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Kunst- und Hilfsaktion für geflüchtete Kinder

Nachhaltiges Vermächtnis

Steinfurt

Der Lions Club Graf Arnold und die Galerie Bertrams rufen dazu auf, eine außergewöhnliche Benefizaktion zu unterstützen. Aus dem Nachlass von Dieter Lünnemann werden über 100 Kunstwerke verschenkt. Spendeneinnahmen sollen für Kinder aus der Ukraine verwendet werden.

Von Dirk Drunkenmölleund

Neben zahlreichen Malereien hat Dieter Lünnemann auch Stelen aus Holz gefertigt. Seine Arbeiten werden von Freitag bis Sonntag in der Galerie Bertrams, Kirchstraße 13, ausgestellt.Dirk Zumbansen, Elisabeth und Jürgen Lünnemann sowie Jörg Bertrams (v.l.) hoffen, dass sich viele Menschen für die Bilder von Dieter Lünnemann interessieren und für Geflüchtete aus der Ukraine spenden. Foto: Drunkenmölle

„Er wäre mächtig stolz, wenn er das noch erleben könnte.“ Elisabeth und Jürgen Lünnemann sagen das über ihren Sohn Dieter und eine außergewöhnlich bewegende Benefizaktion, die von Freitag bis Sonntag (22. bis 24. April) zugunsten geflüchteter Menschen, die aus der Ukraine nach Steinfurt gekommen sind, in der Kreisstadt stattfinden wird. Dann soll eine komplette Kunstausstellung verschenkt werden. Mehr als 100 Bilder und Stelen hat das Ehepaar Lünnemann aus dem Nachlass ihres Mitte März vergangenen Jahres verstorbenen Sohnes zur Verfügung gestellt, damit sich aus diesem besonderen Vermächtnis eine nachhaltige Hilfsaktion entwickeln kann.

Die Idee hatte Elisabeth Lünnemann dem Galeristen Prof. Dr. Jörg Betrams vorgetragen. Der hat daraufhin den örtlichen Lions Club Münsterland Graf Arnold angesprochen, dessen Präsident Dirk Zumbansen sofort begeistert und zugleich dankbar für diese Gelegenheit war, auf eine ganz besondere Art und Weise Geld für Menschen in Not zu sammeln. Wohlgemerkt: Die Bilder werden verschenkt, zugleich wird aber um Spenden gebeten. Zumbansen: „Ziel ist es, viel Geld für die geflüchteten ukrainischen Kinder zu sammeln, damit das Nötigste angeschafft werden kann.“

Aber zunächst zurück zu Dieter Lünnemann. Dieter ist in Burgsteinfurt im Juni 1973 geboren, dort in den Kindergarten und zur Schule gegangen. Aufgrund einer geistigen Behinderung hat er später die Erich-Kästner-Schule in Borghorst und danach die Schule für Körperbehinderte in Münster besucht. Anschließend war er in den Caritas-Werkstätten Langenhorst und Burgsteinfurt beschäftigt. Seine letzten Lebensjahren hat er in einer eigenen kleinen Wohnung im Rahmen des ambulant betreuten Wohnens in Ochtrup verbracht.

Dieter hat Zeit seines Lebens gemalt. Zunächst auf vielen kleinen Blättern, später in Notizbüchern, Heften und Zeichenblöcken. „Die Ideen entstehen in meinem Kopf. Ich sehe mir das leere Blatt Papier an und der Rest ergibt sich“, hat der junge Mann einmal beschrieben, wie er arbeitet. Kennzeichnend für seine Werke ist eine leuchtende Farbigkeit.

Lünnemanns Bilder wecken die Neugier. Sie fordern den Betrachter geradezu heraus, sich mit den Motiven auseinanderzusetzen. Wer genau hinsieht, entdeckt immer wieder versteckte Details. Ein Markenzeichen von Lünnemann, der nicht nur mit Farben, sondern auch mit alle möglichen Materialien experimentiert hat, die er irgendwo gefunden hat. So sind auch vielerlei Collagen und sogar Stelen aus Holz entstanden, die Dieter gestaltet hat. Er hat sich alles, was ihn beschäftigt hat, täglich von der Seele gemalt.

Dieters gestalterische Kraft ist der Öffentlichkeit nicht verborgen geblieben. Er war an verschiedenen Ausstellungen beteiligt und hat auch wiederholt am Bundeskunstpreis für Menschen mit Behinderungen teilgenommen, wo er 2011 sogar den zweiten Platz belegt hat.

Jörg Bertrams hat eigens seine Galerie in der Kirchstraße 13 ausgeräumt, um die Arbeiten von Dieter Lünnemann auszustellen. Ein Preview findet am Freitag (22. April) von 10 bis 18 Uhr statt, die Vernissage am Samstag (23. April) um 11 Uhr, eine Nachschau am Sonntag (24. April) ebenfalls von 11 bis 18 Uhr.

Am Freitag und Samstag wird die Hilfsaktion darüber hinaus durch Stände auf den Wochenmärkten in Burgsteinfurt beziehungsweise Borghorst begleitet. Dort werden nicht nur Spenden gesammelt. Mitarbeitende des der städtischen Integrations- und Koordinierungsstelle stehen Rede und Antwort zu allen Fragen rund um persönliche Ukraine-Fragen. Darüber hinaus erhält der Lions Club Unterstützung von Geschäftsinhabern. „Bis zum Wochenende hoffen wir auf weitere Akteure, die sich spontan mit kreativen Ideen beteiligen“, so Dirk Zumbansen.

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