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Besuchsnachweis für kostenlose Coronatest

Noch mehr Zettelwirtschaft

Steinfurt

Die neue Corona-Testverordnung stößt in Steinfurt auf wenig Begeisterung.

Von Dirk Drunkenmölle

Anspruch auf kostenlose Tests haben unter anderem Besucher von Pflege- und Krankeneinrichtungen. Sie müssen sich den Besuch allerdings bestätigen lassen.

Vom Durcheinander, das die veränderte und seit gestern in Kraft getretene Corona-Testverordnung des Bundesgesundheitsministeriums ausgelöst hat, bleiben auch die Alten- und Pflegeeinrichtungen sowie das Marienhospital in Steinfurt nicht verschont. Sowohl die Heime als auch das Krankenhaus sehen sich aufgrund der neuen Regelungen weiteren bürokratischen Belastungen ausgesetzt. Dort bekommen Besucher ohne tagesaktuellen Test weiterhin keinen Zutritt. Kostenlos sind die Bürgertests für diese Gruppe zukünftig aber nur noch, wenn sie in der Teststelle einen Nachweis vorlegen, dass sie privat oder beruflich eine stationäre oder ambulante Pflege- oder Krankeneinrichtung besuchen wollen. Die Zettelwirtschaft nimmt zu.

Formlose Bestätigung

Die formlosen „Bestätigung zur Vorlage bei der Teststelle“ hat sich Clemens Schulze-Beiering bereits von der Homepage des Lauterbach-Ministeriums heruntergeladen. „Es gibt bereits eine ganze Menge Nachfragen danach“, berichtet der Einrichtungsleiter. Der Ablauf ist dann wie folgt: Besucher erhalten das Papier am Eingang. Ihnen wird darauf mit Datum, Stempel und Unterschrift bestätigt, dass sie eine im Roleff-Haus betreute und untergebrachte pflegebedürftige Person besuchen oder dort auch Arbeiten verrichten. Diese Bestätigung können sie anschließend in der Teststation für eine Kostenbefreiung vorlegen und danach, negativer Corona-Testergebnis vorausgesetzt, ihren Besuch oder Job antreten. Einmal ausgestellt, reiche die Bestätigung für alle weiteren Besuche und Coronatests als Vorlage in den Zentren aus.

„Wir kennen 80 bis 90 Prozent unserer Besucher“, sagt Schulze-Beiering. Missbrauch völlig auszuschließen, sei aber unmöglich. Einen weiteren Kommentar zum Verfahren und der Überprüfbarkeit hat sich der Einrichtungschef verkniffen.

Heinrich-Roleff-Haus

Was den Besuchercheck am Eingang des Heinrich-Roleff-Hauses betrifft, so berichtet Schulze-Beiering, dass die Kosten für die Mitarbeitenden dort nicht mehr vom Rettungsschirm der Bundesregierung getragen werden, die Domus Caritas das Personal aber weiter bis 30. September auf eigene Rechnung weiterbeschäftigen wird. Anders sei der Aufwand gar nicht zu bewältigen.

Im Evangelischen Altenhilfezentrum soll mit den Bescheinigungen für die Coronatests ähnlich verfahren werden. Eva Lapkiewicz, stellvertretende Einrichtungsleiterin, ließ wie Schulze-Beiering durchblicken, dass die Art und Weise, wie die Betroffenen und Einrichtungen über die anstehenden Änderungen informiert worden sind, dürftig gewesen sei: „Niemand hat zunächst richtig gewusst, wie das alles ablaufen soll.“ Das Perthes-Werk in Münster, Träger des Bonhoeffer- und Cläre-Fund-Hauses in Burgsteinfurt, sei dabei, für ein einheitliches Verfahren in allen Häusern zu sorgen.

Marienhospital

Und wie gelangen Besucher des Marienhospitals an einen kostenlosen Schnelltest? Die Antwort gibt MHS-Sprecherin Katharina Krüger: „Alle Besucherinnen und Besucher erhalten eine personalisierte Besuchserlaubnis. Diese wird beim ersten Besuch ausgestellt und kann für die folgenden Tests als Nachweis für eine kostenlose Testung genutzt werden.“ Krüger fügt in diesem Zusammenhang noch einmal an, dass Besucher auch weiterhin dazu verpflichtet sind, bevor sie Patientinnen und Patienten im Steinfurter Krankenhaus besuchen.

Heftige Kritik an dem Verfahren wird weiterhin in den örtlichen Teststellen, von Hausärzten und Apotheken geübt. Von haarsträubenden Umsetzungsproblemen ist auch dort die Rede. Mit der neuen Testverordnung sei der Bürokratismus weiter vorangetrieben worden. Das ausgelöste Wirrwarr trage eher nicht dazu bei, dass die Dunkelziffer Infizierter sinkt. Das Gegenteil sei der Fall.

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