser über die ersten Brücken.“ Er war aber immer noch weit entfernt davon zu glauben, dass da eine Katastrophe von historischem Ausmaß heranrollte. Dann ging alles ganz schnell. Das Wasser kam, die Gäste gingen. Stühle rein, Blumenkübel als Schutz vor die Tür. Bis 21 Uhr stand das Wasser auf 1,50 Meter im Lokal. Irgendwann hatte sich die doppelflügelige Seitentür mit einem lauten Knall dem Wasserdruck ergeben. Das Ehepaar war in den zweiten Stock geflüchtet und zählte die Treppenstufen, die von der schlammigen Brühe bedeckt waren. „Erst gegen 2.30 Uhr haben wir gemerkt, dass es fällt.“ Am nächsten Morgen war das Wasser weg und das ganze Ausmaß der Tragödie sichtbar.

Sie ist heute noch präsent. In der ganzen Stadt. Bis zum ersten Stock. Die Dankbarkeit, die Ralf Hürten und Ehefrau Vanessa über die Spenden aus Steinfurt erfüllt, lässt sich an vielen Stellen im Eifelstädtchen spüren. „Danke an alle Helfer“, ist an vielen Zäunen, Brettern und auf Plakaten zu lesen. Dem ist von Eugen Oskamp und Ehepaar Hürten nichts mehr hinzuzufügen.

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